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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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allee) würden durch Erstehung von öffentlichen Gebäuden 
dem ganzen einen wirkungsvollen Abschluß verleihen. Ein 
städtisches Schwimmbad auf dem Gelände zwischen Riehen- 
ring, Riehenstraße und Steinerstraße wie es die Studie zeigt, 
entspricht vielseitigem Wunsche, da ein solches in Basel mit 
einer Einwohnerzahl von 140000 bis heute leider nicht vor 
handen. Durch vorgelagerte Geschäfts- und Wohnhaus 
bauten am Marktplatz und Riehenring ließe sich die Ver 
wertung des Geländes besser ermöglichen, und für eine 
spätere Erweiterung wäre genügend Spielraum, Das Volks 
haus als Gegengewicht des Schwimmbades ist ebenfalls eine 
Notwendigkeit und würde sich vorzüglich als Abschluß 
dieser Platzseite eignen. Für reichliche Bemessung der 
Spielplätze, in Anbetracht der vielen Kinder dieses Viertels, 
sollte die Regierung ein wohlwollendes Entgegenkommen 
zeigen. Es würde zu weit führen, nähere Einzelheiten der 
Bebauung zu erklären. 
Nur sei noch erwähnt, daß vor allem das ganze alte 
Gelände samt Anhang von Riehen- bis Oetlinger Straße 
niedergelegt werden muß. Man wird vielleicht auf die Er 
fahrungen und greifbaren Beispiele dieser Art Basels hin 
weisen; die Ursachen liegen leider in einer mangelhaften 
Programmbestimmung solcher Bebauungspläne. Man stelle 
sich nur die unerläßlichen Straßendurchbrüche vor: Clara 
straße-Rosentalstraße, Klingentalstraße-Bleicheweg und ver 
längerte Fcldbergstraße. Was bleibt noch übrig? Nichts 
als mit Plakatwänden umzäunte Ruinen, und diese will 
man dann für einige Franken vermieten, unbekümmert des 
unästhetischen Eindrucks auf Einwohner und Fremde, ln 
einem sorgfältig studierten Programm für einen Wettbewerb 
müßte die Regierung sich über ihre Ansichten betreffs Be 
bauung und Stellung von öffentlichen Gebäuden bestimmt 
äußern. Hier wäre einmal Gelegenheit gegeben, für diesen 
Stadtteil Basels, welcher von jeher etwas stiefmütterlich be 
handelt wurde, ein Wahrzeichen und bleibende wirtschaft 
liche Werte zu schaffen. Die Einwohner und vor allem der 
Geschäftsmann in dieser Lage muß mit aller Tatkraft für ein 
klares großzügiges Programm mit bestimmten Bebauungs- 
fristenund für Niederlegungder alten Gebäulichkeiteneintreten. 
Sonst besteht in Kleinbasel trotz Wettbewerbs, auf Jahrzehnte 
noch ein papierener Marktplatz, und auf den Ruinen blüht 
die bekannte Verschleppungspolitik (wie beim' Museum). 
ZUR GARTENSTADTBEWEGUNG. 
Von Dipl.-Ing. WEHL, Hermsdorf bei Berlin. 
Über die Frage „Mietskaserne oder Kleinhaus“ ist nach 
gerade so viel an unfruchtbarer Kritik und Literatur geliefert 
worden, daß ich mir erlauben möchte, unter besonderer 
Berücksichtigung der Groß-Berliner Verhältnisse einige 
Leitsätze aus meiner Praxis aufzustellen, um deren Wider 
legung ich — ebenfalls aus der Praxis! — bitte. Es sollte 
mich freuen, wenn es endlich gelingen möchte, in der Stadt 
und vor den Toren hinreichende und billige Wohngelegen- 
heiten zu schaffen: 
1. In den für Mietshäuser mit Kleinwohnungen bestimm 
ten neuerschlossenen Vierteln bewegen sich die Bodenpreise 
zwischen 70 Mk. und höchstens 100 Mk. für 1 qm geregelten 
Baulandes. 
