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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Bl 
können, glaube ich, darstellen zu müssen; besondere Kosten 
wird diese Fassadenbildung nicht verursachen. Die Er 
haltung des Portals und Erkers vom jetzigen Gebäude ist, 
soviel ich höre, zu berücksichtigen; von berufener Seite 
wird nahegelegt, das Portal an der Mauer des Friedhofs 
in der Nähe des anstoßenden alten Gymnasiums unterzu 
bringen, ich meinerseits würde dann vorschlagen, den Erker 
mit dem jetzt vorhandenen Giebel an dem alten Gymnasium 
selbst in der Friedhofsecke anzubringen, wo sie ohne Störung 
für den Gesamteindruck des alten Baues sich sehr wohl reiz 
voll würde einfügen lassen. Freilich hat die Errichtung des 
Portals auch zur notwendigen Folge eine Fortführung der 
Gebäudedurchfahrt über den Hof hinaus bis auf den Friedhof; 
es würde damit ein Durchgang von der Bautzner Straße über 
das Grundstück geschaffen werden, nur für Fußgänger, um 
nicht die Ruhe des Friedhofwinkels zu gefährden. Übrigens 
ist bei einer Grundrißlösung, wie ich sie wählte, eine ge 
meinsame Verwendung der anschließenden Räume im alten 
Gymnasium vorkommendenfalls leicht herbeizuführen. Die 
Anlage bietet den Vorteil, daß sie erstehen kann jederzeit 
ohne Rücksicht auf die Anlieger und die damit im Zusammen 
hang zu erwägende weitere Ausgestaltung der Bautzner 
Straße. Würde man das Dornspachsche Haus unabhängig 
davon abreißen und einen Neubau in den gezognen Grenzen 
«rrichten, dann werden Mietsräume in einem dem Bedürfnis 
vorgreifenden Maße nicht geschaffen, was zu befürchten ist, 
wenn die gesamte Anlage bis zur Oberlausitzer Bank in 
dem gleichen Zeitraum ganz einheitlich ersteht, eine Maß 
nahme, die zu befürchten gibt, daß andere Hausbesitzer 
und Steuerzahler durch die bessere Geschäftslage an der 
Bautzner Straße, und zwar durch die Stadt selbst benach 
teiligt werden. 
In verschiedenen Äußerungen über meinen Plan, das 
Dornspachsche Haus, begegne ich dem Einwande, daß vor 
erst ein Urteil darüber fehlt, ob der an der Johanniskirche 
gegebene Maßstab für meine Fassadenmaße entsprechend 
gewürdigt worden ist. Abgesehen davon, daß ich bereits 
darauf hinwies, daß die Maße des Neubaues selbstredend 
erheblich hinter denen der Kirche Zurückbleiben müssen, 
gebe ich doch zu berücksichtigen, daß der Turm der Kirche 
bis zur Brüstung oberhalb des dritten Gurtsimses auf meinem 
Gesamtbild, und zwar in den richtigen Verhältnissen als 
Maßstab eben zum Neubau erscheint, wenn auch nur in 
einer kleinen Fläche. Ein Bild, das den Kirchenbau völlig 
einbegreift, ist von der Weberstraße aus möglich; etwa in 
einem Abstand von 110 bis 130 m von der Kirchenfront 
entfernt erscheint die Kirche dem Auge in ihrer ganzen 
Bildfläche. Dort aber wird wegen der Überschneidungen 
der Zugang zur Bautzner Straße am Neubau nicht mehr zu 
sehen sein. Aber auch vom Markt her könnte es einen 
Punkt geben, der genügend entfernt ist, um jedem Beschauer 
das entsprechende Bild mit der vollen Vertikalen der Kirche 
zu zeigen; dort aber werden schon wieder die umgebenden 
Baumassen der Häuser an dem Bilde mitwirken in der 
selben Weise, wie sie es heute tun. Ich meine nun, es 
kommt nicht so sehr darauf an, ob die Maße der Kirche 
berücksichtigt sind, eben weil sie sich an keinem Punkte 
ganz ohne weiteres neben dem Neubau entfalten werden; 
es kommt vielmehr darauf an, ob die Bildiläche des be 
stehenden Hauses sich mit derjenigen deckt oder annähernd 
deckt, die sich ergibt, wenn man die Fläche des Neubaues 
vom gleichen Standpunkte aus in diese perspektivisch 
hineinprojiziert. Geschieht das in dem in Frage kommenden 
Abstande von 10 m — um soviel soll der Neubau gegen 
die bestehende Bauflucht zurücktreten —, dann zeigt sich, 
daß die neue Fläche die perspektivischen Grenzen der 
alten nicht überschreitet, und das scheint mir die Ge 
währ dafür, daß im Verhältnis zur Kirche ein wesentlich 
das Gesamtbild verändernder Faktor nicht eingeschaltet 
wird. Ein die wuchtigen Maße der Kirche günstig beein 
flussendes Bild wird in der Weberstraße sich durch den 
genannten Abstand ergeben, die äußerste Kante des nörd 
lichen Turmes wird sich völlig frei von den umgebenden 
Häusern loslösen, und man wird daneben einen freien Blick 
über den Friedhofplatz hinweg auf die Häuser an der 
Johannisstraße haben. 
DER SCHUTZ KÜNSTLERISCH (UND GESCHICHT 
LICH) BEDEUTSAMER STRASSEN UND PLÄTZE 
IN ALT- UND NEUSTADT AUF GRUND DER VER 
UNSTALTUNGSGESETZE. 
Von Gerichtsassessor F. LANDWEHR in Köln. (Schluß.) 
Der künstlerische Wert, der die Schutzbedürftigkeit 
neuer Plätze rechtfertigt, kann genau, wie bei den Straßen, 
in ihrer planmäßigen Anlage liegen, in welchem Fall das 
eben Gesagte auf sie Anwendung findet* Wie aber, wenn 
die ästhetische Bedeutung eines Platzes in Beziehungen oder 
Verbindungen gedacht ist, in die er zu einem an ihm ge 
planten Gebäude treten soll? Hier würde allerdings zur 
Begründung der Schutzberechtigung das Gebäude zugleich 
mit der Anlegung des Platzes errichtet werden müssen; 
ebenso wie ein Platz vor der Gestattung des Anbaues an 
ihn dann in gewisser Weise fertig hergestellt sein müßte, 
wenn sein künstlerischer Wert in seiner gärtnerischen Aus^ 
gestaltung liegen sollte. Hier ist aber zu bedenken, daß 
(wie oben mehrfach betont) die Elemente, von denen der 
künstlerische Wert eines Platzes abhängt, nie ausschließlich 
in ihm selbst gefunden werden können, so daß die beiden 
erwähnten Möglichkeiten nur dann eintreten, wenn von 
einem derartigen Platz die bauliche Aufschließung eines
	        
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