Path:
Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
das Wohnungswesen allseitig ordnenden Baugesetze darstellen möge, welches 
dem Baulustigen ein Recht zur Geländeerschließung und zum Bauen unter 
gesetzlich featumrissenen Bedingungen gewährt. Indem wir grundsätzlich 
der Meinung sind, daß der einheitliche Grundgedanke aller gesetzgeberischen 
und Verwaltungsmaßnabmen, die Erleichterung der gesunden Wohnungs- 
herstellung, nicht durch die Handhabung des kommunalen Bauverbots, 
vielmehr durch die Schaffung eines gesunden, den Interessen der Gemeinde 
ebenso wie des einzelnen gerecht werdenden Baurechts gefördert werden 
sollte, vermögen wir indes in der im Gesetzentwürfe vorgeschlagenen 
Nachprüfung der Handhabung des Bauverbots durch den Bezirksausschuß 
eine befriedigende Lösung dieser für die gedeihliche Entwicklung des 
Siedelungswesens ungemein wichtigen Frage nicht zu erblicken, da der 
Schwerpunkt der öffentlichen Tätigkeit auf diesem Gebiete in der Gemeinde 
verbleiben sollte und ein schwerfälliger Instanzenweg nur hemmend wirken 
würde. Will man aber zur Verbesserung des gegenwärtigen unerwünschten 
Rechtszustandes zu dem im Gesetzentwürfe vorgeschlagenen Aushilfsmittel 
als einer einstweiligen Maßnahme greifen, so glauben wir die Schutz* 
Forderung erheben zu sollen, daß gleichzeitig gesetzlich vorgeschricben 
wird, daß an der Beschlußfassung des Bezirksausschusses über Siedelungs 
angelegenheiten mindestens ein im Siedelungswesen erfahrener Fachmann 
mit der Befähigung zum höheren Staatsbaudienst als beschließendes Mit 
glied mitwirken muß. 
Die im Gesetzentwürfe vorgesehene starke Erweiterung der Macht 
befugnisse der Baupolizei und ihre dadurch außerordentlich gesteigerte 
Verantwortlichkeit muß zur notwendigen Voraussetzung haben, daß die 
Leitung der Baupolizei in die Hand eines im Siedelungswesen praktisch 
erfahrenen Fachmanns obligatorisch gelegt wird, der in der Lage ist, sich 
über die Tragweite seiner in das Wohnungswesen und Städtebild und in 
das Wirtschaftsleben des einzelnen wie der Gemeinde oft tief einschneidenden 
Maßnahmen ein eignes und allein verantwortliches Urteil bilden zu können. 
Bei der grundlegenden Bedeutung des Siedelungswesens für die gedeihliche 
Weiterentwicklung unseres Volkes sind die befähigtesten Beamten von höch 
ster Sachverständigkeit für die Leitung der Baupolizei gerade gut genug. 
Es wäre zu begrüßen, wenn in ähnlicher Weise wie im Artikel 1 
auch in II zum Ausdrucke gebracht werden würde, daß bei der Aufstellung 
von Bauordnungen auch Rücksichten auf das WohnbedÜrfnis und die not 
wendigsten ästhetischen Erfordernisse mitzusprechen haben. 
Als sehr wirkungsvolle Maßnahme für die Erstellung hygienisch 
einwandfreier Wohnquaitiere — und zwar mit vollem wirtschaftlichen 
Erfolge — hat sich in der Praxis die Einführung sogenannter rückwärtiger 
und seitlicher Baulinien durch Baupolizeiverordnung erwiesen. Die rück 
wärtige Baulinie beschränkt oder schließt aus die Bebauung auf dem hinteren 
Teile des Grundstücks, so daß im Innern des Baublocks, anstatt engverbauter 
Hinterhäuser, Hausgärten (erforderlichenfalls durchsetzt von Stallungen, 
Schuppen und dergleichen) entstehen können, während die seitliche Bau- 
Knie die Möglichkeit bietet, die Randbebauung des Blockes an gewünschten 
Stellen zwecks Durchlüftung des Blockinncrn unterbrechen zu können. 
Die allgemeine Einführung der lex Adickes wird von uns begrüßt; 
jedoch halten wir mehrere Änderungen an ihr für erforderlich. 
Die Schaffung einer Rechtsgrundlage für die Einführung von Bau- 
lastenbUcbem erscheint uns zweckmäßig. 
Wir haben bei unserer Stellungnahme zum Gesetzentwurf die äußerst 
schwierige Lage des Hausbesitzes voll gewürdigt, an dessen Gesundung 
wir mitzuarbeiten bestrebt sind, da wir seine Prosperität als eine Vor 
bedingung für die dauernd erfolgreiche Betätigung des Privatkapitals auf 
dem Terrain- und Baumarkt ansehen. 
11. Abänderungsvorschläge im einzelnen. 
Artikel U. Zu § i; Folgende Abänderung und Ergänzung wird 
vorgeschlagen: „Durch die Bauordnungen ist — auch in Rücksicht auf 
das Wohnungsbedürfnis — insbesondere zu regeln: 
i, unverändert; a. unverändert; 
3. der Verputz und Anstrich oder die Ausfugung der vornehmlich 
Wohnzwecken dienenden Gebäude und aller von öffentlichen Ver- 
kehrsfiächen aus sichtbaren Bauten.“ 
Über die im § 1 vorgesehenen Erweiterungen der Befugnisse der 
Baupolizei hinaus ist ihre Zuständigkeit auch zu fordern: 
a) Für die Festsetzung sogenannter rückwärtiger Baulinien (Beschränkung 
und Begrenzung der baulichen Ausnutzbarkeit nachder Grundstückstiefe) 
zur teilweisen oder gänzlichen Freihaltung des Blockinnern, 
. b) Für die Festsetzung sogenannter seitlicher Baulinien (Bauwiche) in der 
halboffenen Bauweise (Reihenhausbau in langen Gruppen) zwecks 
Regelung seitlicher Abstände. 