2. Den Hauptanteil an diesem Preise tragen die Regelungs 
kosten. Es folgen die Erwerbsunkosten und der Erwerbspreis 
als preisbildende Faktoren. Der Verdienst des Erschließenden 
ist sehr geringfügig, langfristig, mit hohem Risiko verbunden, 
und bedarf der relativ höchsten Kapitalien von allen Erwerbs 
unternehmungen. Die Bodengesellschaften stehen mit ihren 
durchschnittlichen Gewinnen an letzter Stelle. 
3. Die Baukosten betragen bei dem großen Mietshaus© 
das Drei- bis Fünffache des Boden wertes, Die wesentliche 
Bedeutung des Bodenwertes liegt bei diesem Bausystem in 
der absoluten Höhe der Baustellenpreise (60—100000 Mk. für 
die normale Baustelle). Bei einer Zimmermiete von 260 Mk. 
entfallt auf den Bodenwert nur ein Anteil von 30 bis 40 Mk. 
4. Die Baukosten stellen sich für 1 Kubikmeter Luftraum 
in dem mit größeren Zimmerhöhen rechnenden, großen 
Mietshause billiger als im Kleinhause. 
5. Die durchschnittlichen Wohnungsverhältnisse Groß- 
Berlins sind hinsichtlich der gesundheitlichen Vorzüge und 
Preiswürdigkeit allen anderen Großstädten nicht nur gleich 
wertig, sondern überlegen. Das schließt nicht aus, weitere 
Verbesserungen anzustreben. 
6. Quergebäude, Seitenflügel und Hinterhäuser sind die 
Folge verfehlter Parzellierung aus älterer Zeit, und neuer 
dings vornehmlich des durch die Grundwertsteuer bedingten 
Zwanges auf äußerste Ausnutzung der Bodenfläche. Hier 
durch wurden in Verbindung mit der Bauordnung un 
erfreuliche Wohnverhältnisse notgedrungen geschaffen. 
7. In den unmodern gewordenen alten Wohnvierteln 
sind, wie Eberstadt zuerst gezeigt hat, in der Regel die 
billigsten Wohnungen zu finden, und zwar auch dann 
noch, wenn dort der Bodenpreis schon ein recht hoher ge 
worden ist. Die Besitzer solcher Häuser haben schwer zu 
kämpfen und gehen häufig an ihnen zugrunde. 
8. Es ist unzutreffend, daß zu teure Bodenpreise die 
Errichtung von Gartenstädten bei Berlin hindern. Im Gebiete 
der niedrigeren Bauklassen und in guter Verkehrslage, ver 
sehen mit allen Kulturerfordernissen, haben wir große 
Gebiete zum Preise von etwa 6 Mk. für 1 qm geregelten 
Nettobaulandes, auf denen viele Hunderttausende in 
weiträumigen Kleinsiedelungen untergebracht werden könn 
ten. Ich verweise auf die amtlichen Auskünfte der Gemein 
den im Anhang der „Denkschrift zur Verbesserung der 
Bauordnung für die Berliner Vororte“, (Arch. Aussch. 
Groß-Berlin, Burgverlag.) Auch im Erbbaurecht dürfte 
besonders da Gelände zu haben sein, wo die Eigentümer 
ertraglosen Landes durch die Grundwertsteuer, erdrosselt 
werden. 
9. Die Feinde der Gartenstadtsiedelungen sind die Ge 
meinden, welche sich aus antisozialen oder steuerlichen 
Gründen dagegen stemmen, und — äußerlich harmlos — 
durch willkürliche hohe Straßenbauforderungen ihren Wider 
stand kund tun. Das neue Wohnungsgesetz wird hier 
hoffentlich Wandel schaffen. Erbbaurecht ist den Gemein 
den durch Ausfall der Umsatzsteuer wenig sympatisch. 
10. Wenn noch weitere baupolizeiliche Erleichterungen,
	        
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