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Volume H. 3/4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
* 
37 
Die Neumessung von Karlsruhe rechnet mit einer Dichtig 
keit von 0,70 für 1 ha. 
Die preußische Anweisung IX für trigonometrische und 
polygonometrische Arbeiten (vom 25. Oktober 1894, S. 17) 
gibt folgendes an: 
Anzahl n der Polygonpunkte auf 1 qkm (100 ha). 
Durchschnitt!. Parzellengröße: 
Kartenmaßstab: 
Uber 50 a 
1;2000 
n 
50 bis 5 a 
x : 1000 
Q 
unter 5 a 
(Städte) 
X : 500 
n 
Ebene, ohne Hindernisse . , 
13 
33 
IOO 
Mittelverhältnisse ..... 
20 
50 
133 
Berge und Hindernisse . . . 
40 
IOO 
300 
Wir werden also am sichersten zwischen dem zweiten 
und dritten Werte der letzten Zeile mifteln und kommen so 
zu einer Dichtigkeit von 1,5 für 1 ha, die selbst bei schwierigen 
Verhältnissen genügen wird. Nehmen wir nun als Normal 
leistung 10 (bis 15) Winkelmessungen in zwei Sätzen für ITag, 
was bei einiger Übung und Sicherheit im Theodolithgebrauch 
erreicht werden muß, so würde dies bei einem Tagessatze 
von Mk. a für die Polygonwinkelmessung ergeben 
Mk. a. 1,5 für 1 ha. 
Die oben angenommene Dichtigkeit von 1,5 für 1 ha würde 
150 Polygonseiten von 50 bis 200 m Länge für 100 ha ergeben; 
fügen wir diesen noch 80 Kleinpunktlinien von 40 bis 150 m 
Länge hinzu, so wären demnach für 100 ha doppelte Seiten 
messungen mit 
2 (150.125 + 80.95) - 26350 m 
auszuführen. 
Mittels 5 m Meßlatten oder Stahlband können an einem 
Arbeitstage 2000 m glatter einfacher Längenmessung mit großer 
Sorgfalt gemessen werden, demnach wäre die Streckenmessung 
für 100 ha in etwa 14 Tagen fertigzustellen; nehmen wir noch 
sechs Tage für Vermarkung und Sicherung der Polygonpunkte 
hinzu, so erhalten wir für den ha einen Zeitaufwand von 
0,2 Arbeitstagen. Dies entspricht einem Kostenaufwand von 
Mk, a. 0,2 für 1 ha. 
Hierin nicht enthalten sind die Materialkosten für die 
Punktvermarkung und die Meßgehilfenlöhne. 
Die polygonometrischen Arbeiten stellen sich demnach auf 
Mk. 1,7 . a für 1 ha 
ohne Löhne und Vermarkung. 
C. Kleinmessung (Stückvermessung). 
Je mehr wir bei den Messungsarbeiten vom Großen ins 
Kleine gehen, ein desto größerer Unterschied wird, wie sich 
schon beim Übergang von der Anlage des Hauptdreieck 
netzes zur Kleintriangulation und weiterhin zur Polygoni- 
sierung zeigte, im Zeit- und Arbeitsaufwand für die Auf 
nahme des vollbebauten Stadtkernes, der Vororte von lockerer 
Bebauung und der freien Feldmark hervortreten. Dement 
sprechend ist für die Einzelmessung von 1 ha der Innen 
stadt die 10 bis 20fache Arbeit wie in freier Flur aufzuwenden. 
Wir unterscheiden demnach für die Berechnung der 
Kosten der Stückvermessung: 
1. Gebiete mit geschlossener Bebauung, Hinterflügeln 
und Hinterhäusern bei nicht zusammenhängenden Hofräumen. 
Aufzunehmen sind außer den Eigentumsgrenzen sämtliche 
Gebäude einschließlich der Hinterbauten, in Straßenhöhe 
vorspringende Gebäudeteile, Mauern, Freitreppen, Kandelaber, 
Bürgersteige* etwa in diesen liegende Einfüll- und Licht 
öffnungen, ferner die Regeneinlässe, Emsteig-, Kontroll- 
schächte der unterirdischen Entwässerungsleitung, Schieber 
hähne und Hydranten usw. 
