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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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bindungen die Gliesmaroder Straße, der Dorfweg durch den 
Prinzenpark, der Riddagshäuser Weg und die Helmstedter 
Straße. Zu diesen vier Straßenverbindungen ist im Plane 
noch eine Verbindung über den Nußberg (derart, daß die 
Wiesen, von der Kastanienallee aus gesehen, einen land 
schaftlichen Hintergrund erhalten) nach der Stadt und eine 
Straße im Zuge der alten Magdeburger Bahnstrecke über den 
gegenwärtigen Ostbahnhof vorgesehen. 
Mit Ausnahme der Gliesmaroder Straße, die unterführt 
ist, sind alle übrigen Straßen über die Bahn hinweggeführt 
und gewähren durch ihre Höhenlage an den Mündungen in 
den Ort einen Freiblick auf die neue Siedelung. 
Die Kreuzung des Riddagshäuser Weges mit der Geller 
Bahn in Schienengleiche istaus der Unabhängigkeit und Sicher 
heit des Verkehrs willen durch eine seitliche Schwenkung 
nach Süden zu umgehen, indem der Riddagshäuser Weg mit 
der neuen Bahnstraße auf einen Verkehrsplatz auf der Höhe 
vereinigt und mit dieser Straße gemeinsam über den Bahn 
einschnitt hinweggeführt wird. Zur Erleichterung des Fuß 
verkehrs könnte übrigens auch noch eine Treppenüber 
führung an der Kreuzungsstelle angeordnet werden. 
Vom „Grünen Jäger“ unmittelbar ist eine Verbindung 
mit der Stadt und dem Hauptbahnhofe durch eine besondere 
Überführung der Bahn geplant, die sich an der Überführungs- 
Stelle gabelt und nördlich zur Straße auf der alten Magde 
burger Bahn und südlich des Friedhofes in die Helmstedter 
Straße einmündet. 
Nordsüdliche Wege stellen die Verbindung zwischen der 
Gemeinde Riddagshausen und der Haltestelle Riddagshausen— 
Rautheim her. Für eine allmähliche Aufschließung des 
Riddagshäuser Gebietes sind demnach eine reichliche Zahl 
von Durchgangswegen vorgesehen. 
In der Nähe des Bahnhofes Riddagshausen—Rautheim 
ist eine Marktplatzanlage vorgesehen, die sich in der Nähe 
des Hauptverkehrs für eine landhausmäßige weiträumige 
Siedelung notwendig erweisen wird. 
Der Aufstellung öffentlicher Gebäude ist in einer Weise 
Gelegenheit geboten, die nicht nur zum Schmuck der Siede- 
lung, sondern auch für deren bessere Übersichtlichkeit (auf 
Verkehrsknotenpunkte verteilt) dienen sollen. 
Die Niederungen sollen tunlichst von Bebauung freige 
halten werden, nicht nur um kostspielige Entwässerungs 
anlagen zu vermeiden, für die getrennte Tag- und Brauch 
wasser-Leitungsanlagen zu empfehlen sind, sondern schon 
der hervorragenden landschaftlichen Schönheit wegen. 
Die Grünanlagen in den Niederungen der Wasserläufe 
und der Teiche sind mit dem Prinz-Albrecht-Park, der 
Buchhorst und sowohl nach Süden als auch nach Norden mit 
Verbindungswegen zu versehen, die allenthalben Anschlüsse 
für die Nachbargemeinden zur öffentlichen Benutzung bieten. 
Eine Sport- und Spielplatzanlage des Vereines „Eintracht“ 
ist im nördlichen Teil der Niederung angeordnet. Auch ipa 
übrigen ist in den Grünanlagen an den Wasserläufen und 
besonders im Rahmen des trockengelegten Mittelteiches für 
Erholungsstätten an Wasser-, Luft- und Sonnenbadanlagen 
reichliche Gelegen- heit geboten, die der Besiedelung auch 
der anspruchsvollsten Bevölkerung entsprechen. 
