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Volume H. 10

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 8.1911 (Public Domain)

8. Jahrgang 
1911 
10. Heft 
109 
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=♦ NEBST EINER SONDERBEILAGE: LITERATURBERICHT, HERAUSGEGEBEN VON RUDOLF EBERSTADT ** 
INHALTSVERZEICHNIS: Ludwig Hoffmanns Bebauungsplan für Athen. Von Theodor Goecke, Berlin — Neuzeitliche Anschauungen im Bauordnungs 
wesen. Von Professor Kurt Diestel, Dresden. (Schluß.) — Mehr Licht in der modernen Großstadt. Von Dr. Heinr. Pudor. — Mitteilung. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
LUDWIG HOFFMANNS BEBAUUNGSPLAN 
FÜR ATHEN. 
Von THEODOR GOECKE, Berlin. 
Im Gähren und Brausen der modernen Städtebau 
bewegung konnte es nicht ausbleiben, daß mancher ihrer 
Jünger des neuen Geistes voll über die Stränge schlug, selt 
sam genug auch wohl im guten Glauben an Camillo Sitte, 
dem die geometrische Schablone zwar ein Greuel gewesen 
ist, doch auch jede Willkür zur Erzielung bloß malerischer 
Schönheiten ferngelegen hat. Als die Krone der Städtebau 
kunst hatte ihm die Akropolis des alten Athen gegolten. 
Dem neuen Athen wieder einen Hauch davon zu geben, 
würde sicherlich seinen vollen Beifall gefunden haben. 
In so manchen neueren Stadtbauplänen lassen die Ver 
schrobenheit sich hin und her windender Straßenzüge, die 
Verstiegenheit, mit hohen Mietshäusern intime Straßenwinkel 
schaffen zu wollen, erkennen, daß wir es in der Städtebau 
kunst heute noch nicht wieder so weit gebracht haben, 
wie in der Baukunst überhaupt: zum schlichten Ausdruck 
sachlicher Lösungen. Unsere Planungen überwuchert noch 
zu sehr die Romantik mittelalterlicher Städtchen. Wie diese, 
sollen auch wir uns der Örtlichkeit anpassen; doch ist die 
Anpassung eine andere bei offener, als bei geschlossener 
Bauweise, eine andere bei Landhausbebauung als bei hoher 
städtischer Reihenbebauung, eine andere d. h. mehr oder 
weniger rücksichtsvolle schließlich auch — je nach der 
Natur und der Kunstüberlieferung des Landes — z. B. im 
Deutschen Reiche oder in Griechenland. Klarheit in den 
Verkehrszügen, Wahrheit in der sozialen Gliederung des 
Aufbaues, Ruhe vor allem in der Gestaltung großstädtischer 
Straßen und Baublöcke bilden nebst der Heraushebung der 
zum Schmucke der Stadt dienenden öffentlichen Gebäude 
und Durchbrechung der bebauten Stadtteile mit Grünanlagen 
die Haupterfordernisse einer modernen Plananlage, die in 
Landhausgebieten, an Berghängen eine freiere Beweglichkeit, 
in der geschlossenen Stadt, in der Ebene eine größere Regel 
mäßigkeit zeigen wird. Daß in Griechenland die Regel 
mäßigkeit stärker ausgeprägt und selbst da durchgeführt 
wird, wo wir vielleicht eine etwas zwanglosere Lösung vor 
ziehen würden, entspricht, wie Dr.-Ing. Ludwig Hoffmann, 
der Verfasser des Bebauungsplanes für das neue Athen 
(von E. Wasmuth A.-G. auf 41 Tafeln und 13 Textseiten 
in Großfolio vornehm gedruckt), sagt, der Empfindung der 
von der Antike übernommenen regelmäßigen Bauweise der 
einzelnen Gebäude mit der starken Betonung der Horizon 
talen und Vertikalen. Dazu kommt, daß auch im neuen 
Athen so manches entstanden war, was die wiedererwachte 
Städtebaukunst bekämpft, daß Hoffmann sich also da nur 
auf Verbesserungen beschränken, im übrigen aber mit dem 
bereits Gegebenen abfmden mußte. Abgesehen davon hat 
er frei im Geiste des Alten seinen Plan gestaltet, getragen 
von dem Vertrauen und dem Verständnisse des hochherzigen 
Leiters der Stadtgemeinde, des Bürgermeisters Merkouris.
	        
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