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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Cambridge-Brücke. Sie hat drei Fahrdämme. Der mittlere 
dient der neuerbauten Schnellbahn Parkstation (Stadtmitte) 
—Cambridge. Diese Bahn ist in den Stadtbezirken als 
Untergrundbahn geführt. Sie tritt aber am Charles River 
an die Straßenoberfläche und wird auf den Brückenrampen 
und der Brücke als Hochbahn geführt. Die beiden anderen 
Fahrdämme dienen dem Fußgänger-, Wagen- und Straßen 
bahnverkehr. Den Brückenanschluß auf der Seite der Stadt 
Boston zeigt die Abb. b, Tafel 49. (Aufgenommen von Punkt a 
des Textbildes 1.) Den Blick von der Brücke auf die südliche 
Uferpromenade gibt die Abb, c wieder. Die zweite weiter 
westlich gelegene Brücke für Wagen, Straßenbahn und Fuß 
gänger ist die Havard-Brücke. Abb. d ist das Bild der 
südlichen Uferpromenade von dieser Brücke aus. Der 
Charles River schlängelt sich im gewundenen Lauf durch 
die Vorstädte von Boston, zahlreiche Brücken stellen die 
Verbindung unter den einzelnen Ortschaften her. Man ist 
bemüht, die Ufer möglichst als Park oder Gartengelände 
zu erhalten (vgl. Abb. e), und die Brückenbauwerke in die 
Landschaft einzufügen (Abb. f). Die gesamte Anlage hat 
rund 18000000 Mk. gekostet. 
Middlesex Fells-Reservation. 
Von dem großen Waldbezirke hat der Parkverband in 
den letzten Jahren die Middlesex Fells-Reservation mit seiner 
besonderen Fürsorge bedacht. Der Sonderplan Tafel 50 stellt 
die Waldfläche in ihrem ganzen Umfange dar. Das Gebiet 
weist Erhebungen bis zu 100 m auf. 
In der Mitte des Forstes liegt ein ausgedehnter See, der 
als Wasserbehälter benutzt wird. Um seine Leistungsfähig 
keit zu erhöhen, hat es sich als zweckmäßig herausgestellt, 
den Wasserspiegel um einige Fuß höher zu legen. Diese Maß 
nahme hätte aber eine eigentliche Schädigung des Baum 
und Pflanzenbestandes und eine Vernichtung des Landschafts 
bildes zur Folge haben können. Darum hat man erst ein 
Gutachten bei den Gebr. Olmsted, den künstlerischen Be 
ratern des Verbandes, eingefordert. Nachdem sie nachge 
wiesen haben, daß die beabsichtigte Maßnahme keine Zer 
störung des Landschaftsbildes, sondern vielleicht sogar eine 
Verschönung herbeiführen wird, hat man die Anstauung 
des Sees vorgenommen. 
Zur Steigerung des Besuches hat der Parkverband Wege- 
und Fußpfade angelegt, wie sie auf dem Plane zu erkennen 
sind, Erholungs- und Unterkunftshütten, Aussichtstürme und 
Bedürfnisanstalten erbaut. 
Das beste Mittel zur Hebung des Besuches ist zweifel 
los die Verkehrsverbindung. Sie erfolgt auch hier in be 
achtenswerter Weise. Die Hauptzubringerlinie ist die 
Bostoner Straßenbahn. Sie hat eine Linie im Betrieb, die 
vom Sullivan Square als Flachbahn bis in den Park führt. 
Der Sullivan Square ist einer jener Umsteigebahnhöfe in 
Boston, von denen gelegentlich der Tunnelpläne der Großen 
Berliner Straßenbahn gesprochen ist. 
Auf ihnen findet ein Übergang von der Hochbahn auf 
die Straßenbahn statt, derart, daß die Straßenbahnwagen 
an derselben Bahnsteigplattform halten, auf der die Hoch 
bahnzüge eintrefEen. Es ist demnach möglich, bei Benutzung 
dieser Verkehrseinrichtungen von jedem Punkt in der Stadt 
für 5 Cents — eine Fahrpreisnachzahlung findet nicht statt, 
weil das Umsteigen stets innerhalb der Sperren erfolgt — 
bis zum Middlesex Fells-Reservation zu gelangen. 
