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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Abb. 4. Malerischer Blick auf die Wassertürme am Roten Tor. 
der infolge seiner brutalen Masse und der diese noch stei 
gernde überreiche Gliederung in empfindlichster Weise das 
liebliche Architekturbild zerstört. Man stelle sich einmal in 
Gedanken die Verbauung des Eserwalles mit lauter derartigen 
Kasten vor, und von dem Städtebilde ist nichts mehr erhalten 
(vgl. Textbild 2). Die Übertragung einer derartigen Bau 
weise auf die Grundstücke der ehemaligen Kaserne muß 
ausgeschlossen sein, besonders auch aus dem Grunde, daß 
St. Ulrich in höherem Maße als der Dom als das Wahr 
zeichen Augsburgs gilt. 
Als weitere denkmalpflegerische Aufgabe, die mit dem 
Städtebau zusammenhängt, ist die Erhaltung der alten 
Wälle nebst ihrer Ausgestaltung zu nennen. Bei der Auf 
lassung der Wälle in den siebenziger Jahren sind die alten 
Befestigungen zum großen Teil zerstört, die Gräben eingefüllt 
und dann als Bauplätze verkauft. 
Trotz dieses Vorgehens ist ein 
immerhin noch verhältnismäßig 
großer Teil mit sehr malerischen 
Blicken erhalten, wie die Teile 
am Roten Tor, am Vogeltor, am 
Lueginsland und an der Thomm 
straße, am Schleifgraben und 
andere (vgl. Textbild 4). Eine 
Ausgestaltung der alten Wall 
anlagen zu Promenaden nach 
Braunschweiger oder Bremer 
Vorbild ist zwar nicht mehr 
möglich, immerhin läßt sich aber 
durch zielbewußtes Vorgehen 
eine zusammenhängende Grünanlage schaffen. Hand in 
Hand mit einer nicht zu hohen Bauweise, durchsetzt von 
den teilweise noch erhaltenen alten Baumbeständen, lassen 
sich dann wohl recht erfreuliche Städtebilder gestalten. 
Städtebaulich und denkmalpflegerisch gleichbedeutend 
wird die bevorstehende Erweiterung der Augsburger 
Fuggerei sein, die als erste planmäßig angelegte Armenstadt 
1519 von Jakob Fugger gebaut wurde und die heute 
noch als erstklassiges Vorbild für die Anlage von Klein 
wohnungssiedlungen betrachtet werden kann. Hier wird 
es sich in erster Linie um die Erhaltung der bestehenden 
Anlage in allen Teilen handeln, dann erscheint es besonders 
nötig, den Blick von der Ochsengasse auf Rathaus und 
Perlachturm zu wahren (Tafel 45 a); ein neues hohes Tor 
gebäude würde den Blick auf diese hindern. Soweit bekannt, 
besteht die Absicht, die Fuggerei 
durch zwölf neue Häuser zu 
vergrößern. Infolge der hohen 
Preise, die für die jetzt dem Ab 
bruch verfallenden Gebäude ge 
zahlt sind, soll man Vorhaben, die 
neu zu errichtenden Häuser nicht 
in der Hausform des dort über 
lieferten Zweiwohnungshauses, 
sondern Sechs- oder sogar Neun 
wohnungshäuser zu bauen. Auf 
der einen Seite muß das Bestreben 
der Fuggerschen Stiftungsver 
waltung, preiswerte Wohnge- 
legenheiten für kleine Leute zu
	        
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