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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 12.1915 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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bau in Groß-Berlin und in den angrenzenden Vororten; es ist der erste 
Fall, daß amtliche Zahlen über das ganze Baugebiet einer Großstadt 
gegeben werden. Ausgeschlossen von der Aufnahme blieben alle Grund 
stücke, auf denen keine Kleinwohnungen bis zu vier Räumen errichtet 
wurden. Die ermittelten Bodenpreise sind deshalb nur als untere Wert 
grenze zu betrachten und gestatten keinen Rückschluß auf den allgemeinen 
Stand der Bodenwerte oder auf die Preise der lediglich Mittelwohnungen 
und herrschaftliche Wohnungen enthaltenden Grundstücke, die vielmehr 
wesentlich höher stehen. Ferner ist darauf hinzuweisen, daß die Erhebung 
im Mai 1914 unter der Herrschaft der ungünstigsten Konjunktur im Grund 
stücksgeschäft stattfand, und in einem Zeitpunkt, der durch den Rückgang 
der Bautätigkeit und die Notlage im Realkredit gekennzeichnet ist.“ 
„Die Behauptung, daß brauchbares Bauland für den Kleinwohnungs 
bau in Groß-Berlin — selbst wenn man den Ausdruck auf die äußeren, 
mit Berlin nicht baulich zusammengeschlossenen Vororte anwenden wollte 
— zu 4—5 Mk. zu haben sei, ist danach eine Fabel. Aber auch der 
Bodenpreis von 10 Mk., der sich in einzelnen nördlichen Vororten fand, 
ist — was in den zu Eingang Seite 261 erwähnten Ausführungen ver 
schwiegen wurde — nur ein nominell niedriger, der durch die geringe 
Ausnutzung aufgehoben wird. Es handelt sich zumeist um Gelände der 
im Gegensatz zum Gebiet der Mietkaserne stark beschränkten Bauklassen, 
bei denen die Bebaubarkeit bis auf 30% der Bodenfläche und zwei Ge 
schosse Bauhöhe heruntergeht. Bei Vergleichen mit England und Belgien, 
die für den Flachbau regelmäßig eine Ausnutzung von 75% bis 66 3 /a % 
zulassen, ist der Berliner Bodenpreis der stark beschränkten Bauklassen 
deshalb zu verdoppeln, gegenüber der von mir allein herangezogenen 
Mietkasernenbebauung aber zu vervierfachen. Ein Hauptmoment ist ferner, 
daß bei dem billigen Vorortgelände der Anschluß an Kanalisation nicht 
allgemein vorhanden oder vor dem Verkauf der Baustellen nicht aus- 
geführt ist. Auch dieser Umstand, der für die Bodenspekulation von 
wesentlicher Bedeutung des Schutzverbandes verschwiegen. Weiter sind 
die Verschiedenheiten der Lage und die sonstigen preisbildenden Faktoren 
in Betracht zu ziehen. Wenn man die obigen Beschränkungen und 
Mängel in Betracht zieht, erscheint die 90-Mk.-Baustelle in Berlin noch 
geradezu billig. Es ist danach nicht weiter verwunderlich, daß die an 
geblich niedrigen Bödenpreise in den ausgesonderten Bezirken, wie der 
CHRONIK. 
W IEDERAUFBAU DES OBERELSASS. Als eine schwie 
rige, aber auch sehr dankbare Aufgabe stellt sich der Wieder 
aufbau des oberen Elsaß dar. Bietet sich doch mit ihm die nie wieder 
kehrende Gelegenheit, begangene Sünden wieder gut zu machen und die 
Anforderungen moderner Technik und modernen Verkehrs mit der Land 
schaft an sich und den historischen Städtebildern in Einklang zu bringen, 
ln Thann und Sennheim wird mit besonderer Vorsicht zuwege gegangen 
werden müssen, um das Alte und organisch Gewachsene nicht zu zer 
stören, oder um es mit feinem Verständnis wieder zutage zu fördern, wo 
es unter neuzeitlichen Geschmacklosigkeiten verborgen liegt. Dies gilt 
besonders für Thann, wo viele einzelne Kunstdenkmäler erhalten sind. 
Sennheim hat schwer gelitten. Die alten Befestigungswerke aus dem 
14. Jahrhundert sind stetem Wandel und Fortschritt unterworfen gewesen. 
Aus diesen Fortifikationswerken mit den alten Türmen ließen sich neue 
malerische Anlagen schaffen, die den altertümlichen Charakter des Ortes 
— schon im Jahre 1271 als befestigte Stadt erwähnt —- wirkungsvoll 
hervortreten ließen. Eine Eigenart des oberen Elsaß sind die einzelnen 
Bauernhöfe, Fermen, in hoher Gebirgslage. Viele von ihnen sind zerstört. 
