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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Für die Anlage der Hauptverkehrsstraßen kommt die 
Verbindung folgender Punkte in Frage: 
Brandenburger Tor, Kronenstraße, 
Viehmarkt, Friedländer Pregelbrücke, 
untereinander und je zu der Speichersdorfer und derPonarther 
Unterführung. Die übrigen Straßen können als Wohn- und 
Industriestraßen je nach ihrer Lage in den Wohn- oder 
Industrievierteln angesprochen werden. Die Verkehrsstraßen 
einerseits und die Wohn- und Industriestraßen andererseits 
sind klar von einander getrennt, was sich hauptsächlich in 
der Linienführung und den straßenmäßigen Einteilungen 
ausdrückt. Die Anlage von Straßenbahnen ist in sämt 
lichen aufgeführten Verkehrsstraßen möglich. 
Ein Blick auf einen Königsberger Stadtplan zeigt, daß 
die ausgebauten südlichen Stadtteile, so besonders der Haber 
berg, in bezug auf Freiflächen nicht günstig dastehen. Es 
bietet sich nun die Gelegenheit, Freiflächen in größerem 
Umfange vorzusehen. Die Erhaltung eines Teiles der Be 
festigung und der ihnen vorgelagerten Wasserflächen, sowie 
deren Umgestaltung zu Spielplätzen läßt bereits Freiflächen 
größeren Umfanges entstehen. Dann sind die vorhandenen 
Wasserflächen, soweit sie infolge zu tiefer Sohle für Bauzwecke 
nicht in Frage kommen, im Plane einheitlich zusammen 
gefaßt und zur Verschönerung des Stadtbildes verwandt 
worden. Der vorhandene Spielplatz an der Aweider Allee 
ist vergrößert, ein neuer großer Spielplatz an der Ponarther 
Straße geschaffen. Die Gesamtgröße der vorgesehenen 
Freiflächen beträgt 30,33 ha. 
Das zu Gewerbe- und Wohnzwecken zu verwertende 
Gelände ist im wesentlichen so aufgeteilt, daß die Gelände 
entlang der Industriebahn wegen der dort vorhandenen Gleis 
anschlußmöglichkeiten den Industrievierteln zugewiesen sind, 
und die Aufteilung ist derart erfolgt, daß sowohl größere 
wie kleinere Betriebe angesiedelt werden können. Die durch 
die Industrieviertel führenden Hauptstraßen sind von Wohn 
gebäuden eingefaßt, um so das Industrieland zu billigem 
Preise abgeben zu können. 
Die der Stadt näher liegenden Teile kommen durch 
weg für Wohnzwecke in Frage. Die Baublöcke sind 
je nach den Vorschriften der Bauzonenordnung ge 
staltet, und zwar derart, daß sie ohne Anlage von 
Seitenflügeln und Quergebäuden wirtschaftlich ausgenutzt 
werden können, aber doch ein gesundes Wohnen er 
möglichen. Durch hintere Baulinien ist für die Durch 
führung dieser Absicht des Bebauungsplanes gesorgt. Da 
entlang den Verkehrsstraßen Läden und Betriebe entstehen, 
die Hintergebäude, wie Lager, kleine Werkstätten, Wagen 
häuser usw., in dieser Stadtgegend gebrauchen, ist an diesen 
Straßen teilweise eine tiefere Blockbildung entworfen, die 
auf diese Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Um aber doch 
ein gesundes Wohnen zu gewährleisten, sind hier zwei 
hintere Baulinien gedacht, die hintere Baulinie, die als 
äußerste Grenze für Gebäude überhaupt anzusehen ist, 
und die hintere Baulinie für Wohngebäude, auf der 
zwischen beiden liegenden Flächen können dann die wirt 
schaftlich notwendigen Nebengebäude errichtet werden. Die 
Baublöcke haben zur Erzielung einer einwandfreien Be 
leuchtung und Belüftung nach Möglichkeit Nord-Südlage 
erhalten. 
In der größeren östlich von der neuen Ostbahn liegenden 
Fläche mit einer Gesamtgröße von 177,50 ha ergeben sich 
Abb. 3 . 
104,48 ha Nettobauland. Der Entfestigungsvertrag weist dem 
militärisch zu übereignenden Gelände von 103,05 ha die 
viergeschossige Bauzone II zu; dem würden bei 64,8°/ 0 Ge 
samtausnutzung 66,8 ha Nettobaulandflächen der Zone II 
entsprechen. Zugewiesen sind der Bauzone II jedoch 40 ha, 
eine Fläche, deren Größe durch die umfangreichen tiefen 
Wasserflächen und die geplanten Grünanlagen ausreichend 
begründet ist. 3,5 ha der Zone II sind öffentlichen Gebäuden 
Vorbehalten. An den übrigen Hauptverkehrsstraßen ist die 
Bauzone IVa 3 1 /? Geschosse bei 4 /, 0 Bodenausnutzung mit 
9,76 ha Bauland, im übrigen die Bauzone Va mit 2'/j Ge 
schossen bei 4 / l0 Bodenausnutzung mit 18,6 ha Bauland 
vorgesehen. Im ganzen hat die Fläche also 66,35 ha Bau 
land für Wohnzwecke. Dazu kommen noch 38,13 ha 
Industrieland. In der kleineren, zwischen der alten 
und neuen Ostbahn gelegenen Fläche mit einer Gesamt 
größe von 58,0 ha sind 4,88 ha Bauland für Wohn 
zwecke und 43,31 ha Industrieland enthalten. Von dem 
235,50 ha umfassenden Gebiet sind zugewiesen 71,23 ha 
= 30,25°/« dem Bauland für Wohnzwecke, 81,44 ha 
= 34,57 °/o dem Bauland für Industriezwecke, zusammen 
also 64,82 °/o für Bauzwecke. Für Grünflächen sind 30,35 ha 
= 12,88% und für Straßenflächen 52,50 ha = 22,30 % zu 
rückbehalten. 
Die Pläne für den Ausbau der Südstadt stammen von 
Herrn Stadtbaurat Kutschke, dem für die Hafenplanung 
der Regierungsbaumeister Th ran und für die Bebauungs 
pläne der Regierungsbaumeister Dr.-Ing. Former zur 
Seite standen.
	        
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