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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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das Gesagte gilt, gleichgültig, ob, wie bei der Zusammen 
stellung angenommen war, längs der Abschrägung keine 
besondere Fahrbahn und nur ein Fußsteig entlang läuft, oder 
ob das Verlegenheitsdreieck zum Inseldreieck geworden ist. 
Soweit es erwünscht erscheint, Verlegenheitsdreiecke 
nicht augenfällig werden zu lassen, ist seine Verteilung auf 
Bürgersteig und Fahrbahn bzw. Platz nach Textbild 5 eine 
äußerst einfache Älaßnahme. Die straßenbautechnischen 
Maßnahmen bedürfen, als Besonderheiten nicht bietend, 
keiner Erwähnung. Verkehrstechnisch ist dagegen Vorsicht 
geraten, die den Platz quer enden Fußgänger nicht auf zu lange 
Strecken zu gefährden, um so mehr, da die dann verhältnis 
mäßig ausgedehnten, den Fuhrwerken freigegebenen Platz 
flächen den Wagenlenkern zu viel Spielraum in der Wahl 
ihrer Fahrtlinien lassen. Sachgemäße Verkehrsregelung 
bedingt deshalb in diesem Falle ziemlich weites Vorschieben 
der Kantsteinlinie nach dem Achsenschnitt der einlaufenden 
Straßen und damit eine Bürgersteigbreite, welche leicht 
wieder den ästhetischen Anforderungen widerspricht. Ist 
allerdings die Abschrägungslänge genügend lang, wird eine 
Baumreihe am Kantstein vorteilhafter sein können als etwa 
die Vorlage eines Vorgartens an den Häusern, da derartige 
Vorgärten nur zu leicht einen etwas verlorenen Eindruck 
hervorrufen. 
Wird dagegen die soeben berührte Behandlungsweise 
der Aufgabe nicht gewählt, kommt also das Verkehrstote 
Dreieck zur sichtbaren Ausbildung, so steht an erster Stelle 
die Frage nach seiner Befestigung. An sich liegen natur 
gemäß, vielleicht von erhöhter Schwierigkeit einer ge 
schickten Entwässerung abgesehen, keine anderen Verhält 
nisse wie bei regelrechten Bürgersteigen vor; es ist aber zu 
berücksichtigen, daß besonders größere Flächen bei gleich 
mäßiger Befestigungsart eintönig wirken. Es wird also 
gelten, diese Eintönigkeit durch Verwendung verschiedener 
Baustoffe zu bekämpfen. Angenehme Abwechselung läßt 
das Mosaikpflaster erzielen, dessen reichere Musterung freilich 
sowohl in Herstellung als auch in Unterhaltung teuer ist. 
Von Einfluß ist namentlich auch, welcher Art die Bevölkerung 
der Umgebung ist, denn erfahrungsgemäß versuchen Kinder 
selbst am besten Mosaik, von Verlegen in Zement sei ab 
gesehen, gern ihre Kraft, und das böse Beispiel wird um so 
gefährlicher, je zahlreicher die Jugend des Stadtviertels ist. 
Sehr beliebt und tatsächlich angebracht sind ferner Zu 
sammenstellungen des Kleinpflasters mit Plattenbelägen; auch 
Kiesflächen mit und ohne Teerung bieten weitere Farben- 
und Stofftöne. Besonders dem Grandstieg sei hier das Wort 
geredet, dessen bei nassem Wetter oft weniger angenehme 
Begehung im Verlegenheitsdreieck, wenn an seinen Rändern 
nur Belag durchgeführt ist, ja ohne Mühe vermieden werden 
kann. Da dem Straßenbauingenieur genug gute Beispiele 
bekannt sein werden, mag nur noch darauf aufmerksam 
gemacht werden, daß bei geschickter Wahl der Befestigung 
nach Stoff und Farbe hier der reine Straßenbau den Cha 
rakter des Platzes in wesentlichem Maße mitbestimmen, 
sich also bewußt in den Dienst des Städtebaus stellen kann. 