Ihre Aufrichtung soll von dem Gesichtspunkte aus erfolgen, daß das aus 
uralten Anfängen und Notwendigkeiten entstandene Bauernhaus in seiner 
traulichen Schönheit wieder erstehe und doch bessere Lebensbedingungen 
seinen Bewohnern biete. 
D IE PATENSTÄDTE FÜR OSTPREUSSEN. Die von dem 
früheren Landrat des Kreises Gumbinnen, jetzigen Polizeipräsidenten 
von Schöneberg, Freiherrn v. Lüdinghausen gegebene Anregung zur 
Mangel jeder Bautätigkeit zeigt, für den untemehmermäßigen Bau von 
Kleinwohnungen tatsächlich nicht vorhanden sind.“ 
EINGÄNGE. 
WEI JAHRE STÄDTEBAU. Von Alfred Dambitsch. Ver 
öffentlicht in der Sonntagsbeilage No. 29 zur Vossischen Zeitung 
No. 362, Berlin Jahrgang 1915 (Seite 227 und 228). 
IE ARME SCHÖNHEIT. Von Baurat Josef Pospisil. Ver 
öffentlicht in No. 159 der Bosnischen Post, Sarajewo, Jahrgang 19*5 
(Seite 3 und 4). 
OTÄDTISCHE SIEDELUNGS-PODITIK NACH DEM 
** KRIEGE. Ein Programm organisatorischer, finanzieller und 
gesetzgeberischer Maßnahmen in Reich, Staat und Kommune. Von Fritz 
Beuster, Stadtbaurat a, D. Berlin 1915, Carl Heymanns Verlag. Preis 1 Mk. 
STPREUSSEN UND SEINE BODENSTÄNDIGE BAU 
KUNST. Von Professor Robert Mielke. Mit 11 Abbildungen. 
Charlottenburg 1915, Verlag von Robert Kiepert. Preis 0,50 Mk, 
A ufgaben des Städtebaus und des heimat- 
SCHUTZES BEIM WIEDERAUFBAU ZERSTÖRTER 
ORTSCHAFTEN. Von Architekt E. Maul, Assistent im Seminar für 
Städtebau an der Königl. Technischen Hochschule Berlin. Mit 32 Ab 
bildungen. Charlottenburg 1915, Verlag von Robert Kiepert. Preis i,2oMk. 
ÜRSCHNER UND BENZEL, DER STÄDTISCHE TIEF 
BAU. Leitfaden für technische Schulen und Gemeindebeamte. 
Erster Teil: Bebauungspläne und Stadtstraßenbau. Von Professor BcnzcI. 
Leipzig und Berlin 1915, Verlag von B. G. Teubner. Preis kartoniert 
3,80 Mk. 
RIEGSHILFSKOMMISSION FÜR DIE PROVINZ OST- 
PREUHSEN. Bericht über die zweite Sitzung am 6. Februar 19*5. 
Übernahme der Patenschaft für den Wiederaufbau der durch den Krieg 
zerstörten ostpreußischen Ortschaften seitens solcher Kommunalverbände, 
die von der direkten Einwirkung der Kriegsereignisse verschont geblieben 
sind, hat überall im Reiche freudige Zustimmung und tatkräftige Förderung 
erfahren. 24 Kriegshilfsvereine sind bereits begründet, und eine Anzahl 
ist noch in der Bildung begriffen. Bekanntlich wollen die Kriegshilfs 
vereine in den Orten bzw. Bezirken, über die sie die Patenschaft über 
nehmen, der staatlichen Kricgafürsorge ergänzend zur Seite treten. 
Folgende Kriegshilfsvereine sind, wie wir der Ostpreußischen Zeitung 
entnehmen, bisher begründet: 
Regierungsbezirk Königsberg. 
Für den Kreis Pr.-Eylau (ländliche Ortschaften): Kriegshilfsverein 
Großherzogtum Sachsen für den Kreis Pr.-Eylau; Vorsitzender: Ober 
baudirektor Kriesche, Weimar; 
2. für Domnau (Stadt): Kriegshilfsverein Berlin-SchÖneberg; Vor 
sitzender: Dr. Freiherr v. Lüdinghausen; 
3. für Gerdauen (Stadt): Kriegshilfsverein Berlin-Wilmersdorf; 
Vorsitzender: Dr, Freiherr v. Lüdinghausen; 
4. für Nordenburg (Stadt): Kriegshilfsverein Grunewald; Vor 
sitzender: Regierungsrat a. D. Dr. Stackmann, Gemeindevorsteher; 
5. für Gerdauen (ländliche Ortschaften): Südliche Vororte Berlins; 
6. für Heilsberg (ganzer Kreis): Kriegshilfsverein im Regierungs 
bezirk Düsseldorf; 
7. für Memel (Stadt und Kreis): Krlegshüfsverein Mannheim;
	        
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