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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
den eigentlichen Wohnvierteln' auf. In Washington ist es gestattet) 
Privatwohnhäuser acht Stock hoch zu errichten. Die Ausdehnungspolitik 
geht in Amerika viel weiter als bei uns, immer weiter dehnt sich das 
Wohngebiet für die Großstadt aus. Hand in Hand geht damit die Aus 
dehnung der Schnell- und Straßenbahnen; sie folgen nicht der Besiedelung, 
sondern gehen ihr oft voran. Mancherlei Mißstände haben sich im 
Verkehrswesen ausgebildet, nicht zum mindesten dadurch, daß Verkehrs- 
gesellschaften einseitig ihre Interessen durch Bestechungsgelder an die 
einflußreichen Persönlichkeiten in der Stadtverwaltung durchzusetzen 
suchten. Indes ist jetzt in mancher Beziehung ein wohltätiger Wandel 
eingetreten. In einer ganzen Anzahl von Gemeinwesen werden die 
Verkehrsunternehmungen als gemischtwirtschaftliche Unternehmungen 
betrieben. Wir hoffen demnächst eine Arbeit des Vortragenden in unserer 
Zeitschrift veröffentlichen zu können. 
I m Sommer dieses Jahres findet in Dublin eine Städte-Ausstellung 
statt, deren Vorstand einen WETTBEWERB UM EINEN 
PLAN FÜR DIE VERBESSERUNG UND ERWEITERUNG 
DER STADT DUBLIN ausgeschrieben hat, und zwar auf Grund von 
Bedingungen, die von einem Ausschüsse der Irländischen Gesellschaft für 
Wohnungswesen und Städtebau gemeinsam mit den Sachverständigen 
Professor Patrick Geddes aus Edinburgh (Schottland) und Landschafts 
architekt John Nolen aus Cambridge (Mass., U. S. A.) aufgestellt worden 
sind. Diese beiden Sachverständigen bilden auch zusammen mit dem 
Stadtarchitekten von Dublin Charles Mac Carthy, Mitglied der KÖnigl. 
Akademie Irländischer Architekten, das Preisgericht. 
Es ist nur ein vom Lord-Lieutnant von Irland gestifteter preis von 
loooo Mk. vorgesehen. Ob der Wettbewerb auch Ausländern offen steht, 
ist dem Ausschreiben nicht zu entnehmen, aber wohl anzunehmen, da um 
die Bekanntmachung in deutschen Fachzeitschriften ausdrücklich gebeten 
worden ist. Schaubilder werden nicht verlangt, wohl aber Hausgrundrisse. 
Frist ist bis auf den i. September dieses Jahres. 
Adresse: Town Planning Competition, The Civic Exhibition Linen- 
hall Buildings Dublin, Ireland. 
U nter dem Protektorate des Präsidenten der Republik und der franzö 
sischen Regierung findet vom i. Juni bis i. November dieses Jahres 
eine INTERNATIONALE STÄDTE-AUSSTELLUNG nebst 
französischer Kolonial-Ausstelhmg in Lyon statt. Für deutsche Aus 
steller hat sich in Berlin W. 62, Kurfürstendamm 1, ein Komitee gebildet; 
von deutschen Städten haben Baden-Baden, Dresden, Düsseldorf, Frank 
furt a. M., Hannover, Karlsruhe, Mannheim, Mülhausen i. E., München, 
Neukölln, Nürnberg, Straßburg i, E. ihre Beteiligung zugesagt. Wie aus 
dem Programm hervorgeht, ist an eine Gesamtabteilung „Städtebau“ zwar 
nicht gedacht, wohl aber an Einzelheiten wie Straßenbau, Trinkwasser 
versorgung, Abwässerbeseitigung, also vom technischen und gesundheit 
lichen Standpunkt aus, wie denn überhaupt die Hygiene im Vordergründe 
steht, so daß man fast von einer Hygiene-Ausstellung sprechen könnte. 
Dem entspricht' auch die Zusammensetzung des Komitees, dem neben 
Industriellen und Volkswirten vorwiegend Ärzte angehören — nur je ein 
Architekt und ein Ingenieur ist Mitglied, kein Städtebaukünstler. Für die 
deutschen Aussteller wird ein „Deutsches Haus“ errichtet, nach den Plänen 
des Architekten Fritz Voggenberger in Frankfurt a. M. Auffällig ist, daß 
bautechnische Fachvereine gar nicht zur Beteiligung aufgefordert worden 
zu sein scheinen. 
"CMN HAMBURGISCH-PREUSSISCHER ZWECKVER- 
BAND. * : Übcr die Bildung eines Zweckverbandes zwischen Hamburg 
und den benachbarten preußischen Orten, insbesondere Altona, treten die 
Erörterungen in letzter Zeit immer stärker hervor und werden sowohl 
von Hamburger wie von Altonaer Seite gepflogen. Je mehr sich diese 
eng aneinander angeschlossenen Ortschaften entwickeln, desto mehr 
macht sich das Bedürfnis einer einheitlichen Gestaltung der auf verschiedenen 
Gebieten, z. B. dem Verkehrs- und dem Baugebiet, sowie auch in der 
Wohnungsfrage herrschenden Vorschriften geltend. Bisher ist es aber 
noch nicht gelungen, nach dieser Richtung einen Vorschlag zu machen, 
der bei der bestehenden staatlichen Trennung des in Betracht kommenden 
Gebietes sich durchführen ließe. Die Leitung der Stadt Altona geht 
darauf hinaus, zunächst einen großen Zweckverband für die an Altona 
angrenzenden Elbgemeinden mit Altona zu schaffen, um auf diese Weise 
ein möglichst starkes Gegengewicht gegen die Übermacht Hamburgs 
herzustellen. Doch verkennt man in diesen Kreisen auch nicht, daß die 
Herstellung eines allgemeinen Zweckverbandes mit Hamburg das erstrebens 
werte Ziel ist. Ein solcher Verband wird sich aber ohne einen allgemeinen 
Staatsvertrag zwischen Preußen und Hamburg nicht herstellen lassen, 
wenngleich vielleicht auf dem Verkehrsgebiet die notwendige Verein 
heitlichung der Vorschriften sich auch durch eine Verständigung Hamburgs 
mit den anstoßenden Ortschaften erreichen läßt. Jedenfalls darf man 
damit rechnen, daß in absehbarer Zeit sowohl die preußische wie die 
hamburgische Gesetzgebung sich mit den Fragen des Zweckverbandes 
Hamburg-Altona zu befassen haben wird. 
