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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Entwicklung der Städt. Die „Karperkuil“, die bis da außer 
halb der Verteidigungslinie gelegen hatte, wurde i. J. 1576 
in die Befestigung einbezogen, indem man die Oosterpoort- 
gracht grub. Man baute dann ein neues Osttor, weil das 
alte innerhalb der Stadt zu liegen kam. Der Weg zwischen 
beiden Toren wurde bald mit Häusern bebaut und ist jetzt das 
„kleine Oost“. In den letzten Jahren war die Stadt fort 
während belästigt von den Soldaten des holländischen 
Heeres, wenn sie durch die Stadt zogen. Um diesem Un 
gemach zu entgehen, machte man einen Ring um die Stadt 
herum vom Osttor bis zum Nordtor. So konnten die Truppen 
statt durch die Stadt um die Stadt herum ziehen. 
Im Jahre 1584 wurde der letzte Teil der Gouw überwölbt 
und in eine schöne Straße umgewandelt. Hiermit war der 
Bach, der ehemals die Ursache der Entstehung der Stadt 
gewesen war, ganz und gar verschwunden. Ungefähr zehn 
Jahre später setzte eine große Tätigkeit im Baubetriebe ein. 
Im Jahre 1593 wurden Trommelstraatund Warmoesstraat, 
die früher schmutzige Graben waren, überwölbt und in 
Straßen umgewandelt. Die Klostergelände wurden parzelliert, 
und die Obrigkeit setzte dort Straßen fest. Die Baustellen 
wurden den Bürgern verkauft. Hierdurch entstanden Grave- 
straat, Munthaat und Wisselstraat. Die erste bekam eine 
Verbindung mit Gerritsland, indem man ein Haus abtrug, 
das die Stadtregierung zu diesem Zweck gekauft hatte. 
Die Peperstraat, die durch diese neuen Straßenanlagen an 
Bedeutung gewann, wurde dann auch gepflastert. Vordem 
war es ein schmutziger, morastiger Weg. 
Im folgenden Jahre waren Gravestraat und Muntstraat 
schon vollständig bebaut, und begann die Stadtregierung 
Baustellen zu verkaufen auf dem Schotland. Dies war 
früher noch ein grünes Feld. Jetzt wurden die Häuser 
rings herum gestellt und zwei Gassen dadurch geleitet. 
Auch das Nieuwe Noord, das damals Wasser war, wurde 
überwölbt und nachher mit Häusern bebaut. Die Stelle, 
wo jetzt die Gasfabrik steht, war damals ein Schutthaufen, 
wo die Seifensieder ihre Asche hinwarfen. Sie wurde 
i. J. 1597 parzelliert und bebaut. 
Die Tuchfabrikation kam in Verfall. Auf dem Rahmen 
feld war die Straße i. J. 1578 schon vernachlässigt, und die 
Bretterbekleidung des Grabens war beschädigt. Auch hatte 
man an Stelle der Tuchrahmen Schuppen gebaut. Damals 
ordnete der Magistrat an, diese Bauten abzutragen und alles 
wieder in gute Ordnung zu bringen. Zwanzig Jahre später 
wurde aber der Graben ausgefüllt und in eine Straße ver 
wandelt. Bald wurden hier gute Häuser gebaut. Im folgen 
den Jahre wurde die Achterstraat verbreitert und ihre Form 
verbessert. Zu diesem Zweck baute man das Lombardhaus 
um. Auch wurden nach diesem Jahre keine Leichen mehr 
auf dem Kirchhof begraben. Das Gelände hinter der Frauen 
kirche wurde erhöht und zum neuen Kirchhof bestimmt, 
Der Markt wurde allmählich zu klein, und man faßte 
den Plan, das Rathaus abzutragen und nördlich von der 
früheren Stelle wieder aufzubauen. Zu diesem Zweck kaufte 
man schon vier Häuser, zwei in dem „Noord“, zwei in der 
„Kerkstraat.“ Sie wurden schon abgetragen. Aber man 
schreckte vor den großen Kosten zurück. Man behielt des 
halb das Rathaus und pflasterte den Raum dahinter. Erst 
im neunzehnten Jahrhundert hat man endlich das Rathaus 
abgetragen, und die Stadtregierung hat ein altes Gebäude in 
der Gouw zu dem neuen Rathaus bestimmt. 
Im Jahre 1601 wurde die Wester-Sint-Jansteeg geschaffen. 
