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Volume H. 10/11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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EIMATSCHUTZ IN BRANDENBURG. Mitteilung«» des 
Vereins Heimatschutz in Brandenburg. Berlin 1915» Verlag des 
Reichsboten G. m. b. H. VII. Jahrgang Nr. 2 enthält u. a.: „Großstadt 
fragen“ von Tutilo. x. Das Mietshaus. 
^UM WIEDERAUFBAU OSTPREUSSENS. DAS FLACHE 
DACH. Herausgegeben von Architekt Otto Liesheim, Berlin-Zehlen 
dorf. Eine Sammlung der in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichten 
Aufsätze über die Vorzüge des flachen Daches, mit 7 Abbildungen, länd 
liche Bauten betreffend. 
OTÄDTISCHE FREIFLÄCHENPOLITIK. Grundsätze und 
Richtlinien für Größe und Verteilung der verschiedenen Arten von 
sanitärem Grün im Stadtplane mit besonderer Berücksichtigung von Groß- 
Berlin. Von Dipl,-Ing, Dr.-Ing, Martin Wagner, Abteilungsvorsteher im 
Verband Groß-Berlin. Mit xi Abbildungen und 1 farbigen Tafel, Berlin, 
Carl Heymanns Verlag, 1915. Hierzu wird bemerkt, daß ln der Schrift 
eine Anzahl wertvoller statistischer Unterlagen beigebracht werden, der 
MITTEILUNG. 
I Tm die Mitte des vergangenen Jahres, noch kurz bevor der Europäische 
Krieg ausbrach, der weiteren Erörterungen in dieser Angelegenheit 
vorläufig ein Ende machte, wurde in den Tageszeitungen mit einer ge 
wissen Leidenschaftlichkeit für und wider den Vorschlag gekämpft, auf 
dem Gelände nördlich der Stadtbahn, das Friedrichstraße und Reichstagr 
ufer begrenzen, einen Wolkenkratzer zu errichten —^ mitten im Großstadt 
verkehr am wichtigen Bahnhofe Friedrichstraße unfern der ältesten und 
vornehmsten Prachtstraße Berlins als groß gedachte Gast- und Erholungs 
stätte in einer Form, die zugleich die Bedeutung des Platzes zum Ausdruck 
zu bringen hätte. 
Wir sind keine Freunde der Wolkenkratzer, soweit dadurch die 
Allgemeinheit wie auch die Nachbarn geschädigt werden. Wo dies aber 
nicht der Fall und ein städtebaulich bedeutsamer Punkt zu betonen ist, 
erscheint der ablehnende Standpunkt der Baupolizei bedauerlich, bloß 
weil damit einmal über die Stränge der Verordnung geschlagen und die 
sonst einzuhaltende Bebauungshöhe überschritten wird. Im Gegenteil — 
erst damit ist dies für die Gestaltung moderner Großstädte unentbehrliche 
Mehr an Mitteln gegeben, Relief, Ordnung und Gliederung ins Stadtbild 
zu bringen. Sollte damit dem Besitzer ein Vorteil zufallen, so wäre 
dieser natürlich angemessen durch eine Gegenleistung oder Bezahlung 
auszugleichen. 
Schon einmal hatte sich die Gelegenheit zu einer derartigen Lösung 
geboten, als nach Abbruch der Königskolonnaden für das Warenhaus 
Wertheim an der Neuen Friedrlchstraße eine neue, hinter der alten etwas 
zurückweichende Fluchtlinie festgesetzt wurde. Es wäre sehr erwünscht 
gewesen, wenn diese neue Fluchtlinie noch weiter hätte zurückgesetzt 
werden können, um diesen Teil der Neuen Friedrichstraße platzartig zu 
verbreitern und damit von der Königstraße her einen sich weiter öffnenden 
Blick auf das jetzt allzusehr in den Hintergrund gedrängte Gerichts 
gebäude zu gewinnen. Der Verlust, den Wertheim dadurch an Be 
bauungsfläche gehabt hätte, wäre durch das Zugeständnis eines sechsten 
Geschosses auszugleichen gewesen, was an dieser Stelle ohne jeden Schaden 
für die Nachbarschaft hätte geschehen können und mit dem Vorteil, ein 
eigenartiges Wahrzeichen für die zum Großgeschäftsviertel gewordene 
Altstadt in städtebaulichem Sinne zu erhalten. 
Ähnlich liegen die Verhältnisse jetzt am Bahnhof Friedrichatraße —■ 
mitten im Hauptgasthofsviertel einen dieses kennzeichnenden höheren 
Bau zuzulassen, könnte wohl erstrebenswert erscheinen. Doch nicht 
darauf ist in all den bisher aufgetauchten Vorschlägen Gewicht gelegt 
worden, sondern immer wieder nur auf die unseres Erachtens Übertriebene 
Bedeutung des Bahnhofs Friedrichstraße. 
