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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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bedacht genommen, insbesondere durch Aufteilung der beiden 
Wohngebiete mit Grünstreifen, die das Ganze in Teilgebiete 
zerlegen und so angeordnet sind, daß sie zugleich die Bach 
läufe in sich aufnehmen. 
Mit diesem Entwürfe habe ich mich etwas länger, als 
beabsichtigt, aufgehalten; er bot aber gleich die willkommene 
Gelegenheit, die grundsätzlichen Fragen für die Erweiterung 
derartiger Städte von geschichtlicher und städtebaulicher 
Bedeutung wie Soest zu erörtern. Deshalb kann ich mich 
jetzt kürzer fassen. 
Auch der Entwurf „ten Doornkaat Koolmann Patroklus“ 
(Doppeltafel 69/70 oben und Tafel 68 unten) hat zunächst 
zu ermitteln gesucht, wieviel neue 
Wohnfläche voraussichtlich notwendig 
sein wird. Dem jährlichen Zuwachse 
von rund 200 Köpfen entsprechend, 
würden demnach — 100 Einwohner auf 
1 ha gerechnet — 50 ha Siedelungs 
fläche für die nächsten 25 Jahre aus- 
reichen. Das ist freilich zu knapp be 
messen, weil der Bedarf an Industrie 
gelände sehr gering eingeschätzt wird. 
Doch zugegeben, die Berechnung sei 
zutreffend, so ist es auffallend, daß 
der Verfasser glaubt, eine völlige Ver 
bauung der zu bearbeitenden Ring 
fläche annehmen zu müssen, die bei 
gleichbleibender Entwicklung, wie er 
selbst sagt, erst in 350 Jahren erreicht 
werden könnte. Diesen Irrtum hat er 
aber — und damit ist von ihm gerade 
die Eigenart der Stadt Soest getroffen 
— dadurch zu mildern verstanden, daß 
er die Erhaltung des zurzeit gebräuch 
lichen Zweifamilienhauses befürwortet 
und der Bauordnung, die in der Alt 
stadt 4 Stockwerke bei 0,75 Bebauung 
und vor dem Walle 3 Stockwerke bei 0,66 Bebauung zu 
läßt, das Verlangen entgegenstellt, draußen nur 2 Stock 
werke bei 0,30 Bebauung, und zwar.mit Baublocktiefen von 
nicht weniger als 30—90 m zuzulassen, um dem Kleinhause 
mit nicht zu kleinen Hausgärten weiteste Verbreitung zu 
sichern. Nur an den Hauptverkehrsstraßen könnten vielleicht 
3 Stockwerke und im Industriegebiete für Fabrikgebäude 
auch 4 Stockwerke (für Wohnhäuser aber auch nur 2 Stock 
werke) zugelassen werden. 
Diese Vorschläge sind durchaus beherzigenswerte und, 
wenn sie beherzigt werden, zu einem praktischen Ziele 
führende, wenn sie auch nicht erfordern,//so weite Flächen, 
wie der Verfasser angenommen hat, 
mit Kleinhaussiedelungen zu bedecken, 
die in der sich immer wiederholenden 
gleichen Bauweise auch gar zu eintönig 
wirken würden. Der Bebauungsplan 
steht dadurch in einigem Widerspruch 
mit den von künstlerischer Empfindung 
getragenen Schaubildern. 
Wenn die von West nach Ost 
erforderte Verkehrsverbindung zweck 
mäßiger gelöst wäre, so würde der Ent 
wurf wohl den vorgesehenen zweiten 
Preis voll verdient haben. So mußte 
er sich damit begnügen, mit dem Ent 
würfe „Kultur im Kriege“ (Doppel 
tafel 69/70 unten und Tafel 71, auch 
Textbilder 3 und 4) gleich bewertet 
zu werden. Das Preisgericht hat zu 
diesem letzteren Entwürfe gesagt, daß 
er sehr beachtenswerte Vorschläge 
für die Ausgestaltung der Wallaus 
lässe gebe, wogegen der Vorschlag zur 
anderweitigen Gestaltung des Bahn 
hofsvorplatzes aus praktischen und 
wirtschaftlichen Gründen nicht als
	        
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