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Full text : Städtebau (Public Domain) Ausgabe 9.1912 (Public Domain)

Mönche jetzt das hohe Pathos der griechischcn Tragödie gewälllt, U11l
un~er Fest würdig einzuleiten, und da habe freilich wohl die alte Re-
gel sancti Franei~ci (»der Minorit toll nit studir ,,) geändert werden
müssen; denn olme eifriges Studium sei eine solche Aufführung' nicht
möglich. "Gnd in ähnlicher Weise habe der Lauf der Zeit Aenderungen
auch sonst herbeigeführt. "Aber", fuhr der Redner fort, "indem ich
meinen Satz schon als bewiesen betrachten will, fällt mir ein, dass in
einem sehr wichtigen Punkte doch gar keine Vcränderung der Zeifen
zu spüren bt: Ja, meine Herrcn, es wird bei. unserm heutigen Feste
noch eben so viel und eben so gut getrunken wie vor dreihundert JahreI!.
Aber die unveränderte Gleichheit der Zeitcn auf dicsem Gebiet sWf,;t
meinen Satz nicht um. Denn das Trinken ist eben mit einem Ausdruck
Kauts einfach als ein "Postulat der praktischen Vernunftcc zu bezeichnen,
dessen Nothwendigkeit für alle 'Wesen unsres Planeten jederzeit aner-
kannt wonlen ist, und ich führe Ihnen dafür einen altcn würdige'n
Gewährsmann an, aber nicht, wie Sie vielleicht denken, Lessing, Mühler,
Goethe oder Schiller; mein Gewähmnann ist \'iel älter; es ist, glaube
ich, ein :liter Mönch, der da singt:
Libit ille, bibit illa,
bibit ~erYu~ cum ancilla,
Libit abba~ CUlll priore,
hibit custos cum pa~tore.
Hier muss ich für diejenigen, die lange Zeit nicht philologi>chcn Studil'l\
obgelegen haben. erklären, dass der letzte Vers natürlich zu übersetzcn
ist: » es trinkt der Wächter mit dem Hirten", und "der Wächter c, i,;t
hier wohl der Name des Hundes, der mit dem Hirten aus .derselben
Quelle trinkt. Es könnte sonst vielleicht jemand übersetzen: "es trinkt
der Küster mit dem Pastor" und mir zürnend zurufen: »Schon wirder
ein Hieb auf die P:lstoren '1" und ich könnte in den Verdacht kommeIl ,
als zweifelte ich an der Wahrheit des gestern vom Generalsuperintenden-
ten Dr. Brückner ausgesprochenen, von uns mit Beifall aufgenomnH'n('n
Satzes: )ldas Kloster kennt keinen Kampf mit seiner Kirche!" - Al~o
getrunken wird heut wie damals, daran i"t nichts zu ändern, denn "ein
gutes ~efectorium darf keinem Kloster fehlen .cc Aber, meiue Herren,
es giebt noch einen zweiten Punkt, in dem zu unser aller Freude Hlld
Stolz das Kl03ter sich nicht mit den Zeiten verändert hat, in dem es
sich nicht verändern wird, nicht verändern kann, bis es aufhört, ll:iS
Kloster zu sein. Das ist das stets fortschreitende Streben auf den
Gebieten, die seinen Wirkung~kreis bilden. Es ist Ihnen gestern von
beredterer Zunge vorgeführt worden, wie das Kloster stets diesem Stre-
ben treu geblieben, wie es stets unter den Anstalten, die den;elben
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Mönche jetzt das hohe Pathos der griechischcn Tragödie gewälllt, U11l un~er Fest würdig einzuleiten, und da habe freilich wohl die alte Re- gel sancti Franei~ci (»der Minorit toll nit studir ,,) geändert werden müssen; denn olme eifriges Studium sei eine solche Aufführung' nicht möglich. "Gnd in ähnlicher Weise habe der Lauf der Zeit Aenderungen auch sonst herbeigeführt. "Aber", fuhr der Redner fort, "indem ich meinen Satz schon als bewiesen betrachten will, fällt mir ein, dass in einem sehr wichtigen Punkte doch gar keine Vcränderung der Zeifen zu spüren bt: Ja, meine Herrcn, es wird bei. unserm heutigen Feste noch eben so viel und eben so gut getrunken wie vor dreihundert JahreI!. Aber die unveränderte Gleichheit der Zeitcn auf dicsem Gebiet sWf,;t meinen Satz nicht um. Denn das Trinken ist eben mit einem Ausdruck Kauts einfach als ein "Postulat der praktischen Vernunftcc zu bezeichnen, dessen Nothwendigkeit für alle 'Wesen unsres Planeten jederzeit aner- kannt wonlen ist, und ich führe Ihnen dafür einen altcn würdige'n Gewährsmann an, aber nicht, wie Sie vielleicht denken, Lessing, Mühler, Goethe oder Schiller; mein Gewähmnann ist \'iel älter; es ist, glaube ich, ein :liter Mönch, der da singt: Libit ille, bibit illa, bibit ~erYu~ cum ancilla, Libit abba~ CUlll priore, hibit custos cum pa~tore. Hier muss ich für diejenigen, die lange Zeit nicht philologi>chcn Studil'l\ obgelegen haben. erklären, dass der letzte Vers natürlich zu übersetzcn ist: » es trinkt der Wächter mit dem Hirten", und "der Wächter c, i,;t hier wohl der Name des Hundes, der mit dem Hirten aus .derselben Quelle trinkt. Es könnte sonst vielleicht jemand übersetzen: "es trinkt der Küster mit dem Pastor" und mir zürnend zurufen: »Schon wirder ein Hieb auf die P:lstoren '1" und ich könnte in den Verdacht kommeIl , als zweifelte ich an der Wahrheit des gestern vom Generalsuperintenden- ten Dr. Brückner ausgesprochenen, von uns mit Beifall aufgenomnH'n('n Satzes: )ldas Kloster kennt keinen Kampf mit seiner Kirche!" - Al~o getrunken wird heut wie damals, daran i"t nichts zu ändern, denn "ein gutes ~efectorium darf keinem Kloster fehlen .cc Aber, meiue Herren, es giebt noch einen zweiten Punkt, in dem zu unser aller Freude Hlld Stolz das Kl03ter sich nicht mit den Zeiten verändert hat, in dem es sich nicht verändern wird, nicht verändern kann, bis es aufhört, ll:iS Kloster zu sein. Das ist das stets fortschreitende Streben auf den Gebieten, die seinen Wirkung~kreis bilden. Es ist Ihnen gestern von beredterer Zunge vorgeführt worden, wie das Kloster stets diesem Stre- ben treu geblieben, wie es stets unter den Anstalten, die den;elben l ,, ' , ' . , , ll:i . i t , i i il . i t t t t , i l t t t i t t li , i t t t t lt , i ; l
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