Man wollte zwar nicht einen neuen Verbindungsweg, doch 
eine Verbesserung der Entwässerung, welche früher in diesem 
Stadtteil sehr übel war. Wenn man dieses beachtet, erscheint 
es nicht mehr so töricht, daß man die Gasse so schmal 
machte. Im folgenden Jahre wurde die Verbindung Achterom- 
Fischmarkt verbessert, indem man eine Straße von der Kuil 
nach der Wijdesteeg durchlegte. 
Im Jahre 1608 kam eine Verordnung heraus, daß jedes 
Jahr 25 bis 30 Rohrdächer abgetragen werden sollten. Viele 
Bürger, die hierzu gezwungen wurden, benutzten die Gelegen 
heit und trugen ihre Häuser ganz und gar ab und bauten 
viele schöne neue Häuser. So kam es, daß das äußerliche 
Ansehen der Stadt während langer Zeit nicht dermaßen 
verbessert wurde als in jenen Jahren. 
Im Jahre 1609 wurde die Wage erneuert und stellte man 
das neue Wagegebäude 15 Fuß zurück, zu welchem Zweck 
zwei Häuser abgetragen wurden. 
Im Jahre 1610 wurde das Wasser des Achteroms schmaler 
gemacht, und konnte man dadurch die Straßen breiter 
machen. Zwei Jahre später wurde das Baatland, wo bis 
damals Schiffswerfte gewesen waren, von der Obrigkeit ent 
eignet, in Bauparzellen abgeteilt und den Bürgern verkauft. 
Zu dieser Zeit war der Buitenluiendijk, südlich des 
Luiendijks zustande gekommen. In dieser Weise entstand 
ein großer Hafenraum. Dieser Damm wurde mit dem 
Oosterpoortwalle in Verbindung gebracht und mit zwei 
Bastionen versehen. Auch wurde das „Breed“ eingehend 
verbessert. Diese Straße mit einem Graben in der Mitte 
war einer der bedeutendsten Zugangswege, sowohl zu 
Wasser wie zu Lande, Sie war bis zu dieser Zeit so schmal, 
daß der Verkehr außerordentlich gehindert wurde. An der 
Nordseite enteignete die Stadt dann viele Häuser und ver 
breiterte Straßen und Graben sämtlich um 25 Fuß, das heißt 
. die nördliche Straße 7 Fuß, das Wasser 9 Fuß und die 
südliche Straße 9 Fuß. 
Man baute steinerne Kaimauern und erhöhte die Straße. 
Auch die Nieuwesteeg (Neue Gasse) wurde breiter ge 
macht. Die Häuser an der Südseite, wo die Klostergebäude 
abgetragen waren, wurden einige Fuß weiter hinterwärts 
erbaut. Die Kreuzstraße wurde in ähnlicher Weise ver 
bessert. Der Graben des Gerritslandes, der schmutzig und 
übelriechend war, wurde im folgenden Jahre überwölbt, und 
so entstand auch hier eine bequeme, breite Straße. Die ganze 
Arbeit geschah auf Kosten der Nachbarn, und diese klagten 
sehr, da sie nur arme Menschen waren. In diesem Jahre 
baute die Stadt auch Häuser an den Stadtgraben, hinter der 
Frauenkirche, für Tuchweber, die aus Alkmaar nach Hoorn 
gekommen waren. Im Jahre 1629 wurde der Westerdijk von 
der Stadt übernommen (er war vormals Eigentum des Polders). 
Alle diese Jahre beschäftigte die Stadtregierung sich mit der 
Ausfertigung neuer Verordnungen, welche den Zweck haben, 
die Straßen und die Gebäude zu verbessern. 
So hatte dann i. J. 1630 die Stadt die Form und die Größe, 
welche sie noch heute besitzt, mit Ausnahme der in den fran 
zösischen Zeiten vernachlässigten Hafenanlagen. Wir werden 
dieses Kapitel nicht besser beenden können als mit den Worten 
des Chronikschreibers der Stadt, Dr. Velius (gestorben 1630). 
„Ihre Form und Gestaltung innerhalb der Wälle, obschon 
nicht in einem Guß entworfen, sondern bei kleinen Teilen 
aneinander gebaut, ist trotzdem sehr schön und von einer 
solchen guten Proportion, daß man denken würde, es wäre 
damals mit Absicht in dieser Weise gemacht.“
	        
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