ln dem Parkgelände wird die Bahn auf eigenem Bahn 
körper hinter Waldungen versteckt geführt, dort wo sie 
Wege schneidet, wird sie auf Brücken darüber hinweg 
geleitet. An einer Stelle, wo sich ein schöner Ausblick 
bietet, hat man die Bahn über eine Lichtung geführt und 
auf einem leicht gehaltenen Eisenbeton-Viadukt verlegt 
(Abb. g, Tafel 51). Die Wege sind vorläufig noch mit leichter 
Deckung versehen und werden jetzt schrittweise für den 
Automobilverkehr mit bituminöser Befestigung ausgebaut 
werden. Nur die Hauptwege im Zuge der Einfallstraßen 
sind heute schon staubfrei gedeckt worden. Ein Blick auf 
eine der Hauptzuführungsstraßen aus dem Tale des Mystic- 
flusses von Westen kommend zeigt die Abb, h. 
In ganz ähnlicher Weise sind auch die übrigen Wald 
gebiete hergerichtet worden. Zum Schutze der Bevölkerung 
und Aufrechterhaltung der Ordnung sind Polizeistationen 
verteilt. Die Unterhaltung, Pflege und Ausschmückung der 
Wälder erfolgt von Verwaltungsgebäuden aus, die inmitten 
des Parkes unauffällig angelegt sind. 
Zur Beseitigung der Papier- und Müllreste ist eine Ver 
brennungsanstalt erbaut, und zur unschädlichen Beseitigung 
der Fäkalien sind in den Blauen Bergen Reinigungsanlagen 
angelegt. Es sei hier erwähnt, daß die Erhaltung der Wälder 
in den letzten Jahren große Mühen und ein planmäßiges 
Vorgehen verlangt hat, weil eine Schmetterlingsart (Gipsy- 
mooth) sich eingenistet und große Schäden verursacht hat. 
Es ist aber gelungen, die Schädlinge fast vollkommen aus 
zurotten. 
In den Parkanlagen befinden sich Bedürfnisanstalten 
(Abb, i zeigt ein Gebäude dieser Art in den Blauen Bergen) 
und Erfrischungshallen (Abb. k). Der Pfadfinder-Verein 
und der Verein der Zeitungsjungen Bostons haben Unter 
kunftshäuser in Verbindung mit Spielplätzen aufführen lassen. 
Es wird auf diese Weise den jungen Leuten ermöglicht, schon 
am Abend vor dem Feiertage oder dienstfreien Tage die 
Wälder aufzusuchen und den folgenden Tag voll auszunutzen. 
Das ist eine beachtenswerte Einrichtung, die man für Groß- 
Berlin auch empfehlen kann. Zum Teil hat sie bei unseren 
Rudersportvereinen schon Eingang gefunden. Wenn aber 
erst das Tempelhofer Feld, die Charlottenburger Exerzier 
plätze und manche anderen Freiflächen bebaut sein werden, 
werden auch unsere Sportvereine in die weitere Umgebung 
Berlins wandern müssen. Dann wird es sich für sie wohl 
auch nützlich erweisen, um den Tag ausnutzen zu können, 
sich schon am Vorabend an ihre Spielplätze zu begeben, 
um die kostbare Zeit der frühen Morgenstunde nicht auf der 
Bahnfahrt zu verlieren. 
Anlagen am Meeresufer. 
Das heiße Sommerklima in den amerikanischen Städten 
— Boston liegt ungefähr auf derselben geographischen Breite 
wie Rom — ist nur durch die Nähe des Meeres erträglich. 
Dorthin strömen nachmittags und Feiertags alle Bevölkerungs 
massen, die sich einen Aufenthalt im Gebirge oder Seebade 
nicht leisten können. Wie schon erwähnt, verfugt der Park 
zweckverband jetzt über 20 km Uferflächen, die er im Laufe 
der Jahre erworben und für den öffentlichen Gebrauch 
schrittweise aufgebaut hat. Diese Ufer werden, soweit sie 
dem Wellenangriff ausgesetzt sind, mit Schutzbauten ver 
sehen. Die Vorderflächen werden für Promenadenwege und 
Fahrstraßen hergerichtet, die Landseite mit Parkanlagen und 
gärtnerischen Schmuck versehen. Größere Strecken sind 
als Badestrand ausgewiesen. Die Badehäuser sind hier in
	        
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