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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 9.1912 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
eine teure (nicht anbaufähige) „Parzelle“ besitzen. Ständige 
Warnungen wären hier am Platze. 
9. Unsere Baupolizeiverordnungen sind heute kein Hemmnis mehr 
für den Kleinwohnungsbau. Begründete Dispense haben gute 
Aussicht auf Genehmigung. 
10. Es ist unzutreffend, daß die angeblich zu teuren Bodenpreise die 
Errichtung von Gartenstädten unmöglich machen. Ungeregeltes 
Nettobauland ist zum Preise von 3 bis 4 Mk. für 1 Quadratmeter und 
geregeltes Nettobauland zum Preise von 6 bis 8 Mk. für 1 Quadrat 
meter in geeigneter Lage noch überreichlich vorhanden und nicht 
teurer als z. B. in England. 
11. Wenn es möglich wäre, Gartenstädte zu schaffen, in denen das 
eingebrachte Kapital einen sicheren Zinsbetrag von 4 °/ 0 oder gar 
5% erbringt, gäbe es bereits eine weit größere Zahl. Ohne Hypo 
theken zu außergewöhnlichen Vorzugsbedingungen ist ein solcher 
Gewinn indessen schwerlich zu erzielen. Der Nachweis dauernder 
Lebensfähigkeit der in der Regel äußerst knapp finanzierten 
Gartenstädte ist noch nicht erbracht. Wenn die Instandhaltungs 
kosten der Bauten allmählich immer höher werden, kann sich erst 
die Lebensfähigkeit erweisen. 
12. Wenn es gelingt, ein beleihbares und befriedigendes Erbpacht 
system zu schaffen, würden Gartenstadtgründungen dadurch oftmals 
erleichtert werden. Auch in England wird der Kauf der Erbpacht 
stets vorgezogen, .wo er geboten wird, und wenn Lage und Beruf 
des Käufers dessen Seßhaftmachung gestatten. 
13. Die Gemeinden fürchten in den Gartenstädten die Zuwanderung 
schlechter Steuerzahler. Die untere Grenze des Mietspreises (vgl. 
zu 4) scheidet ärmere Bevölkerungsschichten aus. Diese wohnen 
nach wie vor in den Vororten in den ungesunden Keller- und 
Dachwohnungen, die unzweckmäßige (höhere) Bauklassen geradezu 
großgezogen haben, 
14. Organisation und Leitung von Gartenstadtgründungen jeder Art 
gehören in die Hände sachkundiger Fachleute mit nachweislichen 
Erfahrungen und Erfolgen auf diesem Gebiet. Unter inneren 
Krisen jeglicher Art hat bisher jede dieser Gründungen schwer zu 
leiden gehabt. 
15. Es ist in der Praxis erwiesen, daß die gemeinnützige Bautätigkeit 
nur einem sehr beschränkten Teile der Bevölkerung Nutzen bringen 
CHRONIK. 
D er Stadtrat von Freiburg i, Br. hat im Interesse der VERBESSE 
RUNG DER LÄNDLICHEN BAUWERKE in der Um- 
gebung der Stadt beschlossen, daß künftig minderwertige Baupläne im 
Einverständnis mit den Bauwerbern zu brauchbaren Entwürfen umgestaltet 
werden. Die für diesen Zweck erforderlichen Mittel sollen in den Vor 
anschlag eingestellt werden. E. 
XE AKADEMIE FÜR KOMMUNALE VERWALTUNG. 
Die Akademie für kommunale Verwaltung in Düsseldorf veröffent 
licht jetzt das Verzeichnis der Vorlesungen im Wintersemester 1912/13. 
Es ist kostenlos vom Sekretariat, Bilker-Allee 12g, zu beziehen. 
Der Lehrplan der Akademie für das neue Studienjahr ist nach den 
bisher bewährten Grundsätzen und nach den im ersten Studienjahr ge 
machten Erfahrungen aufgestellt. Die Akademie will eine Fachhochschule 
sein. Deshalb ist der Lehrplan streng systematisch zugeschnitten auf die 
Zwecke, welche die Akademie verfolgt. Sie will nicht ein buntes, den 
Hörer verwirrendes Vielerlei von Wissenswertem geben, sondern die Er 
weckung einer einheitlichen und klaren Auffassung bei den Hörern ist 
ihr Ziel. Den Grundstock des Jahreslehrplanes bilden umfangreichere, 
fünf-, drei- und zweistündige, von Theoretikern gehaltene Vorlesungen 
und Übungen über Gebiete des kommunalen und staatlichen Verfassungs 
und Verwaltungsrechts und der Volkswirtschaftslehre. Die für die 
kommunale Praxis wichtigsten rechtlichen und volkswirtschaftlichen 
Gegenstände werden dann von lehrerfahrenen Praktikern, welche für den 
betreffenden Verwaltungszweig Spezialisten sind, behandelt. Der Grund 
satz der Düsseldorfer Akademie ist; „Non multa sed multum!“ Falls die 
Hörer neben ihren akademischen Studien noch Zeit erübrigen können. 
