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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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wurde der Kanal aufgefüllt und wurden die meisten Häuser an 
ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgebaut. Das Heben des 
Bodens erforderte auch das Höherlegen eines jeden Hauses, 
eines jeden Bürgersteigs und des Pflasters, schließlich noch 
maliges Pflanzen allen Grüns. Hinter der Seemauer wurde 
so eine 61 m breite Fläche gewonnen, die in Richtung Gal- 
veston-Bucht allmählich abfällt. 
Jetzt wandte die Stadt ihre Aufmerksamkeit ihren 
Verkehrsmitteln mit dem Binnenlande zu. Ein moderner 
Brückenbau mit einem Gleis hatte seit Jahren die Verbindung 
mit der Eisenbahn hergestellt, die ungeheure Mengen Aus 
fuhrwaren aus dem mittleren Mississippi-Gebiet nach Gal- 
veston gebracht hatte. Galveston war der zweitgrößte 
amerikanische Hafen geworden in Hinsicht auf den Wert 
des Ausfuhrgeschäftes, und hatte die größte Baumwollaus- 
fuhr der Welt. Daher war eine Kunststraße zu bauen, koste 
es, was es wolle, denn die Stadt mußte mit dem Wachstum 
des Handels Schritt halten. 181000 Güterwagen fuhren jähr 
lich in Galveston ein, beladen mit den Erzeugnissen der 
amerikanischen Farmen und Wälder, und diese hatten deut 
lich die Unzulässigkeit des alten Holzbaues gezeigt, daher 
beschloß die Grafschaft Galveston die Kunststraße zu bauen. 
Ein 460 m langer Verladekai wurde von Virginia Point 
auf dem Festlande aus in die Bucht hineingebaut. Für die 
die Arbeit verrichtenden Mannschaften waren in Virginia 
Point Vorkehrungen zum Wohnen getroffen. Werkzeug 
hütten und Schmieden, Maschinenwerkstätten und Lager 
häuschen, Betonmischer, Ladebäume und zahlreiche andere 
Arbeitserleichterungen wurden vorgesehen. Die Baugeseil- 
schaft hatte ihr Büro in der Stadt selbst. Millionen Kubik 
meter Holz wurden zum Bau der vorübergehenden Gerüst 
arbeiten, für Bogen, Kastendämme usw. verwendet, Tausende 
Fässer Zement für das ständige Bauwerk verbraucht 
Die Arbeit wurde im Dezember 1909 begonnen, indem 
vorher 250 Arbeiter das Bauen und Versenken der Kasten 
dämme vollendet, um den Zement für jeden Brücken- 
bogenteil des Bauwerks einfüllen zu können. Die Kasten 
dämme wurden auf einem Teil der Mole selbst gebaut, 
wasserdicht gemacht, und allmählich in das Wasser her- 
untergelassen, bis sie auf dem harten Lehmboden bei ge 
wöhnlicher Ebbe in einer Tiefe von 4,88 m ruhten. 
Auf diese Weise wurden 28 Kastenpfeiler hinabgelassen, 
um 28 Bögen zu stützen, von denen jeder 18,29 m Spann 
weite und 2,74 m Höhe hatte. Die 244 m lange Kunststraße 
ist in Fahrrampe, Bogenbrücke und Hebebrücke eingeteilt. 
Sie umfaßt 610 m ungeschützten Fahrweg und 1885 m ge 
schützten Fahrweg. Die Hebebrücke gewährt eine 30,5 m 
breite Wasserstraße. Der Fahrweg ist 46,9 m breit, wovon 
12,2 m Landweg, und hat zwei Stadtbahngleise, nebst Raum 
für noch weitere zwei. Der Teil für die Eisenbahn hat 
drei Gleise, ferner gibt es hier noch Raum für mehr. 
Der Brückenbogenteil ist auf eine Breite von etwa 20 m 
beschränkt und besteht aus 6,7 m Fahrweg, 4,6 m für ein 
Stadtgleis und 8,8 m für ein Doppelgleis der Eisenbahn. 
Der geschützte Fahrweg ist an beiden Seiten durch eine un 
unterbrochene Reihe Zementbetonsäulen geschützt. Schiefe 
Ebenen sind mit 152 mm starken Zementplatten bedeckt. 
