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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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der Wasserkräfte. Dem dürfen wir nicht mit verschränkten 
Armen Zusehen. Mit der Denkmalpflege gerät der Wasser 
bau am leichtesten in Widerstreit 1. durch seine Hochbauten, 
2. durch seine Brückenbauten, 3. durch die Ausbildung der 
Ufer, 4. durch die Veränderung der Höhe und Breite des 
Wasserspiegels. Für die Hochbauten betonte der Vortragende 
nachdrücklich, daß sie nicht dem Ingenieur, sondern dem 
Architekten anvertraut werden sollten. Für die Brücken 
stellte er den Grundsatz auf, daß Eisen und Stahl die ge 
fährlichsten Feinde des Stadtbildes sind. Durch seine Vor 
schriften über Durchflußbreiten und -höhen, über Pfeiler 
stellung, Höhenlage der Fahrbahn und alle diese zahlenmäßig 
festgestellten Grundlagen bestimmt der Wasserbauer den 
Maßstab und oft auch den Charakter der Brücke. Dieser 
Maßstab gerät oft in Widerspruch mit dem Maßstab, der in 
den Bauten zu beiden Seiten der Brücke gegeben ist, und 
so schädigt die Brücke das alte Stadtbild mehr oder minder, 
wie der Vortragende an den neuen Kölner Brücken darlegte. 
Wir können unsere alten Stadtbilder erhalten, wenn nicht 
der Techniker mit seinen „Errungenschaften“, sondern zuerst 
der Künstler das Wort hat. Erst wenn er gesprochen hat, 
darf dieTechnik ihre Forderungen stellen. In dieser Beziehung 
wies der Vortragende auf den Bau der neuen Friedrich- 
August-Brücke in Dresden und der alten Mainbrücke in 
Frankfurt a. M. hin. Viele andere alte Brücken aber haben 
einen schweren Stand gegenüber der modernen Technik, weil 
sie nicht so im Licht der Öffentlichkeit stehen wie jene. Keine 
alte Brücke dürfte zerstört werden, bevor nicht alle Möglich 
keiten ihrer Erhaltung erschöpfend untersucht sind. 
Noch viel gefährlicher für Stadtbilder und einzelne Bau 
werke sind Veränderungen der Höhenlage des Wasserspiegels, 
Flußkanalisierungen und Veränderungen der Ufer. Bei ein 
seitigem Vorgehen zerstören die Wasserbautechniker oft die 
Wechselwirkung zwischen Stadt und Fluß, die, ursprünglich 
auf wirtschaftlicher oder verkehrstechnischer Grundlage 
ruhend, in unserer Empfindung zu einem einheitlichen Kunst 
werk zusammengewachsen ist. Der Wasserbautechniker 
beruft sich auf die Forderungen bei höchstem Hochwasser, 
aber eine andere Frage ist es, ob man dem Fluß wegen 
der Erhaltung eines Baudenkmals nicht ab und zu etwas 
vorschriftswidriges Verhalten gestatten kann. Darf nicht die 
Flutrinne hier und da eine Ausbauchung erhalten, muß die 
„hochwasserfreie“ Höhe der Straßen genau durchgeführt 
werden, oder kann die Uferstraße nicht auch einmal zugunsten 
eines Baudenkmals gesenkt werden, selbst auf die Gefahr 
hin, daß hier alle zehn Jahre eine Überflutung von wenigen 
Stunden eintritt? Es kann schlechterdings nicht zugegeben 
werden, daß Maßnahmen, die geeignet sind, Baudenkmäler 
auf das schwerste zu schädigen, ganz einseitig vom Stand 
punkt der Technik ohne Berücksichtigung der Forderungen 
der Denkmalpflege festgelegt werden. Daß mit gesundem 
NEUE BÜCHER. 
Besprochen von THEODOR GOECKE, Berlin. 
D ER STÄDTEBAU NACH DEN ERGEBNISSEN DER 
ALLGEMEINEN STÄDTEBAU-AUSSTELLUNG IN 
BERLIN NEBST EINEM ANHANG: „DIE INTERNATIO 
NALE STÄDTEBAU-AUSSTELLUNG IN DÜSSELDORF. 