kann. Der unendliche Aufwand an Mühe und (oft ehrenamtlicher) 
Arbeit steht in der Regel nicht recht im Verhältnis zu den prak 
tischen (materiellen und .ideellen) Ergebnissen. Von Angebot und 
Nachfrage, sowie von wirtschaftlichen Gesetzen, ist alles ab 
hängig, 
A US KASSEL. Durch die Zeitungen ging die Nachricht, daß die 
* Königliche Regierung zu Kassel die Genehmigung zum Abbruch der 
Unterneustädter Mühle in Kassel — siehe den betreffenden Aufsatz auf 
S. 43 des laufenden Jahrganges — versagt habe. So erfreulich es wäre, 
wenn sich damit das schöne Fleckchen Erde hätte retten lassen, um so 
betrüblicher ist die Tatsache, daß das Stadtbauamt die Zwischenzeit emsig 
benutzt hat — die Bäume sind gefällt, die Baulichkeiten abgebrochen; 
die Trümmer der einstigen Schönheit könnten nun auch ohne Schaden 
verschwinden. Bei dem seinerzeit veranstalteten Wettbewerbe um Ent 
würfe für die neue Fuldabrücke — siehe S. 99, vierter Jahrgang unserer 
Zeitschrift—war in dankenswerter weise Rücksicht auf das Landschafts 
bild gefordert, und diese Rücksicht ist auch beim Bau der Brücke ge 
nommen worden — doch wozu, wenn hinterher das beste Stück aus der 
Landschaft — ein Edelstein im Vordergründe — ausgebrochen wird?! 
Der Fall lehrt wieder, wie notwendig es ist, dem draufgängerisch sein 
Ziel verfolgenden Ingenieur ästhetische Zügel anzulegen. Man braucht 
sich nur nach der anderen Seite der Fuldabrücke zu wenden, wo eine 
Drahtbrücke den Auegarten häßlich zerschneidet, oder bei der Ein 
fahrt in den Hauptbahnhof zum Hange des Tannenwäldchens empor- 
zublicken, der jetzt durch einen hohen Straßendamm verschüttet wird 
— um dies bei aller Achtung vor einer vollendeten Technik bestätigt 
zu finden. 
Doch auch Besseres ist aus der Hessenhauptstadt zu melden: Die 
obere Königstraße steigt zum Wilhelmshöher Platz an, auf dem jetzt ein 
guter Neubau mit vorspringendem Turm in der Mitte einen stolzen Ab 
schluß der Straße bildet. Nach der entgegengesetzten Seite bewirkt dies 
der Neubau eines Warenhauses an der umgeknickten Unteren Königstraße 
im Verein mit dem darüber emporragenden Turmpaar der St. Martins 
kirche. Am Königsplatze fügt sich ferner der Neubau der Hessischen 
Bank, der mit seinem mittleren, das Mansarddach durchbrechenden Giebel 
aufbau an die alte, wenn auch bescheidenere Bauweise des Platzes wieder 
anklingt, vortrefflich in die Platzwandung ein. 
ist ihnen zwar in den Akademischen Kursen für allgemeine Fortbildung 
und Wirtschaftswissenschaften die Möglichkeit gegeben, an allgemein 
bildenden Vorlesungen und Übungen teilzunehmen und das Vorlesungs 
verzeichnis weist auf die Möglichkeit und die besonderen für die Teil 
nahme gewährten Vergünstigungen auch ausdrücklich hin, einen Teil des 
Lehrprogrammes der Akademie bilden jene Vorlesungen aber nicht. 
An den Grundsätzen festhaltend, welche im ersten Jahre ihres Be 
stehens sich bewährt haben, und mit dem festen Willen, im Sinne des 
für richtig Erkannten ihre Tätigkeit auszugestalten, tritt die Akademie 
zu Düsseldorf in ihr zweites Lebensjahr ein. 
I jIE HUMBOLDT-AKADEMIE veröffentlicht ihr Programm für 
das vierte Lehrvierteljahr 1912, das 240 Vortragsreihen enthält. Die 
Vorlesungen umfassen die Gebiete sämtlicher ^Wissenschaften und ihrer 
praktischen Anwendung, Neu hinzugetreten sind u. a. Vorlesungen über 
Landwirtschaft, Tierarzneikunde, Biologie, Geologie und Völkerkunde. 
Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten sind im Hauptbureau, Kurfürsten 
straße 166, I, 1 bis 3 (Lützow 8794), in den Geschäftsstellen mehrerer Ver 
eine sowie in zahlreichen Buchhandlungen in allen Stadtteilen erhältlich. 
Wir machen unsere Leser auf folgende Vorlesungen besonders 
aufmerksam: 
Diplom-Ingenieur Leo Nachtlicht: Einführung in die Architektur und das 
Kunstgewerbe. W. 1 Lützowstraße 840, Dienstags 6 bis 7, und 
Architektenhaus, Dienstags iz bis 1. 
Dr. Werner Hegemann; Einführung in die städtebaulichen Fragen von 
Groß-Berlin. Georgenstraße 30/31, Donnerstags 9 bis 10. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Ernst Wasmuth A.-G., Berlin W., Markgrafenstraße 35, 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W, 66. — Gedruckt bei Herros£ & Ziemsen, G. m. b. H., Wittenberg. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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