Die Gesamtkosten dieser Kunststraße betrugen mehr als 
8400000 Mk., oder annähernd 2775 Mk. für 1 m. 
Hinter der Seemauer wurde eine prächtige 7,25 m lange 
Strandpromenade angelegt, bestehend aus Klinkerziegeln. 
Um ihr Werk zu krönen, errichtete die Stadt noch das 
Hotel Galvez, und zwar an der Stelle, wo einst der Kanal 
für die Bodonhebung sich befand und die Schiffe in das 
Innere der Stadt einfuhren. Das Hotel wurde durch Samm 
lung aus den Mitteln der Bevölkerung zu den Kosten von 
mehr als 3150000 Mk. errichtet. Vier Gesellschaften unter 
schrieben je mit mehr denn 200000 Mk., und hunderte von 
Bürgern unterschrieben Beträge bis zu 400 Mk. herunter, 
Jetzt ist eine Bewegung im Gange, die Seemauer öst 
lich noch zu verlängern, um die Festung des San Jacinto- 
MUitärgebiets an der äußersten östlichen Spitze dieser Insel 
einzuschließen, die votgeschlagene Ausdehnung, um die 
jetzige Mauer mit dem äußersten Nordwesten zu vereinigen. 
Dies würde noch weitere 640 ha Land und 2,4 km Kaifront 
ergeben. 
NEUE VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM 
GEBIETE DER BAUKUNST. 
Besprochen von THEODOR GOECKE, Berlin. 
D IE ARCHITEKTUR DES XX. JAHRHUNDERTS, ZEIT 
SCHRIFT FÜR MODERNE BAUKUNST. Herausgegeben 
von Prof. Dr.-Ing. Hugo Licht, Stadtbaurat a. D. in Leipzig, ioo Blätter 
im Jahr, Preis 40 Mk., für das Ausland 4S Mk. 13. Jahrgang, und 
HARAKTERIST1SCHE DETAILS VON AUSGEFÜHR 
TEN BAUWERKEN mit besonderer Berücksichtigung der von 
Prof. Dr.-Ing. Hugo Licht herausgegebenen „Architektur des XX. Jahr 
hunderts“. 100 Tafeln im Jahr 30 Mk., für das Ausland 36 Mk. Verlag 
von Ernst Wasmuth A.-Q., Berlin W. 8. 
Fallen diese Veröffentlichungen auch nicht unter diejenigen, die dem 
Städtebau gewidmet sind, so bieten sie doch im einzelnen auch dem 
Städtebaukünstler mannigfache Anregungen, wie gerade die mir vorliegen 
den Hefte erkennen lassen. Sie bringen hervorragende Beispiele für die 
Einordnung des Landhauses in die Landschaft, für die Aufstellung der 
Kirche in Verbindung mit dem Pfarrhause, für den wesentlichen Einfluß, 
den Form und Größe des Baublocks sowie der sich daraus ergebende Zu 
schnitt des einzelnen Grundstücks auf die Umbauung dei Blockinnern und 
die Gestaltung der einen Teil der geschlossenen Straßenwand bildenden 
Hausfront sowie auf die Gruppierung der Häuser und die Anlage der Gärten 
bei offener Bauweise üben. Die Ausbildung der Ecken, Erker, Dachfenster 
und turmartige Aufbauten, die Anordnung der Portale Und Schaufenster, der 
Terrassierung und Einfriedigung der Vorgärten, für schmückende Zutaten 
wie Lauben, Brunnen und allerhand Bildwerke, alles Dinge, die das, was 
wir Straflenbild nennen, entstehen helfen, sind vorbildlich vertreten. Die 
Ausstattung entspricht den besten Überlieferungen des Hauses Wasmuth. 
Beiträge zur Bauwissenschaft, herausgegeben von Cor 
nelius Gurlitt, Heft 20: 
D R.-ING. CHRISTOPH KLAIBER, DIE GRUNDRISS 
BILDUNG DER DEUTSCHEN STADT IM MITTEL- 
ALTER unter besonderer Berücksichtigung der Schwäbischen Lande. 
Von der Königl. Technischen Hochschule in Stuttgart genehmigte Doktor 
dissertation, Verlag vpn Emst Wasmuth A.-O., Berlin 1912,
	        
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