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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Das Preisgericht, dem neben Herrn Gregor Dubelir, Professor für 
Eisenbahn- Und Straßenbau am Kaiserlichen • Polytechnischen Institute in 
Kiew, und Herrn B. Jung, Architekt für Städtebau in Helsinfors, als aus 
wärtige Sachverständige Herr Dr.-Ing. J. Stübben, Geheimer Oberbaurat 
in Berlin-Grunewald, und der Herausgeber unserer Zeitschrift, Professor 
Theodor Goecke, angehört haben, hat diesem mit dem Schild des revalschen 
Wappens gekennzeichneten Entwurf, als dessen Verfasser Herr Eüel 
Saarinen, Architekt in Helsingfors, ermittelt wurde, einstimmig den 
f, preis zuerkannt, Ebenso einstimmig mußte das Preisgericht drei andere 
Entwürfe von der Beurteilung ausscheiden, weil sie nicht die Anforde 
rungen des Programms erfüllten. Auch der letzte Entwurf war in formaler 
Hinsicht nicht ganz einwandfrei, zeigte jedoch einige gute Einzelheiten, 
so daß er der Stadtgemeinde zum Ankauf empfohlen werden konnte. 
Saarinen ist der Gewinner des II. Preises im Wettbewerbe um den 
Plan für die neue Hauptstadt von Australien, worüber in der nächsten 
Nummer berichtet werden soll. Seinen Revaler Plan hoffen wir dem 
nächst veröffentlichen zu können. 
D er erste internationale städtekongress 
(Städtebau und Städteleben) findet gelegentlich der Weltausstellung 
in Gent zu Ende Juli des Jahres statt. Das Programm verspricht dem 
Städtebauer Bericht über die Art, wie z. neue Stadtteile auzulegen und 
2. alte Teile des Stadtinnern zu erhalten oder umzubauen sind. Die Be 
richte erstrecken sich im einzelnen zu i. über die systematische Erweiterung 
der Stadt, die verschiedenen Straßentypen, die bei der Bebauung herzu- 
stellenden Räume, die Aufstellung öffentlicher Gebäude, die Wohnhaus 
bebauung und ihre architektonische Ausgestaltung, die Verkehrsmittel, Er 
weiterung der Stadt in Geschäfts-, Wohn-, Fabrik- und Arbeiterviertel 
usw. die verschiedenen Arten der Stadtanlagen, wie Gartenstädte, Industrie- 
und Badestädte usw. Ferner zu i. über die Bewältigung der Verkehrs 
anforderungen, Verbreiterung von Straßen, Durchbrüche usw., die Stellung 
neuer und die Wiederherstellung alter Denkmäler, über Öffentliche Galerien, 
bedeckte Passagen und Bürgersteige, Säulen zur Regelung des Verkehrs, 
Straßenbahnen, Untergrund- und Hochbahnen usw. 
Anmeldungen sind zu richten an das Zcntralbureau der internationalen 
Vereinigungen, Rue de le Rdgence 3 bis, Bruxelles. 
AUSSTELLUNG ALT- UND NEU-KÖLN. Bei Eröffnung 
A dieser Ausstellung führte der Oberbürgermeister Wallraf unter 
anderem folgendes aus: 
Wie Köln geworden und was es ist, soll diese Ausstellung sinnfällig 
vor Augen führen. Früher habe ich einmal gesagt; „Kölns Eigenart be 
steht in der Berührung neuzeitlicher Entwicklung mit uralter Ge 
schichte. Diese Entwicklung zu fördern und dabei die Spuren einer 
großen Vergangenheit zu pflegen, ist die Pflicht der Stadtverwaltung.“ 
Den Beweis für unsern Willen, jener Mahnung zu folgen, bietet die 
Ausstellung „Alt- und Neu-Köln“. Wenn Sie die Säle der Halle 
durchwandern, so Anden Sie zunächst ein Bild des altrömischen Cöln, 
auf den Hügeln über dem Rheine wehrhaft erbaut; Sie sehen in gleicher 
Art die mittelalterliche Stadt mit ihrem Kranz von Zinnen und Türmen, 
mit dem Schmuck der Weingärten, die sich weit über heut längst bebaute 
Flächen dehnten. Und wenn wir beim römischen Köln mehr auf An 
nahmen und wissenschaftlich gestützte Vermutungen angewiesen waren, 
das Bild des mittelalterlichen Köln ist auf Grund der alten Pläne und 
Schreinsbücher entstanden und daher ein plastisches Geschichtswerk von 
zuverlässiger Treue. Als Zeugen großer Vergangenheit grüßen die Banner 
der alten Stadt, ihre Preiheitsbriefe, manche Schätze von Bibliothek und 
Archiv, darüber die Bilder der Männer, die die Zügel des Gemeinwesens 
im Wechsel der Zeiten geführt haben. Auf der geschichtlichen Ent 
wicklung baut sich die moderne Großstadt auf. Wie der Bannkreis der 
Stadt sich dehnte, wie die Bebauung zunahm, das städtische Eigentum 
wuchs, wie die Stadt ihren Aufgaben gerecht zu werden sucht auf dem 
schier unabsehbaren Gebiete eines neuzeitlichen großen Gemeinwesens, 
alles das finden sie dargestellt oder angedeutet in Plänen, Modellen und 
statistischen Zeichnungen, bei welch letzteren allerdings mehr der Wunsch 
nach Deutlichkeit als nach künstlerischer Vollendung maßgebend war. So 
gibt die Ausstellung in knappem Rahmen ein Bild von dem, was aus der 
alten Colonia Agrippinensis dank der Kraft ihrer Bürger bis zum heutigen 
Tage geworden ist. 