Das Gedächtnis des Menschen ist kurz. Im Wettbewerb für einen 
Grundplan von Groß-Berlin hat niemand diesem Bahnhofe sonderliche Bc- 
darauf gebauten Theorie der Freiflächenpolltik jedoch nicht überall zc- 
gestimmt werden dürfte. 
TUTATIONAL MUNICIPAL REVIEW. Vol. IV, No. 4, Total 
Äa No. 16. Published quarterly by the National Municipal League, 
RailrOad Square, Concord, N. H. Editorial Office, North American Building 
Philadelphia, Pa. Bringt unter anderem den lesenswerten Beitrag „Deutsche 
Städte unter dem Drucke des Krieges“. Von Professor Robert C. Brooks. 
ACHARCHITEKTUR DER BAROCK-EPOCHE IN 
PRAG. Von Professor A, Balndneck in Prag. V Praze. Näkla- 
dem Ceskd Matice Technick^. — V. Komissi Kuitskupectvf Fr. RivnÄ^e 
V. Praze. 1913. Der Stoff ist nach Angabe des Herrn Verfassers nicht 
nur analytisch, sondern auch vom Standpunkte des Städtebaues behandelt. 
EITSCHRIFT FÜR KOMMUNALWISSENSCHAFT. 
Heft 7, Jahrgang 2, 1915/1916. Deutsche Verlags-Anstalt in Stutt 
gart. Bringt unter anderem: Die Wohnungsfrage nach dem Kriege. 
Von I. F. Haeuselmann, Stuttgart. Mit acht zeichnerischen Darstellungen 
des Verfassers. 
achtung geschenkt. Fast alle Pläne, und insbesondere die preisgekrönten, 
stimmten darin überein, daß einmal ein großer Bahnhof — einige sagten 
geradezu: Zentralbahnhof — auf dem Gelände des Lehrter bzw. früheren 
Hamburger Bahnhofes zu erbauen sein würde, indem zu der vorhandenen 
von West nach Ost verlaufenden Stadtbahn eine zweite, diese über 
kreuzende, von Süd nach Nord gebende Bahnverbindung geschaffen werden 
müsse. Inzwischen hat sich nichts ereignet, was diese Zukunftsgedanken 
als abgetan ansehen lassen dürfte. Ist dies aber richtig, dann bleibt 
der Bahnhof Friedrichstraße nach wie vor ein zwar sehr wichtiger, doch 
immerhin nur ein Zwischenbahnhof. 
Eis scheint fast so, als ob auch die Eisenbahnverwaltung ihm keine 
größere, insbesondere auch keine zur Würde eines Emfangsbahnhofes 
erhobene Bedeutung beimißt. Im Gegenteil: Die architektonische Er 
scheinung wird gegen früher voraussichtlich gemindert, wenn die große, 
alle Gleise Überdeckende Halle durch einzelne niedrige Bahnsteighallen 
ersetzt werden soll. Übrigens schade um das verdienstvolle Werk des 
verstorbenen Jakobsthal — vielleicht hätte man ihm doch mehr Schonung 
angedeihen lassen können. Sicherlich darf andererseits die Bedeutung 
des Bahnhofes für den Eintritt zahlreicher Reisender ln die Stadt, für 
das Stadtbild auch nicht unterschätzt werden. Es steht zu befürchten, 
daß dies in der Tat nicht ausreichend gewürdigt wird, und deshalb werden 
kritische Stimmen nicht so bald verstummen. 
Der neueste Vorschlag der „Bauwelt“ geht nun dahin, dem Bahn 
höfe an der der Straße „Unter den Linden“ abgekehrten Seite eine große 
Halle für den Verkehr der Reisenden mit zwei gewaltigen Uhrtürmcn 
vorzulegen und davor einen Vorplatz zu schaffen, indem nur ein Teil der 
zu Eingang dieser Betrachtung erwähnten Fläche mit einem Qcschäfts- 
hause bebaut wird, dessen Höhe nicht Uber das baupolizeilich zulässige 
Maß hinausgeht. Scheiterte der Wolkenkratzer am Wortlaute der Bau 
ordnung, so wird der neue Vorschlag daran scheitern, daß der Militär 
fiskus ein Opfer von vier Millionen bringen soll. Wir meinen, so ge 
waltiger Mittel bedarf es an dieser Stelle aber nicht, wenn auch erheblich 
mehr aufgewendet werden müßte, als bisher angenommen war, und dem 
Umstande Rechnung zu tragen ist, daß am Reichstagsufer eine Unter 
grundbahn entlanggeführt werden soll Und an der Kreuzungsstelle 
mit der städtischen Nord-SUd-Bahn ein lebhafter Stadtverkehr sich ent 
wickeln wird. 
Bedeutsam ist also der Punkt, doch, wie die Dinge nun einmal 
liegen, nicht so bedeutsam, daß darüber der Gedanke an die Schaffung 
eines der Weltstadt besser entsprechenden Hauptbahnhofes an anderer 
Stelle für die Zukunft aufgegeben zu werden brauchte. 
D. S.
	        
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