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Volume H. 7/8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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auch die Anordnung einer niederen Bebauung am Rande 
der Spielwiese. Wünschenswert wäre eine breitere Öffnung 
zwischen der Spielwiese und dem Hohenzollernplatz.“ 
Nr. 16 „Staffelung“, und zwar die Variante (vgl. Tafel 39): 
„Dem Verfasser ist es gelungen, eine zweckmäßig erscheinende 
Mischung der höheren und niederen Bauklassen herbei 
zuführen, um damit der Örtlichkeit einen freundlichen Vor 
ortscharakter zu verleihen. Zu loben ist insbesondere der 
Promenadenzug zwischen dem Hohenzollernplatz und der 
Lindauer Straße, welcher sehr reizvolle Straßenbilder bietet. 
Die Aufschließung des tiefen Baublocks zwischen Kranken« 
haus und Schiller-Promenade ist als geschickt zu bezeichnen. 
Die künstlerische Lösung des Hohenzollernplatzes verdient 
besondere Anerkennung,“ 
Nr, 27 „Sonnig und luftig“ (vgl. Tafel 40): „Der Ver 
fasser versucht in anerkennenswerter Weise zusammen 
hängende Promenadenzüge zu schaffen, an welchen er eine 
flachere Bauweise gruppiert. Die von ihm vorgeschlagene 
Bauweise ist jedoch in den Einzelheiten nicht immer ein 
wandfrei.“ 
Das Preisgericht hat schon im Januar vergangenen 
Jahres seines Amtes gewaltet. Es waren 31 Entwürfe für 
die Aufteilung des Gemeinde- (früher Hafferschen) Geländes 
zu beurteilen, von denen beim ersten Rundgange 15 und im 
zweiten noch weitere vier ausgeschieden wurden, so daß 
zwölf Entwürfe der näheren Prüfung verblieben — ein sehr 
annehmbares Egebnis! Von diesen kamen dann sieben in die 
engste Wahl, aus der Nr. 28 „Rund um die Wiese“ von 
Regierungsbaumeister Theodor Bulling in Berlin-Friedenau 
und Max Israel in Berlin-Wilmersdorf mit dem ersten Preise 
von 2500 Mk., die Variante von Nr. 16 „Staffelung“ von 
Henry Groß, Architekt in Charlottenburg mit dem zweiten 
Preise von 1500 Mk. und Nr. 27 „Sonnig und luftig“ von 
den Regierungsbaumeistern Fritz Zollinger (jetzt Stadtbau 
inspektor) und Alfred Daiber in Neukölln mit dem dritten 
Preise von 1000 Mk. hervorgingen, während Nr. 14 „Ruhe, 
Luft und Licht“ von Arthur Funcke, Verkehrstechniker und 
Karl Kegel, Architekt in Berlin-Schöneberg, sowie Nr. 26 
mit dem Zeichen der aufgehenden Sonne von Max Taut, 
Architekt in Berlin zum Ankauf für je 500 Mk. empfohlen 
wurden. Demnach waren die Entwürfe Nr. 5 „Stadtzentrum“ 
und Nr. 7 „Schulzentrum“ schließlich auch noch gefallen. 
Wenn jetzt noch auf das Ergebnis zurückgekommen 
wird, so liegt dies nicht etwa daran, daß es sich um ein 
Ereignis von besonderer Tragweite gehandelt hätte — die 
Aufgabe war im Gegenteil eine dem Umfange nach be 
scheidene und rein örtlicher Natur — die Beziehungen zu 
Groß-Berlin standen bereits fest. Doch innerhalb dieser 
Grenzen war die Aufgabe eine auch für ähnliche Zwecke 
vorbildlich gestellte und gelöste, indem sie vom Bewerber 
verlangte, daß er sich über die wirtschaftlichen Folgen seiner 
Bebauungsvorschläge selbst Rechenschaft legte. 