OOZIALE STUDIENREISE NACH ENGLAND. Wie seit 
vier Jahren, so veranstaltet die Deutsche’Gärtenstadt-Gesellschaft auch im 
August dieses Jahres wieder eine Studienreise nach England, dem Musterlande 
des Einfamilienhauses und der Gartenstadtbewegung. Die steigende Teil 
nahme, die die Öffentlichkeit der Gartenstadt- und Kleinhausfrage entgegen 
bringt, die starke Beteiligung an der vorjährigen Studienreise lassen auch 
in diesem Jahre das Zustandekommen des Unternehmens erwarten. Er 
kennen doch die städtischen und staatlichen Behörden immer mehr die 
Bedeutung einer großzügigen Bodenpolitik und Landerschließung im 
Sinne der Gartenstadtbewegung, und mehren sich doch die Anzeichen 
dafür, daß auch die Baufachkreise in der Förderung des Kleinhauses mit 
Garten den richtigen Weg von der heutigen engen und hohen Bebauung 
zu einer vernünftigen, gesunden und schönen Überbauung sehen. Diese 
Tatsache kam auf den früheren Reisen bereits durch eine besonders 
starke Beteiligung aus Baufach- und Architektenkreisen, sowie aus Ver 
tretern staatlicher und städtischer Verwaltungen zum Ausdruck, wozu sich 
stets noch eine starke Zahl aus allgemein sozial sich betätigenden 
Kreisen gesellte. Die Studienreise, die bei elftägiger Dauer 300 Mk. 
kosten wird, wird außer London hauptsächlich die alte malerische Stadt 
York im Norden Englands, Liverpool und Birmingham berühren und die 
Teilnehmer neben dem Studium der Wohnungs- und Dezentralisations 
frage auch mit dem englischen Leben (Stadt und Land, Kunst und 
sociale Einrichtungen usw.) bekannt machen. — Programme versendet die 
Geschäftsstelle, Berlin-Schlachtensee (Fernsprecher No. 999). 
NTERNATIONALE STÄDTE-AUSSTELLUNG, LYON 
1914. Dem Stadtrat von Lyon liegt zurzeit ein Antrag des Bürger 
meisters auf Veranstaltung einer „Internationalen Städte-Aus- 
stellung“ in Lyon im Jahre 1914 vor. Wie die „Ständige Ausstellungs- 
kommission für die Deutsche Industrie“ bekanntgibt, soll die Veranstaltung 
sämtliche öffentliche Einrichtungen umfassen, insbesondere die Fragen 
der Versorgung mit Lebensmitteln und deren Überwachung, des Kinder- 
schutzes, der Krankenfürsorge, der Bekämpfung von Epidemien sowie 
Fragen der Hygiene überhaupt, der Wasserversorgung, der Müllabfuhr, 
dann des Unterrichts, der Armenunterstützung usw. Als Ausstellungsräume 
sollen die ausgedehnten Bauten des neuen städtischen Schlachthauses, die 
ihrer Vollendung entgegen, dienen, bevor sie ihrer eigentlichen Be 
stimmung übergeben werden. 
er Stadtrat von Preiburg i. Br. hat beschlossen, nach dem Vorbild 
der bereits erbauten KLEINWOHNUNGSBAUTEN alsbald 
weitere Häuser auf städtische Kosten herstellen zu lassen. Ferner erklärte 
sich der Stadtrat bereit, einen für das Kleinwohnungswesen sich bildenden 
Baugesellschaft billiges Baugelände zu stellen und auf diese Weise ihre 
Bestrebungen zu unterstützen. E. 
TÄDTEB1LDUNG IM RUHRKOHLENGEBIET. Die 
außerordentlich starke Entwicklung der Eisen- und Kohlenindustrie 
begünstigt das Wachstum der Bevölkerung auf dem platten Lande, wenn 
dieser landläufige Ausdruck überhaupt noch angängig ist, in außergewöhn 
lichem Maße. Typisch in dieser Beziehung ist Hamborn, das in einem 
Zeitraum von etwa fünf Jahren von 35000 auf mehr als 100000 Einwohner 
anwuchs, und das noch Landgemeinde war, als sein Standesamt den 
100000. Einwohner eintrug. Nachdem dann vor einiger Zelt Buer mit 
seinen 60000 Seelen die Städterechte erhielt, ist nun über Nacht auch 
die industriestarke Landgemeinde Sterkrade mit ihren 40000 Einwohnern 
zur Stadt geworden. Auch die beiden rasch vorwärtsstrebenden Industrie 
gemeinden Bottrop und Gladbeck, die heute je annähernd 60000 Einwohner 
zählen, haben beschlossen, bei der Regierung die Verleihung der Stadt- 
rechte zu beantragen. Dieser Wachstum der Industrie und der Bevölkerung 
hat auf die Bodenwerte im Ruhrkohlenrevier einen ungeahnten Einfluß 
ausgeübt. Der unbebaute Grund und Boden, soweit er sich noch im 
Dienste der Landwirtschaft befindet, ist im Preise ganz fabelhaft, durch 
schnittlich um das 10- bis aofache und stellenweise noch weit höher ge 
stiegen, und tagtäglich sind Fälle zu verzeichnen, in denen für kleine 
Bauernhöfe, die noch vqr 10 bis 15 lahren mit 15 — 20000 Mk. bewertet 
wurden, heute mehr als 1 Million Mark gezahlt werden. Erst vor kurzem 
hat die bei Essen gelegene Gemeinde Rotthausen zur baulichen Er 
schließung einen größeren Bauernhof, der vor 15 Jahren mit 12000 Mk. 
zu Buch stand, zum Preise von 1400000 Mk. erworben. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 35. 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W. 66, — Gedruckt bei Hcrrosc & Ziemsen, G, tn, b. H„ Wittenberg, — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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