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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 9.1912 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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a) Die Beseitigung der durch die Eisenbahnanlagen (bei 
Bahnhof Gladbeck-Ost) bewirkten Unterbindung des 
städtischen Verkehrs ist eine dringende Aufgabe. 
b) Die Hauptverkehrsstraßen sind in dem Plan 
zu charakterisieren, und zwar zunächst die radial 
verlaufenden, dann die Verkehrsstraßen zweiter 
Ordnung von Stadtteil zu Stadtteil in entsprechender 
Führung. 
Das Querprofil dieser Hauptverkehrsstraßen sollte 
bei Neuanlage so bemessen werden, daß die Straßen 
bahnen möglichst unabhängig von dem übrigen Straßen 
verkehr auf eigenem Bahnkörper eingelegt werden 
können. Hierdurch werden Straßenbau und Straßen 
unterhaltung wesentlich billiger, und die Verkehrs 
sicherheit und Schnelligkeit werden erhöht. Als 
Querprofil sind mindestens 24 m Gesamtbreite er 
forderlich. Durch die charakteristische Führung der 
Hauptverkehrsstraßen wird erreicht, daß 
c) die reinen Wohnstraßen verkehrsfrei bleiben 
und ruhige Lage erhalten und billig ausgebaut werden 
können. Für sie soll im gesundheitlichen Interesse 
die Ost-West-Richtung möglichst ausgeschlossen 
werden. In den reinen Wohnstrassen soll in der 
Regel mindestens auf einer Seite die Straßenfluchtlinie 
verschieden sein von der Baufluchtlinie; die eigentliche 
Fahrdammbreite ist auf höchstens 5 m zu bemessen, 
bei einer je nach Bedeutung der Straße wechselnden 
Bürgersteigbreite. Die Vorgartenbreite soll nicht unter 
5 m l betragen. Holzeinfriedigungen und Hecken müssen 
zulässig sein. Auch verkehrsgesperrte Straßen 
sind vorzusehen. 
d) Die Straßen sollen in der Regel beiderseits anbaufähig 
gemacht werden (Anliegerbeiträge). Ausnahmen nur 
an öffentlichen Anlagen und Plätzen. 
e) Baumpflanzungen sollen nur in den Straßen mit Vor 
gärten bei einem Abstand von mindestens 8 m von 
den Gebäuden vorgenommen werden. Vorzuziehen 
sind im praktischen und wirtschaftlichen Interesse 
einzelne kleine Platzanlagen mit Baumgruppen. 
3. Die Baublöcke sollen, soweit sie Wohnblöcke werden, 
eine langgestreckte Form erhalten. Zu erwägen ist, ob die 
Erhaltung zusammenhängender Gartenflächen im Block- 
innern durch entsprechende Vorschriften der Bauordnung 
sicherzustellen wäre. 
MITTEILUNG. 
T"\ER HAUPTBAHNHOF DER NEUEN UNTERGRUND 
BAHN IN NEW YORK. Der unlängst vollendete Hauptbalm 
hof der Pennsylvania-Untergrundbahn in New York ist nicht allein das 
größte und schönste Gebäude seiner Art, sondern schließt auch die 
höchsten Errungenschaften moderner Entwicklung ein. Jede zweckmäßige 
Bequemlichkeit, die genialsten Erfindungen der Technik, die neuesten 
Vervollkommnungen der Elektrizität, jede nur denkbare Vorsichtsmaßregel 
gegen Unglücksfälle werden von ihm in höchster Vollendung geboten. 
Das klassischen Formen aus Granit aufgeführte Empfangs 
gebäude bedeckt den riesigen Flächenraum von 440 x 236,7 m. Die 
außergewöhnlichen Schwierigkeiten der künstlerischen Durchführung 
eines solchen monumentalen Bauwerkes, eines Bahnhofes, dessen Gleise 
unterhalb der Erdoberfläche Hegen, und dem der herkömmliche Bahnsteig 
fehlt, wurden glücklich Überwunden, so daß die Größe eines gewaltigen 
4. Um die Entwässerungsanlagen möglichst billig zu 
machen, sind die Hauptvorfluter als offene Bachläufe mit 
Sohlschalen aus Beton auszubilden, entsprechend den bereits 
bestehenden mustergültigen Anlagen im Emschergebiet. Sie 
werden zweckmäßig in Baublockachsen verlegt, so daß nur 
an den Straßenkreuzungen Überwölbung erforderlich wird. 