Die Aufteilung des rund 47 ha großen Geländes soll 
sowohl eine städtebaulich einwandfreie Anlage schaffen, 
als auch der Gemeinde eine möglichst vorteilhafte Verwertung 
ermöglichen. Die Grundsätze für die Bearbeitung sagten 
darüber folgendes: 
„Es sollen Wohnviertel mit möglichst Drei- und 
Vierzimmerwohnungen geschaffen werden. Einzimmerwoh 
nungen und solche ohne Bad und Küche sind ausgeschlossen. 
Die Bauparzellen sind so zu schneiden, daß Quergebäude 
oder lange Seitenflügel, die besondere Wohnungen enthalten 
können, nicht errichtet werden können; Fabrikanlagen sind 
ausgeschlossen. Für die Bebauung gelten die Vorschriften 
der Baupolizeiverordnung für die Vororte von Berlin vom 
30. Januar 1912. Im ganzen Gebiete ist die geschlossene 
Bauweise vorzusehen, jedoch kann in einzelnen Teilen des 
Geländes von einer vollen Ausnutzung der Höhe Abstand 
genommen werden, wenn der, entstehende wirtschaftliche 
Verlust durch anderweitigen Gewinn an geringeren Straßen 
kosten und geschickte Anordnung von Grünflächen auf 
gehoben wird. Einige besonders günstig gelegene Baublöcke 
können auch für offene Bebauung vorgesehen werden. 
Von den übrigen Entwürfen haben Nr. 12 „Vorort 
bebauung“, Nr. 13 „Ausfallstraße“, Nr. 18 „Reinickendorf- 
Zentrum“, Nr. 23 „Schweizer Viertel“, Nr. 24 „Grünflächen“ 
beachtenswerte Grundrißlösungen für die Haustypen bei 
gebracht. Endlich verdient noch der Entwurf Nr. 17 „Auf 
grünen Wogen“, der im zweiten Rundgange ausgeschieden 
wurde, eine lobende Erwähnung. 
Im ganzen kann also die Gemeinde, die eifrig ihre Ver 
einigung mit der Stadt Berlin anstrebt, weil sie glaubt, neben 
der Großstadt selbständig nicht mehr bestehen zu können, 
mit dem Ausg^pge des Wettbewerbes sehr zufrieden sein. 
Reinickendorf hat jetzt schon eine erhebliche Zahl von 
Fabriken und ist seiner ganzen Lage nach zu einer industri 
ellen Entwicklung vorbestimmt. Deshalb wird der Schaffung 
von Kleinwohnungen und insbesondere auch nach den Vor 
schlägen einiger Entwürfe von Kleinhausbauten eine besondere 
Fürsorge zu widmen sein, zumal die dem Erläuterungs 
bericht beigefügten Berechnungen die wirtschaftliche Möglich 
keit einer derartigen Bebauung ergeben haben. 
STÄDTEBAU UND DENKMALPFLEGE 
IN AUGSBURG. 
Von Architekt Dr.-Ing. FORMER, Regierungsbaumeister a, D,, Königsberg i. Pr. 
Der Zauber uralten Lebens liegt heute noch in Augs 
burgs Mauern. Besonders der Stadtgrundriß (Tafel 41) er 
zählt uns vieles aus seiner Geschichte. Bauten der Römer 
stadt, der Augusta Vindelicorum sind zwar nicht mehr 
vorhanden, die Lage der Römerstadt, ihre Umfassungs 
mauern, die Hauptstraßen, das Forum usw. können jedoch 
heute noch festgestellt werden. Die römischen Um 
grenzungen folgten einer Linie, die vom Wertachbruckertor 
ausgehend, in einem Bogen über den Pfannenstiel zum 
Lueginsland lief, von dort entlang der östlichen Gelände 
abfall bei St. Stephan über die Sternwarte zum Mauerberg 
und Im Thäle ging, und von dort weiter über die ehemalige 
bischöfliche Residenz in ziemlich gerader Richtung zum 
Wertachbruckertor zurück. Die Hauptstraße folgte wohl
	        
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