Path:
Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
19 
Berghöhe, die noch unbebaut ist. An der Außenkante der Höhen 
platte hat man eine große Hauptstraße gezogen, die oberhalb 
des niedrigen Hauses am Kai durchgesprengt werden soll, 
um sich nach den hinterliegenden Stadtteilen zu erstrecken. 
Der Plan ist jetzt wie folgt gelöst: Die Höhe rechts der 
Kirche ist noch mehr betont worden, damit die Häuser im 
Vordergrund, wie auch das oben bei der Kirche stehende 
Gebäude nebst den neuen danebengestellten zu einem Ganzen 
zusammenwachsen sollen (siehe Abb. a der Tafel 8), 
Der Vordergrund vor der Kirche ist ganz offen gelassen, 
und zwar mit einer niedrigen Arkadenanlage (Abb. b derTafelS). 
Die Kirche ist nämlich in einem Abhang nach hinten 
gestellt, in ihrem untenstehenden Teil verdeckt. Übrigens 
hat man die Gebäude laut besonderer Bestimmungen niedrig 
gebaut. 
Die nächste Höhe weiter links ist für ein zukünftiges 
öffentliches Gebäude Vorbehalten (Abb. d der Tafel 9) und 
der Vordergrund vor den öffentlichen Gebäuden auf der Höhe 
links ist niedrig gehalten (Abb. e der Tafel 9). 
Eine Anzahl von Aussichtsterrassen und Parkanlagen 
mit freien Aussichten über den Stadtkern und ihre Gruppen 
von schönen Inseln sind von der Bebauung ausgenommen. 
Abb. 3. Gesamtansicht mit Nachbarschaft. 
DER BEBAUUNGSPLAN IN STADT UND LAND. 
Von THEODOR GOECKE, Berlin. (Schluß.) 
Der Bebauungsplan, ein etwas schwülstiger Ausdruck für 
Stadt- oder Ortsbauplan, in Österreich Regulierungs- oder 
Verbauungsplan genannt, umfaßt den Stadtgrundriß nebst 
Längennivellements und Querprofilen der Straßenzüge, mit 
Angabe der Entwässerungsanlage sowohl für Verbesserungen 
und Ergänzungen bestehender Städte als auch für Stadt 
erweiterungen. 
Die Bebauungspläne, wie sie in Preußen aufgestellt 
werden, stellen im wesentlichen nur die Besitzverhältnisse 
klar; sie sollen angeben, was zu Straßenland abgetreten 
werden soll, was dem Eigentümer etwa an Straßenland 
zu entschädigen ist und wie weit er die Berechtigung hat 
auf seinem Grundstück zu bauen; eigentlich eine Regelung, 
die den Abschluß der Planungsarbeiten bildet. Dadurch, 
daß viele Städte sich damit begnügen, einen Bebauungsplan 
auf dieser Grundlage festzustellen, machen sie sich große 
Kosten, indem jede Änderung zu einem neuen Feststellungs 
verfahren führt, das Zeit und Geld beansprucht. Ein Ent 
wurf muß vorausgehen — dieser ist die Hauptsache. 
Derartige Bebauungspläne hat der mittelalterliche 
Städtebau nicht gekannt. Zwar sind auch damals Pläne 
aufgestellt worden zur Erbauung der Städte, doch waren 
diese nicht so verbindlich, daß man nicht hätte je nach 
Bedarf davon abweichen können; jede Fluchtlinie ist von 
Fall zu Fall festgestellt und geregelt worden. Weil der 
Grund und Boden im Besitz einer Hand war, war man in 
der Lage, bestimmte Vorschriften machen zu können über 
die Art der Bebauung, wobei der sozialen Gliederung ent 
sprechend gewisse Abstufungen gemacht wurden, denen die 
einzelnen Bevölkerungsschichten zu folgen hatten. Es 
handelte sich damals um Pläne, die die Bebauung zu regeln 
hatten unter Aussparung der Verkehrsräume, allgemein 
ausgedrückt. Wir sind heute nicht mehr in der glücklichen 
Lage, daß wir eine Stadt autbauen können, wie der Architekt 
ein Haus aufbaut. Leider müssen wir uns heute in den 
allermeisten Fällen damit begnügen, einen Stadtgrundriß zu 
entwerfen. Es ist dann Sache der Bauordnungen, gewisser 
maßen als Notbehelf dafür zu sorgen, daß die Bebauung 
innerhalb gewisser Grenzen sich vollzieht, so daß nicht ein 
willkürliches Durcheinander entstehen kann. 
Die Aufstellung des Planes ist Sache der Gemeinde; jedoch 
sind die Gemeinden nicht allgemein dazu verpflichtet, sie be 
gnügen sich oft mit Fluchtlinienplänen von Fall zu Fall, 
wobei die Polzei unter Umständen nachhelfen kann. Dieser 
Mangel äußert sich u. a. darin, daß die Gemeinden die Be 
bauungspläne vielfach durch Unternehmer und Gesellschaften 
aufstellen lassen, wobei sie keine Gewähr erhalten, daß die 
Bebauungspläne in ihrem Interesse aufgestellt werden. Der 
Schematismus, der unseren modernen Städtebau gekenn 
zeichnet hat, ist wohl eine Folge davon, daß man vielfach 
dies Aufstellen von Bebauungsplänen nicht selbst in die 
Hand genommen und sich mit der Feststellung auf Grund 
des Fluchtliniengesetzes begnügt hat, daß man also darauf 
Aerzichtet hat, einen Entwurf vorher aufzustellen, einen 
Entwurf, der, von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus 
gehend, der Stadt zu einem künstlerisch befriedigenden 
Ausdrucke verhelfen soll. Dazu gehört eine gewisse 
räumliche Anschauung, die man nicht von jedermann 
verlangen kann. 
Das nächste beim Entwurf eines Bebauungsplanes ist, 
daß man sich einen Verkehrsplan macht, daß man alle 
vorhandenen Straßen auf ihre Bedeutung ansieht, daß man 
sie in das Netz hineinzieht, daß man sie, wo notwendig, ver 
breitert, daß man sich erst klar macht die Verbindungen 
zwischen der alten Stadt und den einzelnen Dörfern, sowie 
den inneren Verkehr von und zu Eisenbahnen, Wasserstraßen 
und Kanälen. Solche Verkehrsstraßen müssen natürlich den 
höchsten Ansprüchen genügen, die kann man nicht breit
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.