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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
122 
Wenn also die meisten Bewerber eine ringförmige Stadt 
erweiterung angenommen und eine weit über das Bedürfnis 
hinausgehende Bebauung vorgesehen haben, so ist dies nicht 
eine Folge der Wettbewerbsbedingungen, sondern ihrer irr 
tümlichen Auslegung unter dem Einflüsse der weitverbreiteten 
Schulmeinung, den alten Stadtbering wieder mit Ringstraßen 
und gar einem für ganz andere Verhältnisse zu rechtfertigen 
den grünen Gürtel umgeben zu müssen. Einer der Be 
werber hat sogar ausdrücklich gemeint, weil die Straßen 
der Altstadt strahlenförmig gerichtet sind, nunmehr die der 
Stadterweiterung ringförmig angelegt werden müssen. Weiter 
hin fordern die allgemeinen Bedingungen aber auch eine 
Verbindung der neu zu erschließenden Außengebiete mit der 
Altstadt, d. h. mehrere Teilgebiete, teils durch Fahrstraßen, 
teils durch Fußwege, demnach auch verschiedener Art. Des 
halb war auch die Einzeichnung des Entwurfs in den Über 
sichtsplan mit farbiger Darstellung der aufgeteilten Flächen 
(Bebauung, gewerbliche Anlagen, Wald, Wiese, Wasser, 
Acker, Gräben usw.) verlangt. Daß diese Auffassung keine 
willkürliche Auslegung der allgemeinen Bedingungen ist, 
geht schon aus dem langsamen Wachstum der Stadt her 
vor, die auf lange Zeit hinaus nur einen Bruchteil der zu 
bearbeitenden Fläche für die Bebauung bedarf. Das ist 
auch von zwei preisgekrönten Entwürfen zahlenmäßig er 
wiesen. Und dieser Nachweis gehörte eben mit zur Auf 
gabe des Wettbewerbes“. Es mag zugegeben sein, daß dies 
vielleicht auch in den Bedingungen noch schärfer hätte ge 
faßt werden können — doch war es dem Ortskundigen 
ohnehin klar und sich die Ortskunde zu verschaffen den 
Bewerbern als unerläßlich dringend empfohlen. Überdies 
sollten diejenigen Entwürfe bevorzugt werden, die sich 
auf das Maß des Erreich 
baren beschränken und 
mit bescheidenen Mitteln 
den Anforderungen zu ent 
sprechen suchen. 
Einen allen Bedingungen 
gleichmäßig gerecht wer 
denden Entwurf hat der 
Wettbewerb nicht ge 
bracht. Immerhin über 
ragte der Entwurf „Sach 
senspiegel“ der Herren 
Regierungsbaumeister Gu 
stav Langen und Archi 
tekt Paul Schmitthenner in 
Berlin die anderen so weit, 
daß ihm als dem verhält 
nismäßig besten der erste 
Preis gegeben werden 
konnte. Die beiden an 
deren Preise wurden zu 
sammengeworfen und de 
ren Summe zu gleichen 
Teilen den Entwürfen „ten 
Doornkaat-Koolmann Pa 
troklus“ des Architekten 
Leopold Stehen in Berlin 
bzw. „Kulturim Kriege“ der 
Verfasser Rudolf Linken 
heil in Schramberg und 
Regierungsbaumeister Al 
bert Schäfer in Görlitz, früher Ulm, zuerkannt. Gute 
Einzelvorschläge, die für die weitere Bearbeitung ver 
wertbar erschienen, haben endlich zum Ankauf der Ent 
würfe „Patroklus“ II (mit Turm) der Herren Landmesser 
Heinrich Solinus und Architekt Wilhelm Piel in Münster 
und „Patroklus“ III der Herren Stadtingenieur Brocke und 
Architekten A. Stein und Fritz Wildemann in Essen ge 
führt. Damit ist nun nicht gesagt, daß nicht noch weitere 
Entwürfe gute und schöne Einzelheiten geboten hätten, 
namentlich auch in künstlerischer Richtung; es verdienen 
dieserhalb noch der Entwurf „Hofeschlüssel“ mit vielfältige 
Spaziergänge bietenden Grünanlagen, dann der Entwurf 
„Hansa“, der die Grünflächen zu drei strahlenförmig ver 
laufenden Streifen zusammenfaßt — ähnliches hatte auch 
der Entwurf „Radial“ und „Märchenstadt“ vorgeschlagen — 
und den west-östlichen Verkehr zweckmäßig umgeleitet hat, 
ferner der Entwurf „Magna Voluisse Magnum“ mit sorg 
fältig und abwechslungsreich durchgebildeten Platzanlagen, 
sowie der Entwurf „Radiales Grün, tangentialer Verkehr“ 
mit gutem Straßenzuge zum Bahnhofe hin und einer vor 
trefflich dargestellten Ausbildung der Wallendigung am 
Durchbruche dieser Straße (siehe Textbild 2). Es hätte sich 
wohl verlohnt, auch hiervon noch einige Abbildungen mehr 
zu bringen; doch die durch den Krieg geschaffenen Ver 
hältnisse legen der Zeitschrift Beschränkungen auf. 
Auf den Tafeln 66—73 werden die preisgekrönten und 
angekauften Entwürfe vorgeführt. Sie im ganzen zu be 
schreiben, dürfte sich deshalb erübrigen. Doch auf einige 
Hauptpunkte, die für die unentbehrliche weitere Bearbeitung 
des Stadterweiterungsplanes bedeutungsvoll sind, soll im 
folgenden hingewiesen werden:
	        
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