Zu § z: Die unterschiedlichen Vorschriften des ersten Absatzes sollten 
auf jeden Fall, also ohne Rücksicht auf die „bauliche Entwicklung“ 
erlassen werden. Der Vordersatz dieses Absatzes wäre also zu streichen. 
Zu § 3: Folgende Fassung wird in Vorschlag gebracht: In Hinsicht auf 
ihre Anbaufähigkeit sollen durch Polizeiverordnung für die Herstellung 
und Unterhaltung von Straßen und Plätzen abgestufte Vorschriften je 
nach deren Bestimmung (Verkehrsstraßen höherer und niederer Ord 
nung, Wohnstraßen, Wohnwege u, a.) gegeben werden. 
Artikel 111. Zu § 2: Folgende Fassung wird empfohlen: 
Durch die Wohtrungsordnungen ist vorzuschreiben,' daß . . . 
Zu § 3: Ebenso: Die Wohnungsordnungen haben ferner insbesondere 
Vorschriften zu treffen über . . . 
Artikel IV. Zu § 1 Absatz 2: Folgende Änderung wird vorgeschlagen: 
Für Gemeinden mit mehr als 50000 Einwohnern ist zur Durch 
führung der Wohnungsaufsicht ... 
Für die Leitung der Wohnungspolizei (Wohnungsamt) ist das 
Erfordernis technischer Vorbildung vorzuschreiben. 
ie Aprilnummer des DEUTSCHEN STATISTISCHEN ZEN 
TRALBLATTES, Organ der Deutschen Statistischen 
Gesellschaft (Verlag von B. G. Teubncr, Leipzig und Berlin) 
veröffentlicht das Ergebnis des Preisausschreibens der Gruppe „Statistik“ 
der wissenschaftlichen Abteilung der Internationalen Baufachausstellung 
Leipzig 1913. Nach Gehör der Preisrichter hat das Direktorium den 
nachstehend genannten Herren Preise zuerkannt: Für Aufgabe 1: Welche 
statistischen Grundlagen sind zur Aufstellung von Bebauungsplänen für 
größere Städte erforderlich? Dr.-Ing. Heiligenthal, Essen und Paul 
Stegemann, Charlottenburg. Für Aufgabe 2: Die Rentabilität der 
Wohnhäuser in den Städten, Dr. Häberlin, Leipzig. Für Aufgabe 3: 
Bestellbauten und Verkaufsbauten. Regierungsbaumeister Otto Eigen, 
Halle a. d, S.-Cröllwitz. Für Aufgabe 5: Geschichte des Baugewerbes 
in Deutschland (nach den Berufs- und Betriebszählungen), Dr. Willy 
Krebs, Berlin-Steglitz, Dr. phil. Richard Herbst, Leipzig und 
Dr. phil. Georg Prenger, Brandenburg a.d.H. Für Aufgabe 6: Die 
Schwankungen des Straßenbahnverkehrs nach Wochentagen und Tages 
stunden, Dr. Joh. Müller, Halle a. d. S. und Dr. phil. Richard 
Herbst, Leipzig. 
E ine wasserwirtschaftliche auskunfts 
stelle FÜR GANZ DEUTSCHLAND hat sich gebildet. 
Ausgehend von dem Gedanken, daß eine Zentralisation die wichtigste 
Forderung für alle wasserwirtschaftlichen Bestrebungen ist, hat ein Zu 
sammenschluß von Fachleuten und Industriellen eine Auskunftsstelle 
geschaffen, die allen wasserwirtschaftlichen Interessenten in möglichst 
gemeinnützigem Sinne mit Rat und Tat zur Seite steht. Neben den 
zahlreichen Mitarbeitern für Wasserversorgung hat sich ein besonderer 
Arbeitsausschuß für Talsperrenbau, Melioration und Moor- 
kulrur gebildet, der eine einheitliche Zusammenfassung der auf diesen 
Gebieten liegenden Arbeiten erstrebt. Es werden bei der Ausführung 
von Talsperren, Be- und Entwässerungsprojekten eingehende und kost 
spielige wasserwirtschaftliche Untersuchungen angestellt und viele Ver 
suche mit Neuerungen gemacht. Die damit verbundenen wichtigen Er 
fahrungen kommen meist nicht der Allgemeinheit zugute, sondern ver 
schwinden in den Akten und Archiven der Behörden und Genossenschaften, 
und sieht die Auskunftsstelle und ihr Arbeitsausschuß die hauptsächliche 
Tätigkeit darin, diese wichtigen Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich 
zu machen und so den Fortschritt auf diesen Gebieten mit Nachdruck 
zu fördern, Es handelt sich hier um einen Brennpunkt praktischer 
Arbeit, und ohne Zweifel wird jeder wasserwirtschaftliche Interessent, 
besonders auch mit Rücksicht auf das neue Wassergesetz, Anschluß an 
diese Bestrebung suchen. Wie wir hören, wird der Mitarbeiterkreis 
ständig erweitert, so daß eine umfassende Verwirklichung dieses Ge 
dankens gesichert ist. Nähere Auskunft erteilt der Sekretär der Wasser 
wirtschaftlichen Auskunftstelle für ganz Deutschland, Hcr- 
I mann Heck, Leipzig, Querstraße 17, I. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasrauth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 31. 
Inseratenannahme Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W. 8. — Gedruckt bei Herrostf & Ziemsen, G. m. b. H., Wittenberg. — Klischees von Max Krause, Berlin.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.