6oo Wiedergaben des Bilder- und Planmaterials der beiden Ausstellungen. 
Herausgegeben im Aufträge der Arbeitsausschüsse von Dr. Werner Hege- 
Menschenverstand, mit natürlichem Gefühl und vor allem 
mit einem warmen Herzen für unsere Denkmäler da schon 
viel erreicht werden kann, erläuterte der Vortragende weiterhin 
ausführlich an dem Beispiel von Frankfurt a. M., wo es 
gelungen ist, für den Ersatzbau der alten Mainbrücke eine 
steinerne Brücke durchzusetzen und dem Entwurf eine 
Gestalt zu geben, die mit der Umgebung in künstlerischem 
Einklang steht. Auch für die Fuldaregelung in Kassel und 
die alte Donaubrücke in Regensburg sollte nach Ansicht des 
Vortragenden ein Vergleich zwischen den Technikern und 
den Denkmalpflegern möglich sein. 
Zur Anbahnung derartiger Vergleiche forderte der Vor 
tragende, unter Hinweis auf üble Erfahrungen in Preußen 
und Sachsen, es müßte durch Verordnungen festgelegt 
werden, daß die entscheidenden Stellen alle Entwürfe zu 
Wasser- und Brückenbauten den zuständigen Organen der 
Denkmalpflege ohne weiteres zur Begutachtung vorzulegen 
haben. Nur in Bayern ist dies der Fall, in Preußen ver 
sagen die Bestimmungen im Wassergesetz für die Denkmal 
pflege gänzlich, Hessen dagegen besitzt in seinem Denkmal 
schutzgesetz ein ausgezeichnetes Mittel auch gegen Schädi 
gung von Stadtbildern und Baudenkmälern durch den 
Wasserbau. Nicht bloß bei der Prüfung der Entwürfe 
sollten die Denkmalpfleger gehört werden, sondern auch 
bei der Ausführung größerer Wasserbauten, weil hier oft 
ganz unvorhergesehene Dinge entschieden werden müssen. 
Die Denkmalpflege, die leider nicht so volkstümlich ist wie 
der Heimatschutz, muß sich bei allen Verwaltungen und 
ihren Organen immer mehr als ein gleichberechtigter Faktor 
neben der Technik und der Volkswirtschaft durchsetzen. 
Der Redner schloß mit dem Hinweis auf die einseitige 
Ausbildung unserer Techniker auf den Hochschulen und 
befürwortete auch ihre allgemeine Durchbildung; sie werde 
ihn zu unserem Bundesgenossen machen; ein Ingenieur mit 
offenen Augen für die Schönheit unserer Heimat und für 
die Bedeutung unserer Denkmäler werde am besten im 
Einzelfall die Mittel und Wege zeigen können, der Denk 
malpflege zu dienen. Nicht minder werde der Denkmal 
pfleger mit allgemeiner Bildung und weitem Blick für die 
Daseinsbedingungen in ihrer Gesamtheit seine Ideale am 
besten fördern können. 
Oberregierungsrat Dr. Cassimir, München, schloß sich 
in seinem Berichte in den wesentlichen und grundlegenden 
Gesichtspunkten den Ausführungen des Berichterstatters 
Stadtbaurats Schaumann an. Er ergänzt dessen Darlegungen 
noch durch Ausführungen aus zwei Gebieten des Wasser 
baues, bei denen in besonders weitgehendem Maße in die 
bestehenden Verhältnisse der Natur eingegriffen wird, so 
daß hier die Fragen des Heimatschutzes eine äußerst wich 
tige Rolle spielen, es sind dies die Flußregelungen und die 
Ausnützung der Wasserkräfte. (Schluß folgt.) 
mann, Generalsekretär der Städtebau-Ausstellungen ln Berlin und Düssel 
dorf. Zweiter Teil: Verkehrswesen, Freiflächen, Paris, Wien, Budapest, 
München, Köln, London, Stockholm, Chicago, Boston Erweitert durch 
das Material der Städtebau-Ausstellung Düsseldorf 191a. Berlin, Verlag 
Ernst Wasmuth A.-G. 1913.. 
Reichlich spät ist dieser «weite Teil erschienen, so daß er die der
	        
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