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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Die Deutsche Werkbund-Ausstellung in Köln 1914 (Mai bis 
Oktober) wird zeigen, was auf allen Gebieten der Gütererzeugung Schönes 
und Gutes geboten wird: sie wird hoffentlich eine entscheidende Wendung 
in der Entwickelung des Marktes und damit der deutschen Kultur her 
beiführen. 
D as niederrheinische dorf in der kölner 
WERKBUND-AUSSTELLUNG. Es war ein glücklicher 
Gedanke des Landrats von Reumont in Erkelenz, in der Werkbundschau 
auch ein Musterbeispiel moderner ländlicher Kultur zu zeigen. 
Der Werkbund will nicht die alte Kultur nachahmen, sondern aus 
dem Gebiete unserer Zeit neu beleben. In diesem Sinne soll das der 
Ausstellung angegliederte Dorf ein Stück niederrheinischen Bauern 
tums im zwanzigsten Jahrhundert darstellen. Es handelt sich also 
nicht um eine jener romantischen Ausstellungskulissen, wie sie schon so 
oft als „Alt-Leipzig“, als „Alt-Düsseldorf“, als „Thüringisches Dorf“ usw. 
in Holz, Gips und Leinwand aufgebaut worden sind, sondern um einen 
durchaus realen lebendigen Ausschnitt modernen Lebens. 
Keinem Geringeren als dem bekannten Kleinwohnungskünstler Pro 
fessor Georg Metzendorf, dem Erbauer der Margaretenhöhe in Essen 
und der Gartenstadt Hüttenau an der Ruhr, wurde der Entwurf und die 
Bauleitung übertragen. 
Ähnlich wie das gesamte Ausstellungsgelände wird dieser sein letzter 
Abschnitt durch zwei Zugangsstraßen aufgeteilt, deren eine ungefähr 
parallel zum Rhein verläuft. Beide Straßen münden in den von gewich 
tigen Gebäuden eingerahmten Hauptplatz des Dorfes. Aus einem wuch 
tigen, in der Achse der oberen Dorfstraße sich erhebenden Fabrikportal 
heraustretend, betreten wir das Dörfchen. Zu beiden Seiten begleiten 
kleine Bauernhäuser den schmalen Weg, das rechte von Architekt Müller- 
Jena (Köln), das linke von Regierungsbaumeister Becker (Düsseldorf) 
entworfen. Zwischen dem ersteren und einem großen Gehöft hat noch 
ein schlichtes Wohnhaus des Architekten Camillo Friedrich (Köln) 
Platz gefunden, während Metzendorf quer gegenüber eine moderne Lehr 
schmiede hinstellt. Das Gehöft, im Aufträge des Rheinischen Bauern 
vereins nach Entwürfen des Regierungsbaumeisters Speckmann (Köln) 
gebaut, soll einem Ackerbetrieb von etwa 100 Morgen dienen und stellt 
in seiner behäbigen Architektur, mit seinen modernen landwirtschaftlichen 
Einrichtungen und Maschinen, unter denen Musterbeispiele neuzeitlicher 
Milchwirtschaft und Hühnerzucht besonders anziehend zu werden ver 
sprechen, ein praktisch wie ästhetisch vorbildliches Anwesen dar. An dem 
Gehöft vorbei gelangen wir auf den großen Dorfplatz, dessen Mitte 
eine von Professor Metzendorf entworfene reizvolle Brunnenanlage betont. 
Natürlich liegt an der Breitseite das Gasthaus, eine phantasievolle 
Schöpfung des Kölner Architekten Joseph Bransky. „Zum Tanz 
michel“ ist der in romantisch-mittelalterlich stilisierten Formen gehaltene 
Bau genannt, durch deren in derbfarbiger Bemalung lustig prangenden 
Gasträume hindurch man in den zum Rhein abfallenden, von schönen 
alten Bäumen bestandenen Garten kommt. Dann heraus aus dem Tanz 
michel und hinein in die links nebenan von den Architekten Schreider 
und Below (Köln) errichtete Jugendhalle, in der Deutschlands Nach 
wuchs turnend, spielend, Vorträgen lauschend im Sinne einer gesunden 
völkischen Entwicklung hetangebildct werden soll. Die für Stoppen 
berg bestimmte Halle soll dartun, daß ein derartiger Bau schon für 
25 bis 30000 Mk. hergestellt werden kann. Die gegenüberliegende Platz 
seite schließt ein von Regierungsbaumeister Stahl (Düsseldorf) ent 
worfenes Doppelarbeiterhaus ab. Hier zeigen die rheinischen Bau 
beratungsstellen an Beispielen und Gegenbeispielen, wie die Bauweise auf 
dem Lande dank der Einsicht der zuständigen Behörden wieder in glück 
lichere Bahnen gelenkt wird. 
Im Winkel der beiden Dorfstraßen, mit der Hauptfront dem Platz 
zugekehrt, erhebt sich die Dorfkirche, eine Schöpfung der Architekten 
Mattard und Renard (Köln). Das Gotteshaus, wie alle anderen Häuser 
in niederrheinischen Backstein ausgeführt, lehnt sich an überlieferte Stil 
formen an, hat aber deutlich erkennbare moderne Züge. Ein schlichter 
Rasenfriedhof mit malerisch verteilten Steinen und Kreuzen schmiegt 
sich, an der Straße von einer Gräberhalle begrenzt, dem kleinen Gottes 
hause an. Ihm gegenüber erblicken wir das von Metzendorf geschaffene 
Essener Haus, in der äußeren und inneren Gestaltung dem vom Er 
bauer in der Margarete-Krupp-Stiftung entwickelten Typ entsprechend. 
