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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 13.1916 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Abb. 2. Planausschnitt des Entwurfes von 1907 für Königsberg. 
daß der Handels- und Industriehafen nicht nur mit dem 
Nassen Garten, sondern auch mit diesen Stadtteilen mög 
lichst günstige Verbindungen erhält. 
Für die Erweiterung der Stadt im Süden des Haber 
bergs stehen das Entfestigungsgelände der Südfront und die 
davor belegenen Wiesen zur Verfügung. Dieser Teil ist für 
die Schaffung besserer Siedelungen für größere Massen be 
sonders gut geeignet, da er nahe an der Stadt liegt, gute 
und gesunde Untergrundverhältnisse besitzt und an das 
Verkehrsnetz der Stadt besonders zweckmäßig angeschlossen 
werden kann. Das ganze Gelände befindet sich mit wenigen 
Ausnahmen im Besitz der Stadt, und nachdem der Stadt 
vor kurzem auf besonderen Antrag auch hier das Enteig 
nungsrecht zum Zwecke der Beschäftigung von Kriegs 
gefangenen verliehen worden ist, kann das ganze Gelände 
als im Besitze der Stadt befindlich betrachtet werden. In 
folgedessen kommt ihm eine ganz besondere Bedeutung zu, 
und der Bebauungsplan für diesen Teil soll deshalb näher 
beschrieben werden. Vergleiche Tafel 4 — zum Vergleiche 
ist in Textbild 2 der betreffende Ausschnitt des Planentwurfes 
von 1907 beigefügt, in dem durchweg viergeschossige Bau 
weise vorgesehen war. 
Das aufzuschließende Gelände hat eine Größe von 
235,50 ha. Es setzt sich aus zwei einzelnen größeren Flächen 
zusammen. Die größere Fläche von 177,50 ha ist im Norden 
begrenzt von der Bahnhofswallstraße, dem Brandenburger 
Tor, von der Brandenburger Tor- und der Artilleriestraße, im 
Nordosten vom Alten Pregel ab Ölmagazin bis zur ehe 
maligen Stadtgrenze mit dem Gutsbezirk Mühlenhof, im 
Westen von der Aweider Allee, im Süden vom Schlacht- 
und Viehhof und im Osten von den Gleisen der im Bau 
begriffenen neuen Ostbahnstrecke. Die kleinere Fläche von 
58 ha liegt zwischen der alten und der neuen Gleisanlage der 
Ostbahn. Das Gebiet besteht im wesentlichen aus tiefgelegenen 
Wiesen und Äckern, die das Vorgelände zu den Festungs 
anlagen entlang der Artilleriestraße bilden. Es ist durch 
setzt von vielen Wasserflächen. Der 
Baugrund ist innerhalb der großen 
Fläche fast überall gut, innerhalb der 
kleinen Fläche finden sich teilweise 
Wiesenmoorflächen von nur geringer 
Tiefe vor. 
Der Bebauungsplan beabsichtigt, 
dieses Gelände in die Stadt organisch 
einzufügen. Es ist dazu bestimmt, An 
siedelungsmöglichkeit für eine Reihe 
von Industrien und Kleingewerben und 
der dort beschäftigten Bevölkerung 
Wohngelegenheit und Erholungsmög 
lichkeit zu geben. Gleichzeitig soll es 
der auf dem Haberberg außerordentlich 
dicht angesiedelten Bevölkerung die 
gewünschte Gelegenheit zu ihrer Aus 
dehnung nach Süden bieten. Zur An 
siedelung von Industrie ist das Gelände 
im Süden durch die Industrie- und 
Kleinbahn aufgeschlossen, die den ein 
zelnen Betrieben den Anschluß an die 
großen Verkehrsstraßen der Wasser- 
und Schienenwege ermöglicht. Durch 
geeignete Anlage der Verkehrs- und 
Wohnstraßen und der damit ver 
bundenen Aufteilung sind die Grundbedingungen für die 
Ansiedelung geschaffen. Die Erhaltung und Erschließung der 
vorhandenen Naturschönheiten auf den bleibenden Festungs 
anlagen gibt Gelegenheit zur Erholung in der Natur. Die 
nötigen öffentlichen Gebäude, wie Bildungsanstalten, Kirche 
usw., sind um eine große, monumentale Nord-Süd-Achse 
angeordnet, die dem gesamten Gebiete einen geistigen Mittel 
punkt und damit ein architektonisches Rückgrat verleiht. 
Absicht der Planung war es ferner, die Stadterweiterung 
derart anzulegen, daß auch späteren Geschlechtern die Ge 
stalt der jetzigen Stadtbefestigung zum Teil erhalten bleibt; 
dies soll erreicht werden durch Erhaltung eines Teiles der 
Befestigungsanlagen des Kavaliers-Haberbergsund der haupt 
sächlichen Wasserflächen, sowie durch Erhaltung der Ra 
velins in ihren Grundformen, hier jedoch unter Anpassung 
an die Zwecke der Wohngeländeerschließung. 
Der Entwurf hat die durch Vertrag vom 15. Februar 1912 
festgelegten Eisenbahnanlagen übernommen und hat die 
Führung der Verkehrswege daraufhin angepaßt. Die als 
Dreischienenbahn geplante Industrie- und Kleinbahn stellt 
für die Kleinbahn den Anschluß vom Königstor nach 
der Staatsbahn im Süden der Stadt dar und gibt der 
Südfront, den Lomsewiesen und der Ostfront durch die 
normalspurige Industriebahn den unmittelbaren Anschluß 
an das Staatsbahnnetz. Für die Kleinbahn ist ein Personen 
bahnhof an der geplanten Ponarther Unterführung in der 
Nähe des Hauptbahnhofes vorgesehen. Für die Industrie- 
und Kleinbahn ist entlang ihrer Hauptlinienführung ein 
beiderseits je 15 m breiter Streifen frei gelassen, der Er 
weiterungszwecken Vorbehalten bleiben soll. Da eine Er 
weiterung aber in nächster Zeit wohl nicht zu erwarten ist, 
können die Flächen einstweilen als Lagerplätze mitverwendet 
werden. Das Industriegelände ist so aufgeteilt, daß größere und 
kleinere Grundstücke entstehen, und daß diese stets mit ihrer 
einen Seite an der Straße und mit ihrer anderen Seite an 
der Bahn liegen.
	        
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