ER STATTHALTER DES „KIELG AN -VIERTELS 11 . 
In seiner Villa, Kurfürstenstr, 136, ist der Rittergutsbesitzer Otto 
Gabcke, der Schwiegersohn des „alten Kielgan“ gestorben, der sich um 
die Erhaltung eines der schönsten Viertel von Berlin verdient gemacht 
hat. Sein Schwiegervater Georg Friedrich Kielgan (1807—1876) war der 
Begründer des Villenviertels zwischen Derfflinger, Kurfürsten- Maaßen- 
und Motzstraße. Mit weit ausschauendem Blick wurde hier vor fünfzig 
Jahren für ein stattliches Gelände ein Bebauungsplan entworfen, der in 
der schon damals mächtig nach Westen hin vordringenden Stadt ein 
gartenbestandenes Viertel vornehmer kleiner Wohnhäuser anlegte und 
durch strenge Qrundbuchbestimmungen dafür sorgte, daß dieses Viertel 
im ganzen bis heute seinen Charakter bewahrt hat. 
Die Aufteilung jenes großen Geländes geschah in den sechziger 
Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aus jener Zeit ist noch ein ge 
druckter, vom Baumeister Otto Wuttke entworfener Plan vorhanden, der 
die Anordnung der Villen genau festlegte. Der NoIIendorfplatz und die 
Kurtürstenstraße hatten damals schon ihre heutigen Namen. Aus einigen 
beigegebenen Bildchen ergibt sich, daß die spätschinkelsche Bauweise 
Hitzigs für die neuen Villenbauten maßgebend war, 
Seitdem hat sich ja einiges geändert: an der Maaßenstraße, in der 
Kurfürsten- und Derfflinger Straße sind Hochbauten entstanden. Auch 
an der Ecke der Motzstraße stieg ein größeres Haus auf, dessen erstes 
Stockwerk in einer Fassadennische das Standbild G. F. Kielgans trägt. 
Aber das Wesen der Villensiedelung ist doch erhalten geblieben. Mit 
dankenswerter Tatkraft hat Herr Gabcke als Nachfolger seines Schwieger 
vaters darüber gewacht, daß wenigstens an diesem Kern nichts Wesent 
liches geändert wurde. Er hat bei diesen Bemühungen auch Streitig 
keiten und Prozesse nicht gescheut, deren Ergebnis die erfreuliche Bewahrung 
des alten Zustandes war. Für das Kielgansche Villenviertel veröffentlicht 
nunmehr der Berliner Polizeipräsident mit Zustimmung des Oberpräsidenten 
und nach Anhörung des Verbandsausschusses des Zweckverbandes Groß- 
Berlin eine neue Bauordnung. Danach dürfen in diesem Teile von Berlin W 
höchstens vier Zehntel, bei Eckgrundstücken fünf Zehntel der Baugrund 
stücke bebaut werden. Die Höhe aller Qebäüdefronten auf den Grundstücken 
darf 13 m nicht überschreiten, doch kann für die Eckgrundstücke Kur 
fürstenstraße 131 und 137, NoIIendorfplatz 1 und Derfflinger Straße 8 eine 
Höhe von 16 m zugelassenwerden. Die Gebäude müssen von allen 
Naehbargrenzen einen Abstand von mindestens 6 m halten. Sie dürfen 
außer dem Erdgeschoß nur noch ein Obergeschoß erhalten. Die entgegen 
stehenden Bestimmungen der Bauordnungen vom 15. August 1897 und 
22. August 1898 werden aufgehoben. 
IE ERHALTUNG DER TIERGARTENSTRASSE ALS 
VORNEHME WOHNSTRASSE bezweckt eine Verfügung des 
Berliner Polizeipräsidiums vom n, Dezember 1913, durch die bestimmt 
wird, daß der Fußboden des Erdgeschosses nicht höher als 2 m über der 
Straße liegen darf und im Keller und Dachgeschoß Räume zum dauern 
den Aufenthalt von Menschen nicht angelegt werden dürfen. Diese Ver 
fügung hat der Vereinigung Berliner Architekten zu einer Eingabe an 
das Polizeipräsidium Anlaß gegeben, daß bei der Anlage vornehmer Häuser 
die Eingänge einer besonderen Aufsicht durch den Portier bedürfen, 
dessen Wohnung am zweckentsprechendsten unmittelbar am Eingänge, 
d. h. im Untergeschosse, liegen, muß. Übrigens kommt die Verfügung 
reichlich spät — die Tiergartenstraße ist schon längst zur Verkehrsstraße 
geworden, da es unterlassen wurde, zur rechten Zeit den Kurfürstendamm 
mit dem Stadtkerne durch eine neue Verkehrsstraße zu verbinden. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 31. 
Inseratenannahme Emst Wasmuth A.-G., Berlin W. 8. — Gedruckt bei Herrosl & Ziemsen, G. m. b. H-, Wittenberg. — Klischees von Max Krause, Berlin.
	        
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