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Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 9.1912 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Stereoautographen vorderhand noch mit großen Kosten und 
Schwierigkeiten verbunden ist, kann man entweder die Auf 
nahmeplatten an die Firma Zeiß in Jena oder eine andere mit 
dem Apparate ausgerüstete und vertraute Stelle schicken und 
dort die Herstellung des gewünschten genauen Gelände 
planes ausführen lassen, oder man begnügt sich mit einer 
schätzungsweisen Ausmessung und annähernden Krokierung 
des Geländes durch ein gewöhnliches Stereoskop. In diesem 
Falle ist es zur Erreichung einigermaßen brauchbarer Er 
gebnisse nötig, die Höhen besonders charakteristischer 
Punkte im Gelände zugleich mit der stereophotographischen 
Aufnahme mit Barometer, Bergdiopter oder sonst annähernd 
genau zu bestimmen und zwischen sie die Schichtlinien im 
Stereoskop einzuschätzen. 
Hat man so ein brauchbares plastisches Schichtlinien 
bild erhalten, worin auch die vorhandenen Wege, Gefließ- 
adern, Grenzen und Baulichkeiten zum Ausdruck kommen, 
also vielleicht einen stereoautographisch ergänzten Über 
sichtsplan 1:10000, so entwirft man darin die für das Ge 
lände usw. zweckmäßigsten Linien der Hauptstraßen und 
kann nun diese Linien aus der Horizontalprojektion mittels 
des Stereoautographen rückwärts in eine Photographie und 
aus dieser wieder mittels eines Handstereoskops ohne Mes 
sungen mit bloßen Fluchtstäben oder dergleichen in die 
Örtlichkeit übertragen. Auf diese Weise erhält man die nicht 
hoch genug einzuschätzende Möglichkeit, in schwierigem 
Gelände ohne langwierige Versuchsabsteckungen und 
-messungen lediglich mit Hilfe von Stereobildern, Stereo 
autographen und Stereoskop diejenigen Straßenlinien aus 
zuprobieren, die die für das Gelände natürlichen und darum 
zweckmäßigsten sind. 
Da weder der Ingenieur noch der Landmesser bisher ge 
wohnt waren, die Photographie zahlenmäßig auszuwerten. 
so haben beide noch ein gewisses Mißtrauen gegen die Ver 
wendbarkeit des photogrammetrischen Meßverfahrens. Auch 
der Architekt hat sich damit bisher nur in recht veralteter 
und schwerfälliger Weise beschäftigt. Überzeugen sich erst 
einmal alle drei durch Ausprobieren des Verfahrens in 
kleinen Maßstäben (1:5000 bis 1; 10000) von seiner großen 
Brauchbarkeit zur Erreichung naturgetreuer Schichtlinien 
bilder, so wird sich auch bald der zweckmäßigste Weg 
zeigen, die Stereophotogrammetrie für solche Bebauungs 
pläne allgemein verwendbar zu machen, die auf die Ge 
ländeplastik weitgehendste Rücksicht nehmen und so der 
Örtlichkeit ihre künstlerischen und wirtschaftlichen Geheim 
nisse ablauschen müssen. 
Noch weniger, als man eine Landstraße, einen Fahrweg 
oder eine Bahn in bewegtem Gelände ohne sorgfältigste 
Ausnützung der Geländeeigentümlichkeiten entwerfen und 
abstecken darf, ist es bei Städten mit schwierigen Boden 
verhältnissen angebracht, zusammenhängende Straßenpläne 
ohne inniges Anschmiegen an die Geländeplastik anzulegen. 
Das haben gerade die Baukünstler des Mittelalters und der 
Renaissance getan und sind uns Jüngeren darum so weit voraus. 
Sie haben, wie es jetzt noch der Landwirt und der Forst 
mann tuen, ausschließlich in der Natur selbst geplant und so 
die schönen Straßenzüge erreicht, die wir neuerdings ohne 
Kenntnis der Natur auf mechanisch interpolierten und darum 
grundfalschen Schichtlinienplänen nachmachen wollen. 
Nehmen wir anstatt der Natur ihre Stereobilder zur 
Hand und verfahren wir wie oben angegeben, so werden 
wir den Alten durch Ausnutzung der Geländeplastik näher 
kommen, etwas Lebendiges schaffen und wieder einen Zopf 
beiseite werfen, den ich an anderer Stelle Planarchitektur 
genannt habe, und der nicht weniger gefährlich ist, als die 
viel beleumdete Plangeometrie. 
ANSBACH. 
Von Dipl.-Ing. FR. REUTER, Ansbach 
Eine vom Städtebaukünstler 
fast noch unentdeckte Städte 
schönheit ist die ehemalige 
Hohenzollernmarkgrafenstadt 
Ansbach. Zwischen den mittel 
alterlich-romantischen Bürger 
städten Nürnberg und Rothenburg 
gelegen, bietet sie im Gegensatz 
zu diesen das einheitliche und 
noch unberührte Bild einer 
sonnigen, kleinen Residenzstadt 
aus der Barock- und Rokokozeit. 
An den Ring der alten Stadt, 
wie sie sich um die beiden 
Kirchen gruppiert, lehnt sich 
das Markgrafenschloß; an dieses 
schließen sich die Neubauten 
des 18. Jahrhunderts, in fran 
zösischem Geschmack, durch 
regelmäßige Straßenzüge zu 
großer EinheitUchkeitzusammen- 
gefaßt. 
9 jj 4"''X -ö—— 
Abb. a, Lageplan und Profile der Maximilianstraßc und Promenade in Ansbach
	        
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