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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 9.1912 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Ermächtigung zur zwangsweisen Ausführung 
der Bebauungspläne. 
Die verantwortliche Behörde kann zu jeder Zeit, nach 
dem die vorgesehene Benachrichtigung erfolgt ist und in 
Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Planes 
a) Jedes Gebäude oder andere Bauwerk innerhalb des 
vom Bebauungspläne umfaßten Geländes entfernen, 
niederreißen oder verändern, welches den Bebauungs 
plan zu behindern geeignet ist oder bei dessen Aus 
führung oder Errichtung irgendwelche Bestimmungen 
des Planes nichterfüllt worden sind oder 
b) jedes Bauwerk ausführen, welches auszuführen auf 
Grund des Planes die Pflicht irgendeiner Person wäre 
in jedem Falle, wo nach Maßgabe der Behörde ein 
Aufschub in der Ausführung dieses Bauwerkes die 
wirksame Ausführung des Planes behindern würde. 
Alle Ausgaben, die der verantwortlichen Behörde aus 
diesem Grunde erwachsen, können von der sachfalligen 
Person in solcher Weise und unter solchen Bedingungen 
eingehoben werden, wie dies im Plane vorgesehen ist. 
Wenn es fraglich erscheint, ob ein Gebäude oder Bau 
werk einen Bebauungsplan behindert oder ob irgendeine 
Bestimmung eines Bebauungsplanes durch die Errichtung 
oder Ausführung eines Gebäudes oder Bauwerkes nicht 
erfüllt erscheint, so wird diese Frage dem Ministerium 
vorgelegt und, woferne die Beteiligten nicht anderweitii 
übereingekommen sind, von dem Ministerium als Schieds 
richter entschieden. Die Entscheidung des Ministeriums 
ist endgültig und bindend für alle Teile. (Schluß folgt.) 
MITTEILUNG. 
Die Erläuterung zu den Tafeln 21 und aa folgt in nächster Nummer. Auf den Tafeln 23 und 24 werden zwei als schön bekannte Straßen 
bilder beigegeben. >. 
NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 
Wir bitten um gefällige Zusendung aller einschlägigen neuen 
Bücher und Schriften, die wir unter dieser Übersicht regelmäßig an- 
zeigen werden; wir übernehmen aber keine Verpflichtung zur Be 
sprechung und Rücksendung. 
TTTELTVERKEHR UND WELTWIRTSCHAFT. Monats- 
* * schrift für Wissenschaft und Politik des Weltverkehrs und der 
Weltwirtschaft. Herausgegeben von Dr. Richard Hennig. Verlag von 
Wilhelm Süßerott, Berlin W 30. Preis 18 Mk. 
Der Plan eines Rhcin-Maas-Kanals wird im neuesten Januarheft der 
Monatsschrift „Weltverkehr und Weltwirtschaft“ in einem Aufsatz be 
handelt, der von Max Roeder in Aachen stammt. Der Gedanke, den 
Rhein und die Maas durch einen Kanal zu verbinden, ist schon nahezu 
2000 Jahre alt, da sich bereits unter Kaiser Claudius der römische Feld 
herr Corbulo damit trug. Später kam Karl der Große auf den gleichen 
Gedanken, In der Spanierzeit ging man 1626 sogar daran, einen Kanal 
von Rheinsberg nach Venlo wirklich zu graben; doch gediehen die Arbeiten 
in den kriegerischen Wirren der Zeit nicht weit. 1764 wurde der Plan 
aufs neue aufgenommen, ohne daß jedoch die Verwirklichung Fortschritte 
gemacht hätte; selbst das Machtwort eines Napoleon, der am 28. Juli 1803 
die Herstellung des Kanals anordnete, und zwar in der Führung von 
Grimlinghausen bei Neuß Uber Viersen nach Venlo, konnte dem Gedanken 
nicht zum Siege verhelfen, denn nachdem 1809 mit dem Kanalbau begonnen 
war, vereitelte Napoleons Sturz die Fertigstellung, nachdem zwei Drittel 
des „Napoleon-Kanals“ mit einem Kostenaufwand von 4 Millionen Franken 
bereits fertiggestellt waren. Seit der Neugründung des Deutschen Reiches 
ist der Plan des Rhein-Maas-Kanals, dem ein Mann wie Bismarck mit 
größter Sympathie gegenüberstand, kaum je wieder zur Ruhe gekommen. 
