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Volume H. 1

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 8.1911 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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die Grundrißlösung dahin drängt, auch auf einige größere, gegebenenfalls 
teilbare Wohnungen Bedacht genommen werden, 
3. Als nutzbare Wohnfläche einer Wohnung gelten die Grundflächen 
der Wohnräume einschließlich der Küche und eines etwaigen Spülraumes, 
nicht aber die Grundflächen der Vorräume, Aborte, Flure, Speisekammern, 
Austritte, Abstellräume, Keller und Dachgelasse, 
4. Waschküchen können im Keller oder im Dachgeschoß eingerichtet 
werden. 
5. In einem Geschosse sollen tunlichst nur so viel Wohnungen unter 
gebracht werden, daß jede Wohnung durch mindestens zwei einander 
gegenüberliegende Fenster gehörig durchlüftet werden kann. Keller 
wohnungen sind ausgeschlossen. Jeder Wohnung, auch der nur aus 
Wohnküche und Kammer bestehenden, soll ein Abort, sowie ein gut 
beleuchteter und mit wasserdichtem Fußboden versehener Spülplatz zu 
geteilt werden. Die Anordnung von Kiichenaustritten ist erwünscht. 
6. Nur für die längs der Hauptverkehrsstraße C ünd D anzuordnenden 
Miethäuser ist bei der Anlage von Aborten auf Wasserspülung, im 
übrigen auf Schlottenanlage Rücksicht zu nehmen, Aborte mit Wasser 
spülung können im Notfälle bis zu 3 m, von der Außenseite der Um 
fassungswand gerechnet, zurückgelegt werden, wenn ihre ausreichende 
Belichtung und Entlüftung durch ein in der Umfassung ungeordnetes 
Fenster nachgewiesen wird. 
7. Zu jeder Wohnung ist ein Keller- und Bodenabteil zu rechnen, 
in jedem Hause muß ein den Anforderungen des $ 100 des Allgemeinen 
Baugesetzes für das Königreich Sachsen vom 1. Juli 1900 entsprechender 
Hof vorhanden sein. Die Anlage von Gärten oder gemeinsamen Spiel- 
und Erholungsplätzen ist erwünscht, Hofgemeinschaft im Sinne des $ xoi 
des A. B.-G. ist zulässig. 
8. Für die lichte Höhe der Wohnungen genügt im allgemeinen das 
Mindestmaß von 2,85 m, für etwa in Frage kommende größere Wohnungen 
(Eckhäuser) wird 3 m und mehr als lichtes Maß vorzusehen sein. 
Die Tiefe der Wohn- und Schlafzimmer soll mit Rücksicht auf das 
Stellen von zwei Betten hintereinander mindestens 4,10 m betragen. 
Speisekammern werden nur für die Wohnungen zu 2 b verlangt, im 
übrigen genügt die Anordnung eingebauter lüftbarer Speiseschränke. 
9. Zulässig sollen Sein an der Straße C und D — fünf Wohn 
geschosse einschl. Dachgeschoß, an der Straße B — vier Wohngeschosse 
einschl. Dachgeschoß und an der Straße A — drei Wohngeschosse ohne 
DaChausbau. Die Hauptsimshöhe darf hierbei nicht größer sein als die 
Straßenbreite. Ein Zurückrücken der Gebäudeflucht hinter die Straßen- 
flucht ist an jeder Straße auf 1 dar Baublocklänge zulässig. (Hierbei kann 
das Maß der Zurückrückung der Straßenbreite zugerechnet werden, ln 
solchem Falle sollen auch an den Straßen A und B fünf Geschosse einschL 
Dachgeschoß zulässig sein, insoweit die Straßenbreite durch diese ZurÜck- 
rückung auf mindestens 17 m gebracht wird,) 
10. ln der Hauptverkehrsstraße D sind durchgehend im Erdgeschoß 
kleine Läden anzuordnen, in den übrigen Straften nicht. 
ix. Auf eine gefällige Ausbildung der Straßen- und Hofansichten 
und insbesondere auch der Eckbauten mit ihren Anschlüssen an die 
benachbarten Häuserreihen ist Wert zu legen; dabei wird anheimgestellt. 
durch entsprechendes Vor- oder Zurückrücken einzelner Baugruppen auf 
eine malerische Erscheinung hinzuwirken. Auf eine schlichte, unge 
künstelte Gestaltung der Dächer und ihrer Übergänge bei verschiedenen 
Gebäudehöhen, wird Bedacht zu nehmen sein. 
Nicht geringerer Wert ist aber auch der bautechnischen und archi 
tektonischen Durchbildung einzelner Haustypen im Grund- wie im Aufriß 
beizumessen mit der Anheimgabe, praktische Neuerungen durch Beigabe 
von Einzelzeichnungen zur Darstellung zu bringen. 
