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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Abb. i. Der Große Platz in Brünn: Äußeres Aussehen vor 
dem Durchbruch. Im Hintergründe die Jakobskirche, 
Abb, 2, Der Große Platz nach dem Durchbruch. 
Seite ist die Begrenzung des Platzes ganz niedergelegt, und 
wir schauen eben über einen Bauzaun hinweg auf kahle 
Brandmauern, 
Ein versöhnendes Moment bietet uns aber wenigstens 
immer noch der Blick nach Westen auf das ganz mit der 
Kirche zusammengebaute alte Landhaus, von dem aus man 
zu dem Kreuzgang der Kirche gelangen kann. Es zeigt 
eine in den klassischsten Verhältnissen und Formen auf 
geführte Fassade, 
Eines sehr bedauerlichen Umstandes muß noch Er 
wähnung getan werden. An der Stelle C stand eine inter 
essante alte Kapelle mit schönen gotischen Maßwerken. Sie 
war vor 1297 erbaut und Cyrill- und Methudkirche genannt. 
Sie stellte einen in Südböhmen und Mähren heimischen Typus 
zweischiffiger einsäuliger kirchlicher Bauten dar und zeich 
nete sich durch Eigenartigkeit, schöne Gliederung und gute 
Einzelheiten aus. Trotz des von berufenster Seite erhobenen 
Einspruchs und trotzdem sie noch nicht baufällig war, wurde 
sie vor wenigen Jahren abgebrochen. 
Es war der Vorschlag gemacht worden, die Kapelle, 
die bisher als Speicherraum gedient hatte, zu schonen und 
zu Museumszwecken zu verwenden, ferner nach Abreißen 
der alten Nonnenhauskaserne D die Bauflucht dort etwas 
zurückzusetzen, um einen größeren Teil der schönen Land 
hausfassade bloßzulegen und den Eingang zu der engen 
Nonnengasse zwischen dem neuen Baublock und dem alten 
Abb. 3. Der Große Platz heute. Am Ende des Durchblicks 
das Deutsche Haus. 
Abb. 4. Der Lazanskyplatz. Blick gegen die Statthalterei. 
Links die St. Thomaskirche. Vorn ein Brunnen, der jetzt 
entfernt ist. 
Landhaus zu überbauen. Wäre dieser Vorschlag zur Aus 
führung gekommen, so hätte man damit eine sehr gute und 
interessante Platzwirkung geschaffen. Da in dem alten 
Landhaus schon ein Museum untergebracht ist, so wäre die 
Verwendung der alten Kapelle sowie gegebenenfalls auch 
des zu errichtenden Neubaus zu einer Erweiterung ganz am 
Platze gewesen. 
Im folgenden sehen wir ein Beispiel einer ringsum ziem 
lich eng von Gebäuden eingeschlossenen Kirche (Abb. a und e, 
Tafel 29). Es ist der sehr hoch gelegene Dom St. Peter und 
Paul, Vom Krautmarkt her, von Nordosten kommend, 
steigen wir die schmale, steile Domstiege hinan, ohne von 
dem Bauwerk selbst etwas zu sehen. Unser Gefühl der 
Erwartung wird noch erhöht, wenn wir die Treppe er 
reichen, die, oben durch zwei Figuren bekrönt, zu dem 
Fuße der Kirche führt. Überraschend steigt diese nun erst 
allmählich vor uns auf, in ihrer Größe wachsend. Durch 
ihre enge Umgebung erscheint sie uns ihren Abmessungen 
nach noch viel bedeutender, als sie ist. 
Dabei müssen wir uns den Dom in früherer Gestalt 
denken, wie ihn die nach einem alten Bilde hergestellte 
Abb. e zeigt. Die neuere Zeit hat auch an diesem Bau 
werk ihre in künstlerischen Fragen so unglückliche Hand 
betätigen müssen, um es zu „verbessern“. Kaum glaublich, 
aber leider wahr, die schöne historisch überlieferte Barock 
fassade wurde vor einer Reihe von Jahren niedergerissen
	        
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