Die Messungslinien sind mit dem Theodolithen auf- 
zufluchten, die Lote werden mittels Holzdreieck und Maß 
stab bei hohem Grundstückswert, sonst mit dem Prisma 
unter ausgiebiger Anwendung von Kontrollmaßen abgesetzt. 
Eine Polygonseite von 200 m Länge mit den ihr unter 
geordneten Kleinpunktlinien und toten Strahlen bis zu einer 
Tiefe von 50 m beiderseits bzw. 100 m einseitig, also eine 
Fläche von 2 ha würde je nach den Geländeverhältnissen, 
der Struktur des Baublocks und der Anzahl der Einzelheiten 
2 bis 6 Tage Arbeit erfordern. Setzen wir in der Annahme, 
daß zur Stückvermessung zwar nur geübte, jedoch wesentlich 
billigere Hilfskräfte mit verwandt werden, die Kosten einer 
Tagesarbeit einschl. Geräteabnutzung und Tilgungskosten 
mit Mk. 2 an» so würden also die Kosten für 1 ha zwischen 
Mk. a bis 3 a schwanken. Palls mit nicht übermäßig schwie 
rigen Geländeverhältnissen zu rechnen ist, so kann man für 
die Innenstadt als guten Mittelwert annehmen: 
Mk. 1,5 a für 1 ha. 
2. Stadtteile mit offener Bauweise. Aufzunehmen ist das 
selbe wie bei 1., ferner Einfriedigungen jeder Art* dauernde 
Garten- und Parkanlagen. Die zwischen den Gebäuden 
liegenden von Einzelheiten freien Flächen ermöglichen die 
Aufmessung von 200 bis 400 m Polygon mit derselben seitlichen 
Messungstiefe wie bei 1., also eine Tagesleistung von 1 bis 3 ha; 
dies entspricht einem durchschnittlichen Kostensätze von 
Mk. a für 1 ha. 
3. Freie Feldmark. Aufzunehmen sind lediglich Eigen 
tumsgrenzen, Straßen, Wege* Gewässer, Eisenbahnen, Ge 
höfte usw. Es kann mit der Fertigstellung der Messung von 
2 bis 4 Polygonseiten zu 200 m für 1 Tag'gerechnet werden* 
in einer Tiefe von 100 m beiderseits = 8 bis 16 ha für_l Tag. 
Bei Annahme von ungünstigen Verhältnissensei die Durch 
schnittstagesleistung 3 bis 5 ha. Die Kosten betragen demnach 
Mk. 2 a für 1 ha. 
Wird das Geländerelief der Umgebung im Anschluß an 
das Polygonnetz- und Feinnivellement tachymetrisch auf 
genommen, so kann ein Teil der Aufnahmegegenstände 
unter 3. als Kulturgrenzen, unwichtige Wege, kleinere 
Gewässer — soweit sie nicht Eigentumsgrenzen sind — bei 
Gelegenheit der tachymetrischen Höhenaufnahme ohne Zeit 
verlust mit aufgenommen werden, und ermäßigen sich die 
Kosten für 1 ha unter 3. sodann um 
Mk. 0,4. a bis 0,6 . a. 
Um aus den angegebenen Einzelkosten für die Stück 
vermessung je nach der Bebauung einen brauchbaren Durch 
schnittssatz zu erhalten, wird man zweckmäßig auf den 
vorhandenen Unterlagen die Flächen der verschiedenen Be 
bauungsarten und der aufzunehmenden Feldmark planime- 
trisch ermitteln und aus der erhaltenen Verhältniszahl die 
Durchschnittskosten für 1 ha berechnen. 
Ist das aufzunehmende Stadtgebiet mit durchlaufenden 
Wänden oder Böschungen von beträchtlicher Höhe und 
breiten Flußläufen durchzogen, so sind zu den Kosten unter 
B und C 1 bis 3, 10 bis 15% bzw. 6 bis 9% zuzuschlagen. 
D. Das Nivellementsnetz. 
Als Grundlage für die Festlegung von Höhenpunkten in 
kurzen Abständen auf allen Straßen und Plätzen deF Stadt 
dient ein Feinnivellement im Anschluß an die im Stadtgebiet
	        
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