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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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ergänzen sein, wodurch von vornherein eine gewisse Ein 
heitlichkeit in der Bebauung ganzer Straßenzüge angebahnt 
werden könnte. Das Städtebauamt wird also auch Bau 
beratungsstelle sein müssen, an die nach Bedarf und Ver 
mögen örtliche Beratungsstellen anzugliedem wären. 
Es versteht sich wohl von selbst, daß dem Leiter eines 
derartigen Amtes eine angemessene Stellung z. B. als Bau 
direktor gegeben werden müßte. Praktische Erfahrung auf 
dem weitverzweigten Gebiete des Siedelungswesens wäre 
eine unerläßliche Voraussetzung für die Übernahme der 
Stelle, die namentlich auch mit Rücksicht auf die große 
damit verbundene Arbeitslast und Verantwortlichkeit eine 
entsprechende Besoldung bieten müßte. Andererseits wäre 
ihr eine weitgehende Bewegungsfreiheit zuzugestehen, auch 
den Gemeinden gegenüber, denen ja aus dem Staatssäckel 
geholfen werden soll.*) 
*) Nachträglich — die vorstehend abgedruckten Zeilen sind schon 
zu Anfang November geschrieben worden — wird bekannt, daß dem 
Im übrigen werden die so beschafften Entwürfe nach 
ihrer Annahme durch die Kommission wohl den üblichen 
Weg weiter zu gehen haben bis zu ihrer gesetzlichen Fest 
stellung, wobei aber wieder dafür gesorgt werden müßte, daß 
die Zuständigkeitsverhältnisse der beteiligten Behörden keine 
Weiterungen herbeiführen, u. a. also durch Gesetz einge 
schränkt oder aufgehoben werden. Vielleicht könnte dann 
aus dieser Hilfseinrichtung aber auch eine ständige werden, 
so daß, was bisher in Friedenszeiten schon vielfach vermißt 
worden ist, jede Provinz eine sachverständige Stelle zur 
Beschaffung und Nachprüfung von Bebauungsplänen für 
alle sie darum angehenden Gemeinden erhalten würde. 
Des weiteren wird auf den Aufsatz des Regierungsbau- 
meisters C. Gomringer in dieser Nummer verwiesen. 
____ T. G. 
Oberpräsidenten der Provinz der gewünschte Städtebauer in der Person 
des Geh. Baurats Fischer aus Posen beigeordnet sein soll, der aus seiner 
umfangreichen Tätigkeit bei der AnsiedelungS'Kommlfisioh reiche Erfah 
rungen für das Amt mit sich bringt. D. S. 
DER KLEINWOHNUNGSBAU 
DIE GRUNDLAGE DES STÄDTEBAUES. 
AUS EINEM VORTRAGE, GEHALTEN AM 31. JULI 19x4 IN KÖLN (RHEIN) IN DER GENERAL 
VERSAMMLUNG DES RHEINISCHEN VEREINS FÜR KLEINWOHNUNGSWESEN. 
Von THEODOR GOECKE, Berlin. 
Die kleine Wohnung ist, sei es im Einfamilienhause, 
sei es im MehrfamiUenhanse, die sich in Reihen aneinander 
setzende oder in Stockwerken übereinander türmende bau 
liche Einheit des die Wohnsiedelungen unserer Zeit bildenden 
Baublocks. Reichlich drei Viertel bis vier Fünftel sämtlicher 
Wohnungen sind Kleinwohnungen, und von dem letzten 
Viertel bzw. Fünftel auch nur höchstens ein Drittel größere 
Wohnungen. Davon ist bei der Wohnungsherstellung aus 
zugehen und demgemäß die Blockteilung des Stadtplans zu 
entwerfen. 
Von ähnlichen Erwägungen ist man bei der Anlage der 
Städte von jeher geleitet worden; nur war die Betätigung 
und Schichtung der städtischen Bevölkerung eine andere, 
im Wandel der Zeiten veränderte — Städtebau und Klein- 
Wohnungsbau stehen in enger Wechselwirkung zueinander. 
Mehr als drei Viertel unseres Städtebaus ist also Klein 
wohnungsbau. Es war ein bedrohliches Zeichen der Zeit, 
daß die Wohnungsnot vor dem Kriege wieder an die Tore 
der Städte pochte, ein Zeichen dafür, daß es nicht genügt, 
hie und da einmal einen Wohnblock für Arbeiter aus 
zugestalten. Die gemeinnützige Bautätigkeit wie die des 
Arbeitgebers allein kann nicht dem Mangel an Klein 
wohnungen abhelfen und wird es voraussichtlich auch nie 
mals tun können — der größte Teil von Kleinwohnungen 
wird nach wie vor der privaten Bautätigkeit zufallen. Wie 
soll diese aber die Aufgabe anpacken, wenn Ihr der Be 
bauungsplan keine Handhabe dazu bietet? Die Stadt muß 
sich organisch auf den Kleinwohnungsbau aufbauen in der 
Einsicht, daß moderne Städte Arbeiterstädte sind. 
Diese braucht Miets- wie Eigenhäuser, Stockwerks- 
wle Einfamilienhäuser, also Wohnungen in höherer und 
flacher Bauweise je nach dem Bedürfnis — Stadthäuser 
wie Vororthäuser, um nicht zu sagen: Landhäuser, was 
zu anspruchsvoll klänge, jedenfalls auch ländliche Häuser, 
wobei die Stadt- und Stockwerkshäuser strengeren 
Anforderungen zu genügen, die ländlichen und Einfamilien 
häuser auf Erleichterungen zu rechnen hätten, auch in ge 
sundheitlicher Hinsicht. All dem muß der Bebauungsplan 
gerecht werden, dieser also nach wirtschaftlichen und sozialen 
Gesichtspunkten aufgestellt werden, die insbesondere auch 
dem privaten Unternehmer bei Erbauung von Kleinwohnungen 
ein angemessenes Auskommen gewährleisten. 
Der Entwurf des preußischen Wohnungsgesetzes gibt 
insofern einen Fortschritt in der Erkenntnis dessen, was 
uns im Städtebau nottut, Ausdruck, als er in der Absicht, 
das Gesetz über die Anlegung und Veränderung von Straßen 
und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften vom 
2. Juli 1875 zu ergänzen, die Festsetzung von Fluchtlinien 
mit Rücksicht auf das Wohnungsbedürfnis als eine Öffent 
liche Wohlfahrtsangelegenheit erklärt. Zur Befriedigung des 
Wohnungsbedürfnisses sind danach in ausgiebiger Zahl und 
Größe Gartenanlagen, Spiel- und Erholungsplätze, fürWohn- 
zwecke Baublöcke von angemessener Tiefe und Straßen von 
geringerer Breite entsprechend dem verschiedenartigen Woh 
nungsbedürfnisse zu schaffen und durch die Festsetzung von 
Fluchtlinien Baugelände entsprechend dem Wohnungs 
bedürfnisse der Bevölkerung zu erschließen. Der Städte 
baukünstler mag es mit der Selbstverwaltung der Gemeinden 
bedauern, daß zur Erreichung dieses Zieles der Ortepolizei 
behörde eine verstärkte Einwirkung auf die Festsetzung 
von Fluchtlinien eingeräumt und damit der schon oft be 
klagte Mangel der Einheitlichkeit in der Ausgestaltung unserer
	        
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