Path:
Volume H. 7

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 8.1911 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
78 
Die beiden Zugänge in der nordwestlichen und nord 
östlichen Ecke — die Fläche ist sonst geschlossen ge 
schnitten — bedingen zwei Verkehrsstraßen, die sich dem 
ganz leicht gesenkten Gelände in flacher Krümmung' an 
passen und in einer Platzerweiterung treffen. Alle übrigen 
Straßen sind als Wohnstraßen behandelt und schmal ge 
lassen (9 m breit); die meisten haben am Eingang eine 
Krümmung, um ein geschlossenes Bild zu erzielen, verlaufen 
im übrigen aber — mit Ausnahme einer Versetzung „Am 
Rasenwinkel“ — gerade. Nicht ein spielerisches Versuchen 
malerischer (mittelalterlicher!) Straßenbilder also, sondern 
ein Befolgen gegebener Bedingnisse, wie der Grundstücks 
größen, bestimmt den Plan; als Hauptsache der Straßen- 
führung gilt, den Grundstücken überall Luft und Sonne zu 
zuführen. Auf dem noch nicht bebauten südlichen Teile 
des Landes sind deshalb im ganzen parallel von Nord 
nordost nach Südsüdwest laufende Straßenzüge beabsichtigt, 
welche den besten Zuschnitt von Grundstücken gestatten. 
Neben dieser nüchtern erscheinenden, aber in der end 
gültigen Durchführung sehr abwechslungsreichen und an 
mutigen Straßenführung ist es das Recht des bauleitenden 
Architekten, den Platz für die Häuser innerhalb der Grund 
stücke anzuweisen, der für die architektonische Einheitlich 
keit Gewähr leistet. Denn ein Zwang, bei bestimmten Bau 
meistern bauen zu lassen, ist den Grundstückseigentümern 
nicht auferiegt; außer den (vor der Hand noch nicht zahl 
reichen) Miethäusem der gartenstädtischen Genossenschaft, 
die natürlich der Bauleiter entwirft, herrscht Wahlfreiheit. 
Hier verbessert wenigstens oftmals die einsichtige Bau 
polizei gröbere Verstöße. Aber das Recht, die Bauplätze 
anzuweisen, ist, wie man sieht, unentbehrlich: bei den 
durchweg kleinen Häusern kann dergestalt wenigstens die 
Geschlossenheit des Raumeindrucks erzielt werden, auch 
wenn die künstlerische Eigenschaft der Bauten zu wünschen 
übrig läßt; es können Gruppenhäuser, Verengerungen oder 
Verbreiterungen der Straßen, Durchblicke, Versetzungen 
und Blickpunkte usf. erreicht und weniger Gelungenes un 
schädlich gemacht werden. In der Tat ist der Erfolg nach 
dieser Hinsicht schon jetzt aufs erfreulichste festzustellen; 
die Straßenbilder, die sich bereits ergeben, noch ohne 
Gartenwuchs, teilweise selbst noch ohne Zäune (ein Wesent 
licher Faktor, da nur Holzzäune und Mauern an der Straße 
zugelassen werden), berechtigen zu den schönsten Hoff 
nungen, daß es auch auf diesem mittelbaren Wege gelingen 
wird, schöne Städtebilder neuen Geistes zu erreichen. Vgl. 
Tafel 38 u. 39. 
Der Bebauungsplan — siehe Textbild — rührt, wie 
schon bemerkt, vom Architekten Franz Amelung in Magde 
burg her, der für die Gartenstadt auch eine besondere Bau 
ordnung durchgesetzt hat, um dem Bedürfnis nach billigerer 
Herstellung der Bauten einigermaßen zu entsprechen. Es 
wird noch vieler Aufklärung und manchen Kampfes be 
dürfen, um die baupolizeilichen Anforderungen, ohne Mängel 
in Kauf zu nehmen, so weit herunterzudrücken, daß es 
möglich ist, preiswerte Kleinwohnungen zu schaffen. Diese 
Frage hat eine große Bedeutung für die Wohnungsreform, 
Die Hauptstraßen der Gartenstadt sind 20, 18 und 16 m 
breit, mit 8 m breitem Fahrdamm, Die Fahrdämme sind 
mit Kleinsteinpflaster auf Schotterung befestigt, die Bürger 
steige mit Mosaikpflaster, Die Schwemmkanalanlage führt 
die Haus-, Dach- und Straßenwässer ab. Die Gärten 
werden nicht entwässert. 
Die Geländepreise sind zurzeit 4,25 Mk. an den hinteren 
Nebenstraßen, 5,— Mk. an den vorderen, an den Haupt 
straßen 5,50, 6,— und 7,— Mk. für den Quadratmeter bau 
reifes Land. In diesen Preisen sind die Straßenherstellungs 
kosten einbegriffen. 
Diese geringen Preise decken die Selbstkosten und sind 
möglich durch die sehr sparsame Straßenführung. Von dem 
37,2 ha großen Gelände entfallen auf Straßen 5,05 ha = 13,6 %, 
auf den Schul-, Spiel- und Sportplatz 1,57 ha = 1,4 so 
daß 30,57 ha = 85% Bauland bleiben. Der durchschnittliche 
Erwerbspreis betrug 1,40 Mk. für 1 qm. Die durchschnitt 
liche Grundstücksgröße beträgt rund 600 qm. 
Im März 1910 wurde der Bau des ersten Hauses be 
gonnen. Im Oktober 1910 wohnten schon 49 Familien in 
der Gartenstadt. Im April 1911 werden zusammen 90 Familien 
ihr eigenes Haus haben. 
DIE REGELUNG EINES ALTEN STADTTEILES 
VON BUDAPEST. 
Von Dr.-Ing. EMERICH FORBÄTH, Budapest. 
Von dem rechtsuferigen Gebiete der Stadt Budapest 
führte bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts nur eine 
einzige Brücke nach der auf dem linken Ufer gelegenen 
inneren Stadt hinüber, nämlich die in den 40 er Jahren des 
vorigen Jahrhunderts erbaute Kettenbrücke. (Auf dem Lage 
plan Abb. b, Doppeltafel 40/41 mitLänczhid bezeichnet.) Eine 
weitere Verbindung wurde mit der Zeit immer dringlicher. 
Als passendster Ort für diese zweite Überbrückung wurde 
die Richtung der Kossuth-Lajos-Gasse gewählt, deren stadt 
seitige Fortsetzung eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, 
die vom Zentralbahnhof ausgehende Raköczystraße, bildet. 
Bis zu den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts war jedoch 
diese Straße nicht bis zur Donau geführt, sondern mündete 
in ein Gewirr von engen winkeligen Gassen, die zur Ab 
wicklung eines lebhafteren Verkehrs vollständig ungeeignet 
waren. 
Den Zustand vor der Regelung dieses Stadtteiles zeigt 
der Lageplan Abb. a. Wir sehen das Ende der damals 
noch nicht verbreiterten Kossuth-Lajos-Gasse (auf dem 
Plan mit Kossuth-Lajos-Utca bezeichnet) und die zwischen 
dieser Gasse und der Donau gelagerten unregelmäßigen 
Baublöcke. Die Richtung der neuen Brücke, sowie die 
nach durchgeführter Regelung entstandenen neuen Bau 
blöcke sind mit gestrichelten Linien angedeutet. 
Die Regelung soll nach dem Lageplane b erfolgen und 
ist bereits bis auf den Abbruch der im Lageplanc „a“ bzw, 
„b“ bezeichneten Innerstädter Pfarrkirche und des Piaristen- 
ordenshauses durchgeführt. Die Kossuth-Lajos-Gasse ist
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.