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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 11.1914 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
114 
WETTBEWERB/ENTWVRF FVR PEN BAV DtJ RAI/ER FRANZ JO/EF /FAPTMV/EVA\/ IN WIEN . KENNWORT: PLATZGE/TALTVNG: 
Abb. 3. Architekten: Hofmann und Tranquillini, Wien, 
auf einen Denkmalbrunnen und die Statue der Vindobona 
zum künstlerischen Vollbild gesättigt. Zuletzt aber bestimmen 
die Verhältnisse den Akkord. Bei 50000 qm Fläche, etwas 
kleiner als der Rathausplatz, zum Teil durch robustes Über 
greifen auf nichtstädtischen Grund erreicht, umschlossen 
von viergeschossigen, gleich hohen Miethäusern, erfordert 
der Platz einen monumentalen Kernbau, der sich namentlich 
auch durch seine Höhe behaupten muß. 
Auf der vollen Erwägung dieser Maße beruht die Ein 
stellung und Abmessung von Wagners Museum. Wiewohl 
sein Künstlertum im Empire wurzelt, entwickelt sich das 
räumliche Totalbild aus Elementen, die in ihrer Verwandt 
schaft mit den besten Epochen des neueren, monumentalen 
Städtebaues, Renaissance und Barock, die edle Gedanken 
richtung des Meisters bekunden, wie sie in ihrer neuartigen 
und ungewöhnlichen Verbindung die selbständige Kraft des 
Urhebers dartun. Die erstrebte geschlossene Ruhe des Platzes 
kommt mit der theoretisch gestellten und praktisch erfüllten 
Forderung der Renaissanceanlagen überein, die Verknüpfung 
von Platz und senkrechter Mittenstraße mit der Blüte des 
römischen Barock. Aber während hier die unmittelbare 
Einmündung der Straße eine bewegte, über die Platzwände 
hinauswachsende Raumwirkung erzielt, wird in Wagners 
Anlage die Feststraße zwar dem Gesamtbilde gewonnen; 
aber durch ihre Gabelung für die Geschlossenheit des Platzes 
unschädlich gemacht. Trotzdem bleiben bei so viel Vor 
zügen wesentliche Mängel der Situation auch in diesem 
Entwürfe noch bestehen: die abgetrennte Aufmarschstraße 
mit ihrer klar und ausschließlich auf den Verkehr gestellten 
Anfgabe und ihrer damit unvereinbaren äußerlichen Ge 
staltung als Fest- und Hauptzugangsstraße, die Aufnahme der 
Sorbaitstraße als tat 
sächlichen Hauptweg, 
dem doch wieder in 
der nach dem Stadt 
kern führenden, sack 
artig endenden Fort 
setzung der Kandl- 
gasse die organische 
Bindung mit dem 
übrigen Stadtbilde und 
dieVerknüpfung durch 
die Fernwirkung fehlt. 
Aber man hätte Wag 
ner nur mehr Be 
wegungsfreiheit geben 
müssen. 
Schon die Schöp 
fung des Situations 
bildes wird man als 
eine neuartig groß 
städtische bezeichnen 
müssen, — kaum eine 
wienerische, wie ja in 
Wagners Entwürfen 
der Geist des Örtlichen 
weit weniger wirksam 
ist als der des Kosmo 
politisch - Modernen. 
Aber man geht in Wien 
mit diesem Worte et 
was gedankenlos um; 
des Wiener Meisters persönliches Werk hätte ein Stück 
Wien werden müssen, weil es eine Stilkraft rein verkörpert, 
die hier in ihrer Zeit eine Äußerung des örtlichen Kulturlebens 
bedeutete. Wäre Wagner eine unfügsame Individualität, man 
könnte seiner Darstellung im Stadbilde das Recht verweigern, 
aber er ist eine Bewegung, die vor allem hier den Anspruch 
auf breitesten Spielraum hatte, sich frei auszuleben und 
verkörpern zu dürfen. 
Die Situationsentwürfe der übrigen preisgekrönten Be 
werber bewegen sich fast ausschließlich im Rahmen barocker 
Grundgedanken. Nicht der streng gefaßte Raum, sondern seine 
ausflutende Bewegung ist ihr Ziel, die jeweilige Gestaltung 
geboten vom Grundrisse des kerngebenden Bauwerkes, das 
allseits frei gestellt und in seiner kubischen Wirkung hervor 
gehoben erscheint. 
Im Einzelnen sind namentlich die unsymmetrischen, 
wechselvollen Raumbilder bezeichnend, mit denen sich der 
Hauptbau in seiner Nähe umgibt, und die ganz offenbar den 
architektonischen Grundgedanken malerisch abwandeln 
sollen, — ein Zugeständnis an die wienerische Forderung, das 
die monumentale Einheit vielfach schädigt. Einen prächtigen 
Platzentwurf, den seine ungewöhnliche Weiträumigkeit kenn 
zeichnet, gibt Ludwig Baumann, der die Zugangsstraße zum 
kurzen Stumpf gekürzt und in das Ziel des langgestreckten, 
von dem Galeriegebäude flankierten Rechteckes das Museum 
stellt, das mit zunehmender Tiefe den Anblich staffelartig 
schließt — rechts davon ein rhombischer Seitenplatz mit 
Gartenanlagen und Architekturen. Ihm zunächst verwandt 
der Entwurf von Lehrmann und Walter, aber mehr aufs 
Verschmälerte und die Längsrichtung eingestellt, die Zugangs 
straße ein Stück weiter geführt und dem Musealbau allseitige
	        
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