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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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schlechten Hausformen führt und die schlechten Haus 
formen dann auch sehr bald eine schlechtere Wohnbevöl 
kerung anziehen, so daß die Wohnungen in Verfall geraten. 
So sind von Grund aus gut angelegte Kleinwohnungsanlagen 
aus dem 17. Jahrhundert heute noch in gutem Zustande 
erhalten, während fehlerhaft angelegte aus den sechziger 
Jahren des 19. Jahrhunderts heute schon verwahrlost sind 
und niedergelegt werden müssen. Die Erörterungen über 
das Realkreditwesen und die Wohnungsgesetzgebung, denen 
der vollständige Text der Wohnungs- und Organisations 
gesetze in deutscher Übersetzung beigegeben ist, können 
uns gerade im gegenwärtigen Augenblick wertvolle Winke 
und Anregungen geben, wo wir im Begriff stehen, uns auch 
NEUE BÜCHER. 
Besprochen von THEODOR GOECKE, Berlin. 
OTSDAM, EIN STADTBILD DES 18. JAHRHUNDERTS 
von Otto Zieler. Band i, Stadtarchitektur, 1913, Berlin, im 
Verlage von Weise & Co, 
Auf etwa 22 mit 16 Abbildungen geschmückten Großquartseiten 
wird eine kurze Baugeschichte der landesfürstlichen Stadtschöpfung ge 
geben. Der Große Kurfürst, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und 
Friedrich der Große haben die Stadt um- und neugeschaffen, den Grund 
plan des Holländischen Viertels, die Straßen* und Platzbilder nach einheit 
lichem Willen. Es ist ein großes Verdienst des Verfassers, dies auf 86 
beiderseitig bedruckten, Tafeln zum größten Teil nach guten photographi 
schen Aufnahmen, weiteren Kreisen vor Augen geführt zu haben. 
Einzelne Bauwerke sowohl als auch ganze StraßenzUge, geschlossene 
Platzwirkungen geben aber auch reichhaltigen Studienstoff dem Fach 
manne, für den die weiter beigefügten drei Doppeltafeln mit der Dar 
stellung von Blockfronten der zweiten Stadterweiterung, teils nach eigenen 
Aufnahmen und Zeichnungen dea Verfassers, teils nach solchen von 
Prof. Klöppel, der Häusergruppen Am Kanal 64—68 und eines Vogelschau* 
bildes des Holländischen Viertels, wieder nach eigenen Zeichnungen, an 
ziehend sind. Meist sind auch die Namen der Architekten und das Jahr 
der Erbauung am Rande verzeichnet. 
Das Werk ist eine empfehlenswerte Bereicherung der Bauliteratur 
Uber Potsdam. 
D IE SCHÖNE DEUTSCHE STADT. Norddeutschland, Von 
Gustav Wolf (Architekt in Carlowitz bei Breslau). Mit 211 Bildern. 
1,80 Mk, München, R. Piper & Co., Verlag. 
MITTEILUNGEN. 
U ** BER DIE BEHANDLUNG DER ENTWÜRFE FÜR 
NEUE EISENBAHNEN SOWIE FÜR DIE UMGE 
STALTUNG UND DIE ERGÄNZUNG VON STAATS 
EISENBAHNANLAGEN hat der Minister der öffentlichen Arbeiten 
am 7. Februar d. J. folgendes erlassen: 
1. Bei Aufstellung der Entwürfe für neue Eisenbahnen sowie für die 
Umgestaltung und die Ergänzung von Staatseisenbahnanlagen 
ist es die Aufgabe der Eisenbahnverwaltung, nicht nur den Anforderungen 
des Eisenbahnbetriebs und des Eisenbahnverkehrs zu genügen, sondern 
unter Abwägung aller Verhältnisse gleichermaßen auch den sonstigen 
Interessen, in deren Gebiet die neuen Anlagen eingreifen, in 
dem Sinne gerecht zu werden, daß Schädigungen von den Interessenten 
ein Wohmingsgesetz zu schaffen und unsere Einrichtungen 
des Realkredits nachzuprüfen. 
