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Volume H. 8

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 10.1913 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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weil die Gebäudefront hinter der Vorderkante der vor 
gesehenen Säulenhallen immer noch angemessen Zu 
rückbleiben würde. 
Es dürfte zweckmäßig sein, die für den Bühnenbetrieb 
nötigen Kessel- und Maschinenräume nicht in unmittelbarer 
Verbindung mit dem Theatergebäude auszuführen; viel 
mehr scheint eine Fernheizung ähnlich wie bei dem 
Reichstagshaus und anderen Monumentalbauten (Dresden) 
wünschenswert. 
Die nötigen Dekorationsspeicher können entweder auf 
dem hinteren Teile des Bismarckplatzes rechts und links 
vom Bühnenhaus angeordnet werden, wo hierfür reichlich 
Platz vorhanden ist, oder, falls man es vorziehen sollte, 
diese Teile für gärtnerische Anlagen freizuhalten, auf irgend 
einem anderen Grundstück und mit dem Opernhaus durch 
eine elektrisch betriebene unterirdische Lastenbahn ver 
bunden werden. 
Von Bedeutung dürfte es ferner sein, daß bei Wahl des 
Bismarckplatzes die großen Kosten für die Erwerbung des 
Grund und Bodens fortfallen und dann das Krollsche Ge 
lände für den Neubau eines Kriegsministeriums oder für ein 
ähnliches Gebäude frei wird, das seiner Bedeutung für das 
Deutsche Reich entsprechend viel eher gleichwertig mit 
dem Reichstagsgebäude ausgebildet werden kann, als der 
Bau eines Hoftheaters. Es erscheint zweifellos, daß nach 
Erbauung eines entsprechend monumentalen Gebäudes 
gegenüber dem Reichstagsgebäude, nach Errichtung des 
Königlichen Opernhauses am nördlichen Teile des Platzes 
und nach Verringerung der jetzigen Platzfläche durch Her 
stellung geeigneter- Hallen, die unter Umständen zur Auf 
stellung von Denkmälern hervorragender Männer benutzt 
werden könnten, die umliegenden Gebäude mit dem Königs 
platz selbst ein harmonisches Ganze von monumentaler 
Wirkung bilden würden. Nur das Roondenkmal müßte 
dann versetzt werden, wozu sich verschiedene Möglichkeiten 
bieten, wie auf dem Lageplane zu ersehen ist. 
BEITRÄGE ZUR BEZEICHNUNG 
DER STRASSEN. 
i. VERSUCH ZUR GEWINNUNG EINER METHODE DER STRASSENBENENNUNG. 
Von Pipl.-Ing. EHLGÖTZ, Mannheim. 
Die Stadt Mannheim hat in den letzten Jahren größere 
Baugebiete erschlossen. Zur Gewinnung einer Methode für 
die Benennung dieser Stadtteile, ihrer Straßen und Plätze 
haben im Aufträge des Stadtrats Professor Dr. Walter und 
Direktor Dr. Wiehert versucht, Grundsätze aufzustellen. 
Die Ausführungen zerfallen in einen allgemeinen und 
einen praktischen Teil. Letzterer befaßt sich mit der An 
wendung der Methode auf Mannheim; hier geht uns nur der 
erstere an. 
Ortsnamen wie Straßennamen sind ursprünglich durch 
Volkstaufe entstanden. Es ist die dichterische, wenn auch 
vielleicht unbewußte Tätigkeit irgend einer Gemeinschaft, der 
sie in allmälichem und von Auswahlgesetzen bestimmtem 
Wachstum ihr Dasein verdanken, Volksliedern vergleichbar. 
Heutzutage tritt an Stelle der dichterischen Tätigkeit 
des Volkes die Namengebung durch behördlichen Beschluß. 
Soll diese Namengebung volkstümliche Wirkung besitzen, 
so muß sie in ihrem Ergebnisse ungefähr dem entsprechen, 
was das Volk in dem betreffenden Falle gefunden haben 
würde. Der Zweck des Namens ist vor allen Dingen ein 
rein praktischer, nämlich der, ein Einzelwesen, in diesem 
Falle die Straße oder den Platz von andern als Begriff unter 
scheidbar zu machen. Daneben kann man mit der Namen 
gebung, indem man menschliche Eigennamen auf Straßen 
überträgt, die Ehrung einer um das Vaterland oder die Stadt 
verdienten Persönlichkeit verbinden. 
Außer dem praktischen Zweck der Namengebung ist der 
ästhetische zu berücksichtigen. Klang und Bild des Namens, 
wenn er gut gewählt ist, verbinden sich mit der äußeren 
Erscheinung der Straße zu einem unlöslichen Ganzen. Je 
eigenartiger diese Verbindung ist, desto lebendiger wird die 
Erscheinung bei Nennung des Namens. Die Namengebung 
ist so ein Hilfsmittel zur Erhöhung der Wirkungskraft einer 
Stadterscheinung und hat die selbständige Aufgabe, die 
Individualität der Straße zu steigern. 
Unter den Taufarten ist diejenige die am wenigsten ver 
feinerte, welche jede Straße nach freier Willkür benennt, 
und die Namen über die Stadt ausstreut, wie sie gerade 
fallen. 
In dem Augenblick aber, wo man sich anschickt, metho 
disch einen großen Straßenbereich zu taufen, ergibt sich 
als logische Folgerung, daß man gut tut, die ganze Masse 
der Straßen in größere Gruppen (Stadtteile) zu teilen. Solche 
Gruppen erhalten dann eine einheitliche Namengebung und 
sind als Taufbezirke zu bezeichnen. Man legt auf diese Weise 
Komponistenviertel, Malerviertel, Dichterviertel, Blumen 
viertel usw. fest. Solche Taufbezirke ermöglichen die rasche 
Auffindbarkeit der Straßen und die leichte Einprägung der 
Straßennamen; dabei erhöhen sie die Eigenart eines Stadt 
viertels und fördern den Eindruck der klaren Gestaltung des 
gesamten Stadtbildes. Die Größe eines Taufbezirkes wird 
durch die Grundrißgestalt des betreffenden Wohngebietes 
bestimmt. Durch den Verlauf der Hauptverkehrsstraßen, 
durch öffentliche Plätze, Parkanlagen usw. erhalten die 
Taufbezirke ihre natürliche Begrenzung. 
Die Einteilung der Straßennamen in Gattungen bietet 
außerordentliche Schwierigkeiten, weil die Mannigfaltigkeit 
der Namen so groß ist, und die scharfe Abgrenzung der 
Gattungen unmöglich wird, wenn man sich mit allzuwenig 
Unterscheidungen begnügen will. Man kann folgende neun 
Taufgattungen unterscheiden, welche ihrerseits in zwei 
Hauptabteilungen und drei Unterabteilungen zerfallen.
	        
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