Wir finden hier die gleichen vorbildlichen hygienischen Einrichtungen für 
eine Kleinwohnung, die von der Firma Eick Söhne in Essen ausgeführten 
Möbel sind dieselben wohlfeilen ästhetisch gediegenen Stücke. 
Wir kommen zum Ausgang an der schrägen Straße, der links und 
rechts von einer Weinwirtschaft und einem Kaffeehaus mit alkoholfreien 
Getränken eingefaßt wird, dieses von dem schon erwähnten Müller- 
Jena, jenes vom Architekten Max Stirn (Köln) gebaut. Neben dem 
Weinrestaurant begrenzt den Vorplatz nach dem Rheine zu noch ein 
kleineres Gehöft, als Mittelpunkt einer Ackerwirtschaft von 25 Morgen 
gedacht. Eine Reihe von Bäumen vor diesem Hof wird als freundlicher 
Auftakt die dörfliche Stimmung betonen, die auch im übrigen durch 
Schön verteiltes Grün dem an sich etwas nüchternen Charakter der Ziegel 
steinhäuser gefällige Wirkungen abgewinnen dürfte. 
Otto Albert Schneider, Essen. 
IE DEUTSCHE ABTEILUNG AUF DER BALTISCHEN 
AUSSTELLUNG IN MALMÖ geht ihrer Vollendung ent 
gegen. Der etwa 26000 qm bedeckende deutsche Hauptausstellungspalast 
ist unter Dach und Fach. Hand in Hand damit sind die Arbeiten im 
Innern gegangen. Ähnlich geht es mit der großen eisernen Maschinen 
halle, wo die Montage der Eisenkonstruktion, wie des elektrischen Lauf- 
krans, der den Ausstellern bei dem Aufbau der Maschinen nützliche 
Dienste leisten wird, flott vorangeschritten ist. Die Aussteller sind daher 
in der angenehmen Lage, mit dem Versand ihrer Ausstellungsgegenstände 
schon in der ersten Märzhälfte beginnen zu können. Sie haben also bis 
zum Eröffnungstage — 15. Mai — reichlich Zeit. Das wird um so leichter 
möglich sein, als nicht verabsäumt worden ist, für die Aussteller Trans 
port- und Speditionstarife unter günstigen Bedingungen abzuschließen. 
V IERTER FERIENKURSUS ÜBER VOLKSWIRT 
SCHAFT, STAATSBÜRGERLICHE FORTBILDUNG 
UND REDEKUNST vom 14. bis 19. April 1914 (Osterwoche) in der 
Landwirtschaftlichen Hochschule, Berlin N., Invalidenstraße 42, veranstaltet 
vom Bund Deutscher Bodenreformer (Geschäftsstelle: Berlin NW., Lessing- 
Straße 11). Zum vierten Male veranstaltet der Bund Deutscher Boden 
reformer einen Ferienkursus, Bisher haben über 1300 Personen aus allen 
Gesellschaftskreisen an den Kursen teilgenommen. Die Besucher kamen 
aus mehr als 500 Orten unseres Vaterlandes. Viele Beamte und Lehrer 
sind von ihren Behörden zur Teilnahme an den Kursen beurlaubt worden. 
Etwa 100 Bürgermeister und Gemeindevertreter kamen im Aufträge ihrer 
Gemeinden. Außerdem nahmen noch Studenten, Kaufleute, Redakteure, 
Ingenieure, Vertreter von Gewerkschaften und Genossenschaften in großer 
Zahl an den Kursen teil. 
Bei Ausgestaltung des diesjährigen Kursus ist Rücksicht genommen 
worden auf solche Teilnehmer, die sich im öffentlichen Leben betätigen 
wollen. Dem neutralen Charakter des Bundes Deutscher Bodenreformer 
entsprechend, bleiben alle parteipolitischen und religiösen Fragen vom 
Kursus ausgeschlossen. Wert wird darauf gelegt, daß die Vorträge durch 
aus gemeinverständlich sein werden, 
Außer den Vorträgen und Besichtigungen sind zwanglose gesell 
schaftliche Veranstaltungen vorgesehen, 
Damen und Herren haben Zutritt. Die Mitglieder des Bundes 
Deutscher Bodenreformer und die dem Bunde körperschaftlich ange- 
schlossenen Vereine zahlen nur eine einmalige Einschreibgebühr von 5 Mk. 
Andere Hörer lösen für den ganzen Kursus eine Hörerkarte für 10 Mk. 
Die Einlaßkarten werden gegen Voreinsendung des Betrages oder 
unter Nachnahme versandt. Anmeldungen und Geldsendungen sind an 
den Bund Deutscher Bodenreformer, Berlin NW. 23, Lessingstr. 11, zu 
richten. Die Anmeldungen werden nach dem Tage des Eingangs erledigt 
und im Interesse der Teilnehmer möglichst frühzeitig, spätestens aber 
bis zum 4, Aprü erbeten. 
Die Prospekte sind in jeder Zahl kostenfrei vom Bunde zu beziehen. 
Zimmer von 1 Mk. an werden vermittelt. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 31. 
Inseratenannahme Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W. 8. — Gedruckt bei Herrosä & Ziemsen, G. m. b. H., Wittenberg. — Klischees von Max Krause, Berlin.
	        
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