12. Im übrigen sind die Bauvorschriften des Allgemeinen Baugesetzes 
für das Königreich Sachsen vom 1. Juli 1900 den Plänen zugrunde su 
legen. Etwaige Abweichungen hiervon sind besonders zu begründen, 
13. Die mit einem Kennzeichen versehenen Entwürfe sind bis 
spätestens den 15.. Februar 1911, abends g Uhr, in der Geschäftsstelle 
des Sächsischen Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24I, einzuliefern. 
Behält sich der Verfasser bei Einreichung seines Entwurfes nicht 
ausdrücklich das ausschließliche Ausführungsrecht vor, so wird ange 
nommen, daß er im Interesse des gemeinnützigen Zweckes die allgemeine 
Benutzung freigibt. 
14. Das Preisrichteramt haben übernommen: Baurat Bähr, Amts 
gerichtspräsident Dr. Becker, Stadtbaurat Professor Erlwein, Kranken 
kassenvorstand Landtagsabgeordneter Fraßdorf, Bauamtmann Kramer, 
ObermedizinalratDr. Lufft, GeheimerBauratReichelt, Ministerialdirektor 
Geheimer Rat Dr. Rumpelt, Oberbaurat Karl Schmidt, Professor Dr. 
Wuttke, sämtlich in Dresden, Bürgermeister Brink in Glauchau, Ober 
bürgermeister Dr. Dittrich in Leipzig, Architekt Albert Geßner in 
Charlottenburg, Architekt Landtagsabgeordneter Göpfert in Frauenstein 
und Baurat Pommer in Leipzig. 
Bei etwaiger Behinderung einzelner Preisrichter gelten als deren 
Vertreter: Stadtrat Lehmann in Chemnitz, Geheimer Baurat Professor 
Dr. ing. Hugo Licht in Leipzig, Stadtrat Dr. Matthes und Oberbau 
kommissar Mittelbach in Dresden. 
15. Als Preise werden ausgesetzt: 
ein 1. von 2500 Mk., ein 2, von 1500 Mk., zwei 3. von je 
rooo Mk, 
Für den Ankauf weiterer Pläne — nicht unter 500 Mk, —■ bzw, 
zur Erhöhung einzelner Preise nach dem Ermessen des Preisgerichts 
Stehen 3000 Mk. zur Verfügung. 
Bei Dreiviertel-Stimmenmehrheit dürfen der 1. und 2. Preis zu 
sammengeworfen werden. 
Sämtliche Entwürfe werden nach Bekanntmachung des preisrichter 
lichen Urteils 14 Tage in Dresden öffentlich ausgestellt. Eine gleiche 
Ausstellung in anderen Städten Sachsens ist in Aussicht genommen. 
iG. Der Landesverein „Sächsischer Heimatschutz“ erwirbt durch die 
Preiserteiluhg und den Ankauf das Eigentum an den Plänen und Be 
schreibungen und zugleich das ausschließliche Recht, die betreffenden 
Entwürfe unter Nennung ihrer Verfasser in einem Sammelwerk und erst 
malig zu veröffentlichen (vgL auch Punkt 13). 
D iesem Heft liegt als Tafel 6/7 ein sich selbst erklärender Bebauungs 
plan für PRÖDEL-2ÖBIGKER bei Leipzig, von Professor 
Schultze-Naumburg, bei. 
CHRONIK. 
B erichtigung. Zu dem Auszuge aus dem Vortrage von Professor Higg 
über „DIE BAUBERATUNGSSTELLEN BREMENS“, 
den wir in Heft ix, Jahrg. 1910, brachten, sei zunächst nachgetragen, 
daß der Vortrag in Lübeck stattgefunden hat; sodann, daß der ganze 
Absatz auf Seite 129 links unten von „Ich will versuchen“ bis rechts 
oben „— teils gerettet, teils geschaffen“ sich auf die vorgeführten Licht 
bilder bezieht Endlich muß es heißen auf Seite 230, Zeile 1; (dem 
Nach)denkenden statt Denken und Zeile 9: sich nimmt, statt einnimmt 
D. S. 
ettbewerb für Entwürfe zu STRASSENMASTEN MIT 
STRASSENSCHILDERN, veranstaltet vom Verein für 
Deutsches Kunstgewerbe e. V. in Berlin W 9, Bellevuestraße 3, auf Ver 
anlassung der Gartenstadt Frohnau bei Berlin, Der Wettbewerb war ein 
öffentlicher; jedermann innerhalb Groß-Berlins konnte sich daran beteiligen. 
Eingegangen waren 103 einzelne Entwürfe. 
Das Preisgericht erkannte einstimmig zu: 
den ersten Preis von zweihundert Mark den Entwürfen mit dem Kenn 
worte: Holz, Eisen, Beton a und b, 
den ersten zweiten Preis von einhundert Mark den Entwürfen mit dem 
Kennworte: Erst Schild, dann Mast a und b, 
den zweiten zweiten von einhundert Mark den Entwürfen mit dem Kenn 
worte: Wohin a und b, 
den dritten zweiten Preis von einhundert Mark den Entwürfen mit dem' 
Kennwerte: Quo Tadle 3 und 1
	        
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