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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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einmal steht, nicht mehr zu verhandeln. Aber für uns 
handelt es sich nun darum, den neuen Mittelpunkt zum 
eigentlichen Mittelpunkt zu schaffen, d. h, ihn in den Ver 
kehr einzuschließen, und auf Tafel 27 soll ein Vorschlag 
unterbreitet werden, wie durch geringe Änderung der 
Straßenführung der Verkehr dem neuen Kiel zugeführt und 
das neue Rathaus zur Dominante des neuen Stadtmittel 
punktes herausgehoben wird. 
Vor allem muß damit gerechnet werden, daß der neue 
Rathausplatz mit der alten Hauptstraße der Holstenstraße 
in Verbindung gebracht wird; dies geschieht durch Er 
weiterung der Holstenbrücke. Die dort stehende Baumreihe 
soll erhalten werden und anknüpfen an den Baumbestand 
rings um den Kleinen Kiel. Den Durchgangsverkehr wird 
in Zukunft die neu durchzuführende Straße Mühlenbach und 
Aus den „Zittauer Nachrichten“: 
DAS DORNSPACHSCHE 
BREITERUNG DER BAI 
IN ZITTAU. Hierzu Tafel 28. 
Von ALFRED BUDDEBERG, Architekt in Berlin. 
Der gewaltigen Entwicklung unserer Städte in der Neuzeit 
muß manches alte Bauwerk zum Opfer fallen, das Jahr 
hunderte überdauerte und infolge der mit ihm verknüpften 
ehrwürdigen historischen Erinnerungen wohl Anspruch auf 
eine liebevolle und dauernde Erhaltung hätte. In Zittau 
gehört dazu zweifellos das Haus des ehemaligen verdienten 
Zittauer Bürgermeisters von Dornspach. Einem barbarischen 
Wüsten in den alten Baudenkmälern der Städte hat ja die 
Heimatschutzbewegung erfreulicherweise einen Riegel vor 
geschoben. Aber die Bedenken gegen die Niederlegung eines 
solchen alten Gebäudes müssen schwinden, wenn Lebens 
interessen des neuzeitlichen Verkehrs in Frage kommen. 
Das trifft nun leider auch auf das Dornspachsche Haus zu. 
Die geplante Erweiterung der Bautzner Straße wird für 
Zittau eine immer dringendere, denn sie kann in ihrer 
jetzigen Enge den immer wachsenden Verkehr vom Bahn 
hofe her nicht mehr aufnehmen, ohne daß dabei die Sicher 
heit der Fußgänger und Fuhrwerke gefährdet wird. Die 
Bautzner Straße bildet den Hauptzugang zu unserer Stadt. 
Ihre Verbreiterung ist aber nach den vorliegenden Plänen 
unmöglich, ohne daß ihr auch das Dornspachsche Haus 
in seiner jetzigen Gestalt zum Opfer fallt. Ein Plan, 
der sich mit der Umgestaltung der Ecke des Dornspach- 
schen Hauses beschäftigt, darf daher ohne weiteres das 
öffentliche Interesse in Anspruch nehmen. Die Pläne zu 
einem solchen Projekt sind von Herrn Regierungsbaumeister 
a. D. Alfred Buddeberg ausgearbeitet. Es ist ein großes 
Torgebäude, das an die Stelle des Dornspachschen Hauses 
treten soll, das sich in seinem ganzen Charakter der Um 
gebung harmonisch einzugliedem sucht. Herr Regierungs 
baumeister Buddeberg schreibt uns dazu; 
„Die den Johannisfriedhof abschließende Mauer des 
Grundstücks mit den Grabsteinen denke ich mir völlig 
unberührt erhalten; der zu errichtende Neubau soll dahinter 
Martensdamm aufnehmen, und um nun den durch die Zu 
sammenführung der verschiedenen Straßen entstehenden 
Platz als solchen zu gestalten und mit dem neuen Rathaus 
markt in einen organischen Zusammenhang zu bringen, war 
es notwendig, ihn zu einem viereckigen Platz zu erweitern 
mit einem Pavillon an der Wasserseite. Dieser Pavillon mit 
anschließender Ballusterbrüstung und kleinemDenkmal gegen 
die Holstenbrücke gibt dem Blick von der Holstenbrücke 
aus gegen das Wasser mit den dahinter durchscheinenden 
Häuserreihen der Neustadt eine feste Linie und bringt die 
große Wasserfläche in eine architektonische Beziehung zu 
den Straßen, Plätzen und Gebäuden. So erhalten wir nicht 
nur in verkehrstechnischer Beziehung eine einwandfreie 
Straßenführung zum neuen Stadtteil Kiels, sondern auch einen 
am Verkehr liegenden, aber ruhigen Rathausmarkt. 
HAUS UND DIE VER- 
TZNER STRASSE 
erstehen, doch so, daß der die Mauer überragende Teil eine 
in sich geschlossene Anlage gegen den Friedhof zeigt, die, 
in mäßiger Höhe geschaffen, den geschlossenen Charakter 
des Friedhofplatzes wirksam unterstützt. Der anschließende 
Bauteil mit dem Zugang und der Treppe zum Hauptgebäude 
sucht die Vermittelung dieses Baukörpers mit dem Hauptbau, 
der seinerseits den Verkehrs- und Geschäftscharakter der 
ansteigenden Bautzner Straße betonen soll und die Umrißlinie 
eines Torgebäudes erhält. In der am Johannisplatze gedachten 
offenen Halle sehe ich ein taugliches Mittel zur Vermeidung 
einer aufdringlichen Schaufensteranlage, die als durch Mauer 
pfeiler ungestörte einheitliche Fläche in diese Halle zurück 
gedrängt ist und als ungeteiltes Schaufenster sich in deren 
ganzer Länge erstreckt. Durch eine Kaffeewirtschaft würde 
eine nutzbringende Verwendung dieser Halle gegeben sein, da 
sie sich scharf gegen Süden richtet, sich also zur Aufstellung 
von Tischen und Stühlen eignet. Der über der Halle ge 
legene Saal wird selbstverständlich auch für andere Zwecke 
als für Kunstausstellungen geeignet sein, man denke an 
volksbildende Vorträge oder dergleichen oder an die er 
weiterten Zwecke der jetzt dort befindlichen Volksbibliothek. 
Ganz besonders wirksam denke ich mir bei künstlicher 
Beleuchtung diesen Bauteil; er wird neben der wuchtigen 
Baumasse der dunklen Kirchenfront einen festlichen Ein 
druck machen, ohne deren Ernst zu gefährden, denn die 
Maße des Neubaues müssen ganz erheblich hinter denen 
der Kirche Zurückbleiben. Der an der Bautzner Straße ge 
dachte Baukörper ist wiederum seinen Zwecken für Läden 
und Wohnungen entsprechend frei entwickelt und findet seinen 
harmonischen Übergang zu dem Hauptgebäude am Platze 
durch die Fassadengestaltung im dritten Wohngeschoß und 
dem sich in das Gesamtbild einfügenden Dache. Daß auch 
bei Gestaltung des Hofes die verschiedenen Firsthöhen der 
Dächer des Neubaues zu einer reizvollen Lösung verhelfen
	        
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