Das Buch muß jeden aufs äußerste fesseln, den die 
darin behandelten Dinge einigermaßen angehen. Es wird 
uns Deutsche vor allen Dingen zum sorgfältigen Nachdenken 
darüber anregen: Sind wir mit unseren heutigen Stadt 
planungen, auch mit denen, die sich ganz modern gebärden, 
schöne Grünflächen, Planschwiesen und abwechslungsreiche 
Platzgestaltungen enthalten — sind wir mit diesen auf dem 
richtigen Wege? Oder ist es nicht alles immer noch mehr 
Straßenbau als wirklicher Städtebau? Fördern wir damit 
eine gesunde Siedelungsweise oder verteuern wir nicht bloß 
die Landerschließung ohne wirklichen Gewinn? 
Den Bänden Mitteldeutschland und Süddeutschland folgt nun Nord 
deutschland mit steigender Sorgfalt in der Auswahl und steigendem Ernste 
in der Behandlung des Stoffes. Dem Verfasser kommt es nicht darauf 
an, möglichst viel Bilder vorzufübren, sondern den Zusammenhang der 
vorgeführten in einer bestimmten Raumfolge zu veranschaulichen. Nach 
einer die Eigenart des Volks- und Landschaftscharakters erläuternden 
Einleitung behandelt der Verfasser in sieben Hauptabschnitten die Er 
oberung des Ostens und die Entwicklung Preußens, den Ziegelbau in 
kirchlichen und profanen Gebäuden, die Stadt Stralsund im Grundriß und 
Aufbau, den Fachwerkbau mit seinem Schmuck und seiner Wirkung im 
Stadtbilde, die Grundrisse von Kleinstadt, Großstadt, Stadtgruppen, ins 
besondere auch der Stadt am Wasser, die Raumbildungen von Straßen 
und Plätzen und schließlich die einheitliche Stadtgestaltung in Danzig, 
Berlin, Potsdam sowie die Aufgaben, die zu diesem Zwecke den Stadt- 
behörden heute zufallen. Pie Schaubilder und Einzelheiten sind nach 
Photographien, deren Herkunft ein besonderes Quellenverzeichnis nach 
weist, die Stadtgrundrisse, in denen Pfeile auf die zugehörigen Schau 
bilder verweisen, nach zeichnerischen Unterlagen hergestellt, knapp und 
klar dem Zwecke entsprechend das Eigentümliche der Stadtbilder heraus 
holend. 
Das Vorwort beschließt der Verfasser mit der Bemerkung: „Schönheit 
ist Ausdruck von Lebensart Und Gesinnung: der Ausdruck unserer neuen 
Städte aber ist übel. Die ganze Betrachtung des Alten ist wertlos, wenn 
wir nicht entschlossen die Folgerungen für die Gegenwart ziehen. Da 
mit ist dem Buche Richtung gegeben.“ Möge es dem Buche gelingen, 
viele in diese Richtung hinzulenken! 
des öffentlichen oder privaten Rechts abzuhalten sind, soweit dies 
technisch-angängig und wirtschaftlich vertretbar ist, und zwar auch dann, 
wenn solchen Beteiligten nach dem bestehenden Recht ein zivilrechtlicher 
Entschädigungsanspruch nicht zur Seite steht. Bei Abwägung der hier 
nach zu berücksichtigenden Umstände sind nicht lediglich die zur Zeit der 
Entwurfsaufstellung bereits vorhandenen örtlichen Verhältnisse in Betracht 
zu ziehen, sondern es darf auch die Weiterentwicklung nicht un 
berücksichtigt bleiben, die in der nächsten Zukunft zu er 
warten ist. Voraussetzung ist hierbei, daß bereits feste Tatsachen vor 
liegen, durch die eine bestimmte Weiterentwicklung sichergestellt ist. 
3, Ich habe Anlaß, auf die obigen, bisher schon maßgebenden 
Grundsätze hier im Zusammenhang hinzuweisen, da sie in einzelnen 
Fällen bei der Aufstellung von Entwürfen nicht ausreichend berücksichtigt
	        
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