Erst im letzten Jahr nahm aber die Bewegung für das wirtschaftlich wert 
volle Unternehmen größeren Umfang an. Vor allem infolge zweier Aachener 
Veröffentlichungen von Dr. Leo Vossen und Albert Schneiders. Der letzt 
genannte Architekt hat die technische Seite des Planes gründlichst studiert. 
Über das Ergebnis seiner Forschungen und seine praktischen Vorschläge 
erstattet nun der Aufsatz im „Weltverkehr“ eingehend Bericht, Der 
Roedersche Aufsatz legt noch dar, daß die Schaffung des Kanals eine 
„volkswirtschaftliche und nationale Tat“ wäre. Das Januarheft enthält 
auch sonst noch wertvolle Anregungen in einem Aufsatz über eine deutsche 
Rheinmündung von Dr. Reichert-Duisburg, einer Studie über die Pflege 
des Weltverkehrs an den deutschen Hochschulen vom Herausgeber 
Dr. Hennig, und einer sehr gründlichen Arbeit Uber das Verkehrswesen der 
Türkei von F. Meinhard-Sofia. 
N 
ummer 22 der Mitteilungen der ZENTRALSTELLE FÜR 
WOHNUNGSREFORM IN ÖSTERREICH enthält drei 
Aufsätze, welche die Bedeutung der Dezembergesetze für den Klein- 
wohnnngsbau behandeln. Der erste Artikel aus der Feder des ehemaligen 
Finanzministers Exzellenz Dr. Robert Meyer bespricht die „Drei Gesetze 
vom 28. Dezember 1911“ und legt die Fortschritte dar, welche diese Ge 
setze für die Wohnungsreform bedeuten. Im zweiten Artikel sucht Reichs 
ratsabgeordneter Dr. Adolf Groß, der Berichterstatter des Teuerungs 
ausschusses im Abgeordnetenhause, die wirtschaftliche und finanzielle 
Wirkung der Gebäudesteuernovelle nachzuweisen. In dem dritten Aufsatze 
wird die Bedeutung dieser Novelle für die Wohnungszinse insbesondere in 
Wien behandelt. Im Anschlüsse daran folgen das Gebührenbegünstigungs 
gesetz und das Ergänzungagesetz zum Wohnungsfürsorgefonds im 
Wortlaute. Dann folgen noch Berichte Uber die Erste österreichische 
Wohnungskonferenz und den nachher abgehaltenen Ersten österreichischen 
Baugenossenschaftstag, sowie Uber die Tätigkeit der Zentralstelle für 
Wohnungsreform zur Herstellung von Notstandsbauten in Wien. 
I m Selbstverläge der Zentralstelle für Wqhnungsreform in Österreich, 
Wien I„ Stubenring 8—10, ist der Bericht über die Erste, zu Wien 
am 25. und 26. November 1911 abgehaltene ÖSTERREICHISCHE 
WOHNUNGSKONFERENZ erschienen. (Preis 3.— Kr.) Der 
Bericht bringt eine vollständige Niederschrift der Konferenzverhandlungen, 
auf deren Tagesordnung bekanntlich das Thema „Der Wohnungsfürsorge- 
fonds in seinen Beziehungen zu den Gemeinden, Kreditinstituten und 
Genossenschaften“ stand. 
Am 1. Februar 1912 ist die neue BAUORDNUNG FÜR DEN 
REGIERUNGSBEZIRK TRIER erlassen und als Zeitpunkt 
ihres Inkrafttretens der 1. April 1912 festgesetzt. Die bisherige Bauordnung 
vom 4. Mai zgoi stellte die erste einheitliche Zusammenfassung der bis 
dahin im Regierungsbezirke Trier vereinzelt erlassenen örtlichen bau- 
rechtlichen Vorschriften dar. Die schnelle und vielseitige wirtschaftliche 
Entwicklung des Regierungsbezirks, welche sich auch im Bauwesen aus- 
drückte, machte eine Neugestaltung des Baurechts erforderlich, als deren 
erstes Ergebnis die neue Bauordnung für die Stadt Trier und deren Vor
	        
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