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Volume H. 3/4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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NEUE BÜCHER. 
Besprochen von THEODOR GOECKE, Berlin. 
WECK UND FORM IM HOCHBAU. Von A. Muachter, 
Dipl.-Ing., Oberlehrer an der Königl. Bauschule Buxtehude. Bin 
Handbuch für Bauleute und Bauschulen. Band 1: Die Formgestaltung 
der einfachen Baumassen. 12 Bogen Oktavformat, Gebunden 4,20 Mk. Bei 
Bezug von 25 Exemplaren auf einmal 3,75 Mk. für ein Exemplar. Verlag 
Seemann & Co., Leipzig 1914. Bin Handbuch nennt es der Verfasser; 
ein Lehrbuch ist der zunächst erschienene 1. Band mehr, doch zugleich 
ein Lesebuch in seiner frischen Darstellungsart mit lehrhaftem Einschlag. 
Nicht selten regt sich beim Lesen der Widerspruch, weniger gegen das 
was, als vielmehr wie es gesagt wird. Denn durchaus neu ist die darin 
vertretene Auffassung nicht. Was Hochedcr lehrt, Erlwein praktisch geübt 
hat, ist in anschaulicher Weise zusammengestellt, erweitert, ergänzt, um 
das Haus als Teil eines Ganzen, der Umgebung — der Straße, der Stadt, 
der Landschaft — zu begreifen. Das macht eben den Städtebau aus, 
wie er auch von Anfang an in unserer Zeitschrift vertreten worden ist. 
In den vier ersten Kapiteln behandelt der Verfasser die Aufgabe des 
architektonischen Gestaltens, Zweck und Form, Stil, Baustoff und Farbe, 
Zeichnung und Baugedanke, um sich weiter über die Beurteilung der 
Form zu verbreiten, indem er Kontrast, Maßstab und sein Verhältnis, 
Symmetrie und freie Form, Überschneidung und Harmonie im einzelnen 
bespricht. Dann kommt ein den Kern seiner Ausführung kurz zusammen* 
fassendes Kapitel: Der Aufbau (Allgemeines), dem nun eine Erläuterung 
der Einzelheiten des Aufbaues folgt: Grundriß und Wand, die Grund 
formen in der Gliederung des Daches usw. 
Ein besonderes Kapitel ist der Baumasse in bewegtem Gelände 
gewidmet. Weiter folgen drei Kapitel über die Straßenbiidung, auch mit 
Rücksicht auf die offene und geschlossene Bauweise, die Straßenecke, den 
Gruppenbau mit sehr anschaulichen Abbildungen. Endlich kommen noch 
Hinweise auf die Durchbildung von Einzelheiten, praktische Handwerks 
regeln für schönheitliche Formgestaltung usw. Den Fachgenossen wird 
das Studium des Buches genußreiche Stunden schenken. 
D er mittelalterliche stadtgrundriss im 
NÖRDLICHEN DEUTSCHLAND in seiner Entwicklung zur 
Regelmäßigkeit auf der Grundlage der Marktgestaltung. Dissertation zur 
Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs. Von Dipl.-Ing. Franz 
Meurer, Lahr in Baden. Mit 56 Abbildungen. Preis 5 Mk. Druck von 
Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. 
Nach einer Einleitung, die auf die grundlegenden Schriften „Deutsche 
Stadtanlagen“ von Dr. Joh. Fritz, Straßburg 1894 und „Markt und Stadt 
in ihrem rechtlichen Verhältnis“ von Siegfried Rietschel, Leipzig 1897 
zurückgreift, stellt der Verfasser die natürlich verlaufende Handelsstraße als 
Kem der MarktgrUndung in der Frühzeit dar, den Straßentreffpunkt, die Ver 
breiterung der Verkehrsstraße, an Beispielen erläuternd. Warum er diese 
Straßenmärkte nur als scheinbare „Platzbildungen“ bezeichnet, ist zwar 
nicht recht einzusehen; sind es auch keine planmäßigen Schöpfungen, keine 
Raumgebüde, so bleiben es doch immerhin Plätze im weiteren Sinne des 
Wortes, die einem praktischen Bedürfnisse entsprangen, genau so wie 
die Landstraße, die ursprünglich auch nur ein loses Gefüge hatte, einem 
andersgearteten. Der Verfasser bespricht dann die planmäßige Straßen 
marktanlage unter Hinweis darauf, daß der süddeutsche Straßenmarkt in 
der Folge nicht die gleiche Entwicklung genommen habe wie der nord 
deutsche. Dies stimmt schon nachdenklich in bezug auf die folgenden 
Ausführungen, von denen ein besonderer Abschnitt dem Markte als Längs 
platz gewidmet ist, und zwar als Ausbuchtung der HaUptdurchgangsstraße 
mit Randstraße an der gegenüberliegenden Seite und endlich zwischen 
zwei mehr oder minder gleichwertigen Parallelstraßen, wobei der Ring- 
CHRONIK. 