An Straßenbahnverbindungen kommen Linien in der 
Richtung auf den Stadtkern und den Bahnhof im Süden, 
besonders zum Herzoglichen Hoftheater und gleichfalls zu 
diesem im Norden über den Nußberg in betracht, daneben 
eine ostwestliche Schnellverbindung im Norden Braun- 
schweigs und von Querum über Riddagshausen nach dem 
Hauptbahnhofe, beziehungsweise über Riddagshausen—Raut 
heim und Melverode eine Verbindung mit den südlichen 
Nachbarorten, 
Die Bevölkerungsdichtigkeit ist nach folgenden Zahlen 
ungefähr angenommen: 
Das Gesamtgebiet einschließlich der Teiche mißt etwa 
550 ha, von denen etwa 350 ha für die geschlossen besiedelten 
Teile in Anspruch genommen werden. An 50 ha davon ent 
fallen auf Straßen und Plätze und kleinere Schmuckanlagen, 
so daß an Grundstücken etwa 300 ha verbleiben. Bei einer 
durchschnittlichen Besiedelungsdichtigkeit von 300 qm auf 
den Kopf faßt somit das aufzuschließende Gebiet von Riddags 
hausen etwa 10000 Einwohner, von denen etwa ein Drittel 
mehr als 300 qm auf den Kopf, etwa 500 qm durchschnitt 
lich, in Anspruch nimmt, mithin etwa die Hälfte der Siede 
lung; ein Drittel etwa den allgemeinen Durchschnitt an 
Fläche oder etwas weniger, also etwa zusammen 100 ha, 
und ein Drittel etwa insgesamt 50 ha oder durchschnittlich 
150 qm auf den Einwohner. Diese Zahlen dürften im allge 
meinen der wünschenswerten Besiedelung entsprechen, auf 
welche die Kosten der Aufschließung zu verteilen und die 
Verwaltungskosten der Gemeinde zu bemessen sind, und 
mit denen diese zu rechnen hat. 
Bei der Aufstellung des Planes und insbesondere auch 
bei der Bearbeitung der Verkehrsanlagen ist mir Herr 
Architekt Steinbrucker ein verständnisvoller Mitarbeiter 
gewesen. 
Ein besonderes Verdienst um die stetige, warmherzige 
Förderung des Planes aber hat sich trotz den bösen Zeiten 
die zielbewußte Tatkraft des Herrn Finanzdirektors Bartels 
erworben. 
HOORN 
(Dazu 2 Tafeln No. 29 und 30 und 3 Textbilder.) 
Von Pr. W. B. PETERI, Professor an der Polytechnischen Schule in Soerbaya (Niederl. Ostindien). 
Der Besuch vieler holländischer Städte regte mich dazu 
an, die Entstehungsart ihrer städtebaulichen Schönheiten 
zu untersuchen. Leider gab es kein einziges holländisches 
Werk, das diese Frage beantwortet, und auch das Buch 
des Camillo Sitte (Städtebau nach seinen künstlerischen 
Grundsätzen), in dem ich eine Lösung der Frage zu 
finden hoffte, gab keine Erläuterung. Es gibt nur eine 
ästhetische Analyse, keineswegs eine historische Untersuchung 
der Städtewerdung. 
Da also die mir bekannte Literatur keine Lösung der 
Frage gab, faßte ich den Entschluß, in den Archiven einiger 
Städte selber der allmählichen Städteentwicklung nachzu 
forschen. Ehe ich diese Arbeit unternahm, studierte ich viele 
alte Stadtpläne. Bei diesem Studium bemerkte ich, daß für 
Städte, von welchen man beweisen konnte, daß sie gegründet 
waren, schon im vierzehnten Jahrhundert das Blocksystem 
benutzt wurde, und daß die späteren Städte es auch haben 
(siehe die Pläne Elburgs und Batavias, Textbilder 3 und 4).
	        
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