Vielfach werden Verlegenheitsdreiecke durch gärtnerische 
Anlagen zu wahren Schmuckplätzen ausgestaltet. Leider 
nur zur bald schwindet aber die Schönheit, denn die ört 
lichen Verhältnisse sind mächtiger als die für die übrigens 
teuere Unterhaltung verfügbaren Mittel. Es bedarf also vor 
der Entscheidung sorgfältiger Überlegung, ob Staub und 
Ruß und Kinder und Hunde sich nicht als zu arge Feinde 
erweisen werden. Wohl kann mit hohen Gittern ein gewisser 
Schutz vor Zerstörung geschaffen werden, schön sieht aber 
eine so umsäumte Anlage um so weniger aus, je weniger 
ihre Ausdehnung den Blick vom starren Gitter abzulenken 
erlaubt. Die niedrigen, etwa 15 cm hohen, durch Bandeisen 
oder Ketten gebildeten „Fußangeln“ dagegen wirken über 
haupt nicht schützend und sind selbst in besserer dekorativer 
Ausführung kleinlich und unnötig. Es gilt deshalb hier mit 
vollem Recht das Bessere als Feind des Guten; Beschränkung 
in der Anzahl der Schmuckanlagen erlaubt nicht nur, bloß 
wirklich geeignete Plätze zu bepflanzen, sondern infolge Zu 
sammenhaltens der Mittel erhöhte Leistungen, durch welche 
dem Ansehen des Gemeinwesens wie der erzieherischen 
Wirkung gleicherweise gedient ist. 
Nicht in demselben Umfange trifft das Gesagte aber 
dann zu, wenn die schmückenden gärtnerischen Hilfsmittel 
einfacherer Natur sein sollen. Schon ein einfacher Rasen 
wirkt hübsch und oft sogar anheimelnd. Die Schwierig 
keiten seiner Pflege sind aber ebenfalls keine geringen; hinzu 
kommt, daß Rasenflächen leider in dreieckigen Flächen 
(vornehmlich kleinerer Ausdehnung) bei weitem nicht so 
wie bei rechtwinkeliger Begrenzung und im Gegensatz selbst 
zu ebenen Blumenpflanzungen eben nur flächenhaft wirken. 
Denn das Hilfsmittel der Tiefrabatte ist nicht überall an 
wendbar. Andererseits im Rasen Bäume vorzusehen, ge 
reicht meist dem Rasen nicht zum Vorteil. Dann verzichtet 
man besser auf letzteren ganz und befestigt die Fläche unter 
den Bäumen wieder mit Kies, Stein oder ähnlichem Material. 
Die Baumpflanzungen auf städtischen Plätzen, ins 
besondere auf den Verlegenheitsdreiecken, verdienen aber 
noch mehrere Bemerkungen. Es ist ja unbestritten, welchen 
einzigartigen und unvergleichlichen Schmuck schon ein 
Baum einer Straße, einem Platze verleiht. Nur darf die 
Wahl der Baumart, von den Bodenverhältnissen ganz ab 
gesehen, auch sonst nicht willkürlich erfolgen; besonders 
die Kronenform ist von belang. Ferner geben Platzgröße 
und Höhe der benachbarten Bebauung Maßstäbe, denen 
noch die Höhe der Pflanzen nicht beliebig gegenüber gestellt 
werden darf, wenn die gute Absicht wirklichen, dem Städte 
bilde erfreulichen Erfolg zeitigen soll. Nicht belanglos ist 
weiter, ob mehrere Bäume in geometrischer oder in regel 
loser Gruppe gepflanzt werden; hier hängt die Entscheidung 
hauptsächlich von der Größe des zur Verfügung stehenden 
Platzes ab. Immer geben aber Baumpflanzungen guten 
Anlaß zur Aufstellung von Bänken. Besonders bei Einzel 
bäumen sollte dabei der heutzutage recht selten gewordenen 
Rundbank wieder mehr Beachtung geschenkt werden; auch 
hier will aber die Umgebung wohl berücksichtigt sein, 
denn was in unregelmäßige und ländliche Bebauung schön 
hineinpaßt, kann monumental betonten Baufluchten gegen 
über störend wirken. 
Oft finden sich auf Verlegenheitsdreiecken hübsche 
Brunnen, bei Verwendung von Arbeiten des Künstlers wohl die 
beste Lösung. Leider sind aber solche Fälle vergleichsweise 
noch immer zu selten, weil gute Arbeit — denn der Massen 
arbeit kann aus künstlerischen Gründen nicht das Wort 
geredet werden — recht kostspielig ist, zumal man bis 
her zu häufig immer gleich reichere Werke voraussetzen 
zu müssen glaubte. Um aber die belebende und doch 
trauliche Wirkung des Wassers dem Städtebild im ge 
steigerten Maße dienstlich zu machen, wären meines Er 
achtens schon die einfachst gehaltenen Wasserbecken mit
	        
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