B erichtigung: Bei Übersetzung des Programms für den FRIED 
HOFSWETTBEWERB DER STADT STOCKHOLM 
in die deutsche Sprache ist ein sinnentstellender Fehler mit untergelaufen. 
anlage in Schlesien näher gedacht wird. Ob in der Tat hierin eine zeit 
liche Entwicklungsreihe zu erblicken ist, wird ebenso wie die nach dem 
Vorgänge von Professor Dr. P. J. Meier in Braunschweig versuchte Ein 
ordnung der beigebrachten Stadtgrundrisse in bestimmte Plansysteme 
noch zwingender zu erweisen sein, als es zurzeit auf Grund von Plan 
unterlagen möglich ist, die meist nur zeichnerische Projektionen auf die 
Ebene bieten, keine Schnitte durch die Stadtlage und auch sonst nicht 
genug von den gegebenen Vorbedingungen der Örtlichkeit. 
Den Höhepunkt mittelalterlicher Stadtplanung glaubt der Verfasser 
in der Zentralanlage, wie er es nennt, suchen zu müssen, d. i. im Grund 
risse der Kolonialstadt, der sich unabhängig macht von den Zufahrtsstraßen, 
den Markt zum bewußten Mittelpunkt der Stadtanlage gestaltet, die Straßen 
gleichmäßig anlegt und eine mehr dem Quadrat zuneigende Baublockform 
aufweist. 
Die Regelmäßigkeit der Anlage hat damit zwar zugenommen, die 
Rücksicht auf die Örtlichkeit zugleich aber oft genug abgenommen — siehe 
den Plan des auf einem Hügel liegenden Soldin — ein Fortschritt könnte 
also nur da verzeichnet werden, wo die regelmäßige Anlage aus den örtlichen 
Verhältnissen entspringt. Zu vermissen ist übrigens die Berücksichtigung 
des Einflusses, den die ursprünglich um die Kirchen herum angelegten und 
später erst vor die Tore verlegten Friedhöfe auf die Ausgestaltung des 
Stadtplanes, zuweilen aber auch der Marktplätze gehabt haben. 
Kann man dem entwicklungsgeschichtlichen Gedankengange des 
Verfassers also nicht vorbehaltlos folgen, so bleibt doch des trefflich Be 
obachteten, des fleißig Zusammengetragenen reichlich genug übrig, um 
die Schrift allen Jüngern der Städtebaukunst auf das wärmste zu empfehlen. 
Unsere Kenntnis mittelalterlichen Stadtgrundrisses und insbesondere auch 
der Marktgestaltung wird damit wesentlich bereichert. 
IE WOHNUNG UND DIE WOHNUNGSFEUCHTIG 
KEIT. Von Stadtbaurat H. Steinberger. Mit 17 Textabbildungen. 
Berlin W 1914. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn. Geh. 4,00 Mk., 
kart. 4,50 Mk. 
Die Anführung dieses Buches in unserer Zeitschrift dürfte allein 
schon die Widmung des Verfassers seinem hochverehrten Führer in den 
sozialen Fragen der Baupolizei und des Wohnungswesens, Herrn Ober 
bürgermeister Dr, Wilh, Gläßing, rechtfertigen. Stellt der Verfasser doch 
darin bautechnische Fragen unter soziale und wirtschaftliche Gesichts 
punkte, von denen aus wiederum städtebauliche Maßnahmen zu betrachten 
sind. Insbesondere ist es die von der Baupolizei nicht immer ohne 
Voreingenommenheit behandelte Frage der Gesundheit von Dachwohnungen, 
des zu Wohnungen auszubauenden Dachgeschosses, die dem Verfasser zu 
eingehenden Erörterungen Anlaß gibt. Bekanntlich ist die Dachwohnung 
eine Zeitlang als eine gesundheitlich minderwertige in Verruf gekommen 
und wird heute noch vielfach als solche bekämpft. Der Verfasser weist 
dies mit Recht als unzutreffend zurück und bestätigt damit die auch von 
mir gelegentlich geäußerte Ansicht, daß die Technik heute imstande ist, 
durchaus einwandfreie Dachwohnungen herzustellen, die in gesundheitlicher 
Beziehung sogar noch mancherlei Vorzüge vor den Erdgeschoßwohnungen 
haben. Hieraus ergeben sich für die Ausnutzung der Dachräume zu 
mancherlei Wohnzwecken (Dienstboten-, Fremdenzimmer, Künstlerwerk 
stätten, aber auch zu Schlafräumen in Pflegeanstalten mancherlei Art, Arbeits 
asylen usw.), wertvolle Schlußfolgerungen in baupolizeilicher Hinsicht* 
Schon aus diesem Grunde ist dem Buche eine möglichst weite Ver 
breitung zu wünschen, zumal auch die rein technischen Erörterungen eine 
Fülle beachtenswerter Anregungen bieten und die Ausführungen über die 
Mängel der Kellerwohnungen allgemeiner Zustimmung sicher sein dürften. 
Es muß auf Seite g, Ausführung der BewerbungsentwUrfe, Absatz 4 
folgendermaßen heißen: 
„4. Einen Plan auf durchsichtiger Pausleinewand im Maß-
	        
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