Der Entwässerungsentwurf ist mit dem Bebauungsplan auf 
zustellen und die Bebauung ist so zu leiten, daß die Kanali- 
sationsanlagen möglichst ausgenutzt werden. 
5. Die Gemeinde Gladbeck wird ihr Budget kaum in 
wesentlichem Umfang auf Einnahmen aus werbenden Be 
trieben (Gas- und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen,Wasser 
versorgung) aufbauen können. Entscheidend für die Ge 
meinde ßnanzen wird vielmehr sein, in welcher Weise bei der 
weiteren Entwicklung die steuerliche Leistungsfähig 
keit der Einwohnerschaft sich gestaltet. Die Gemeinde hat 
deshalb ein hohes Interesse daran, nicht eine proletarisierte 
und leistungsunfähige, sondern eine tragkräftige Bevölkerung 
zu erhalten. Als das Hauptmittel zu diesem Zweck ist die An- 
siedlungs- und Baupolitik zu bezeichnen. Die wirtschaft 
lich ungünstigen Bauformen (Massenmietshaus, Mietskaserne) 
proletarisieren die Bevölkerung, schwächen die Steuerkraft 
und bewirken eine stetige Steigerung der öffentlichen Lasten. 
Durch die günstigen Bauformen; Einfamilienhaus, Zwei 
familienhaus wird dagegen eine leistungsfähige Bevölkerung 
geschaffen. Die Gemeinde sollte deshalb die kleinen Haus 
formen begünstigen durch Niedrighaltung der Bodenpreise 
und des Aufwandes für die Bodenerschließung, den Straßen 
bau usw. Sie soll außerdem die Durchführung der für den 
Bebauungsplan aufgestellten Forderungen sicherstellen: 
a) durch eine Bauordnung, aufgestellt nach gesundheit 
lichen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten, 
entsprechend der Eigenart der Gemeinde, 
b) durch ein Ortsstatut auf Grund des Gesetzes gegen 
die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich 
hervorragenden Gegenden vom 15. Juli 1907. Bau 
polizeiverordnung und Ortsstatut bedürfen einer be 
sonderen Beratung unter Hinzuziehung eines mit den 
Verhältnissen des Bezirkes vertrauten Sachverständigen. 
Es wird endlich empfohlen, den aufgestellten Bebauungs 
plan nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sondern 
ihn als Unterlage für die jeweils notwendige Stadterweite- 
rung, insbesondere die kommunale Bodenpolitik zu be 
nutzen. 
Bahnhofes, sowie der Charakter einer monumentalen Eingangspforte in 
die große Weltstadt in gleich großartiger Weise zum Ausdruck kommen. 
Der Bau kann im eigentlichen Sinne als eine über die Gleise hin 
wegführende Monumentalbrücke angesehen werden, die in der Mitte und 
nach allen vier Seiten Zugänge zu den Straßen hat. Auch mit dieser 
durch so reichliche Ein- und Ausgänge für eine außerordentlich schnelle 
Abwicklung des Verkehrs sorgenden Anordnung steht der Bahnhof einzig da. 
Die Fassade an der 7. Avenue weist reichen dorischen Säulenschmuck 
auf, die an der Einfahrtsseite und dem Haupteingang für Fußgänger in 
der Mitte in doppelter Reihe zu Säulenhallen geordnet sind. Jede Säule 
hat 1,35 m Durchmesser und ist 10,5 m hoch. Über der Mittelhalle er 
hebt sich ein von einer Uhr mit einem Zifferblatt von 2,1 ra Durch 
messer gekröntes Gesims. Der Haupteingang führt durch eine 13,5 m 
breite und 67,5 m lange Vorhalle in die Hauptwartehalle, die mit ihrer
	        
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