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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 8.1911 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
des Deutschen Reiches seit langem die Wege weisen, welche diese heute 
zu wandeln gezwungen wird. 
Wichtig und nicht zu unterschätzen ist nun die Tatsache, daß alle 
diese Fragen nicht nur den einzelnen Städtebaukünstler, Gesetzgeber, 
Kommunalpolitiker und die beteiligten Behörden bewegen, sondern daß 
auch die Bevölkerung selbst mit regem Eifer alle Wendungen einer 
Lbsungsmöglichkeit verfolgt. So sehen wir, mit welcher Ausführlichkeit 
jeder neue Plan in der Presse für und wider besprochen wird und mit 
welcher Teilnahme die Bevölkerung alle Einzelheiten beobachtet und be 
spricht, gleichgültig, ob es sich um einen notwendig werdenden Straßen 
durchbruch, die Anlage einer neuen Untergrundbahn oder um den Ver 
kauf von städtischem Gelände handelt. Dabei wird der Frage der Be 
bauungsmöglichkeit eines neu zu erschließenden Geländes oft ein großes 
(Tempelhofer) Feld eingeräumt. 
Um so merkwürdiger berührt es, daß man noch nicht darüber nach 
gedacht zu haben scheint, ob und wie man all den Köpfen, die sich nach 
jahrelangem Studium dieser Frage mit ihrer praktischen Lösung, be 
sonders auf dem Gebiete der Städtebaukunst, befassen, ihr mühevolles 
Werk so weit wie möglich erleichtern kann. Es handelt sich doch gerade 
bei den dabei in Frage kommenden, oft auseinandergehenden Interessen 
darum, überzeugendes, übersichtliches Material in die Hand zu bekommen, 
und zwar nicht nur in intellektueller, sondern auch rein technischer, besser 
plantechnischer Beziehung. Die Sozialpolitik der Großstadt ist vor- 
wärtsgestürmt, hat jedoch die unentbehrlichen technischen Unterlagen bei der 
großen Eile, mit der sie ihren Siegeslauf unternimmt, nicht mitgenommen. 
Mit anderen Worten: die Plantechnik steht nicht im Verhältnis zur Größe 
der Aufgaben, die ihr zu lösen zufallen. Es genügt nicht, daß man mit 
Lineal und Feder die Grenzen feststellt, die als Wohnstätten dienen oder 
als Wälder und Wiesen der Bevölkerung erhalten bleiben sollen — es 
reicht nicht aus, daß man auf dem Papier eine Bresche in bestehende 
Steinwälle legt, sondern der Städtebauer bedarf einer Möglichkeit, den 
Behörden sowohl wie der Bevölkerung seine Vorschläge greifbar vor die 
Augen zu führen. Da sich dies naturgemäß nicht in der Wirklichkeit, 
d. h. in natürlicher Größe am Stadtgebiete selbst, durchführen läßt, sp 
muß es im kleinen geschehen, auf einem Wege, der das Stadtbild natur 
getreu in allen Einzelheiten wiedergibt, und zwar nicht in bunten oder 
schwarzen Linien auf dem Papier, sondern auf plastischer Grundlage, auf 
der jede Einzelheit des Geländes, jedes Haus, jeder Platz, jede Straße, 
Wälder und Wiesen, kurz alles „en miniature“ aufgebaut wird. Der 
Städtebaukünstler braucht mit einem solchen plastischen Plan zur 
Hand nicht das Stadtbild zu zeichnen, sondern er könnte bauen, wirk 
lich aufbauen. Jede größere Stadt sollte sich daher, wie dies bisher 
nur vereinzelt geschehen ist und in einigen Beispielen auch auf der ein- 
CHRONIK. 
A uch die ALTONÄER ALTSTADT soll nun saniert werden, und 
zwar durch Verbreiterung und teilweise Verlegung der Straßen und 
durch Herstellung einer neuen Verbindungsstraße, die vom Elbufer herauf 
zur Königstraße führen wird, ähnlich wie in Hamburg; hoffentlich, wie 
wir hinzufügen, mit glücklicherer Hand, wie in der Hamburger Süd 
vorstadt geschehen. 
B ald werden nun in BERLIN auch die alten Häuser, die an der 
ADLER-, DER HOLZGARTEN-, DER UNTER 
WASSER- UND ALTEN LEIPZIGER STRASSE, SOWIE 
AN RAULES HOF liegen, fallen. Daß damit wieder ein Stück Alt- 
Berlins verschwinden wird, kann wohl bedauert, doch kaum gehindert 
werden. Wenn aber das Viertel durch eine neue Straße für moderne 
Bebauung aufgeshlossen, oder wie es so schön heißt „saniert“ werden 
soll, so darf wohl dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, dies möge 
unter möglichster Schonung des Charakters des alten Stadtteiles geschehen. 
er s. Zu von den Magistraten der Vorstädte CHARLOTTEN 
BURG, WILMERSDORF, RIXDORF UND LICHTEN 
BERG an den Minister des Innern gelichtete Antrag, die BAUPOLIZEI 
gangs erwähnten Städtebauausstellung zu sehen war, ein Reliefmodell 
ihres Stadtgebietes herstellen lassen, auf dem die jeweiligen baulichen 
Veränderungen sofort festzustellen wären. Ein solcher Plan kann natür 
lich die papiernen Druckpläne nicht verdrängen. Dagegen spricht schon 
der verhältnismäßig hohe Anschaffungspreis eines solchen Kunstwerkes. 
Die Kosten eines plastischen Planes richten sich je nach dem ge 
wünschten Maßstabe und der Art des darzustellenden Geländes. Der 
genaue Preis läßt sich immer erst auf Grund einschläglicher Unterlagen 
von Fall zu Fall bemessen. Durchschnittlich beträgt er für einen pla 
stischen Plan, der z. B. das Weichbild einer Stadt wiedergibt, und worauf 
die Häuserblöcke schematisch wiedergegeben, jedoch hervorragende Bau 
lichkeiten naturgetreu nachgebildet werden, ungefähr 8—io Pfg. für i qcm; 
ein Reliefmodell von z qm würde demnach 800—toooMk. kosten. So be 
trägt der Preis für den Plan der Stadt Frankfurt a, Oder, der auf der 
Dresdener Hygieneausstellung zur Ausstellung gelangt, bei einem Maß- 
stabe von 1 : 3000 Und einer Größe von 4 qm, rund 3000 Mk. — Handelt 
es sich um die Darstellung der Umgebung einer Stadt oder von Gelände, 
das wenig oder gar keine Baulichkeiten aufweist, so schwankt der Preis 
zwischen 4 und 7 Pfg. für 1 qcm. Diese Reliefmodelle gelangen übrigens 
meistens überhöht zur Darstellung und haben sich bisher selbst in den 
größten Abmessungen als sehr gut versendungsfähig erwiesen. Die 
Haltbarkeit der plastischen Pläne ist eine unbegrenzte. Andererseits 
gestattet das Material, Abänderungen und Nachträge aufs leichteste vor 
zunehmen, so daß auf diese Weise der Plan stets auf dem laufenden ge 
halten werden kann. 
Vergegenwärtigt man sich, daß die Städte in einem solchen pla 
stischen Plane einerseits, wie die Erfahrung lehrt — z. B. auf Aus 
stellungen —, ein außerordentliches Reklamemittel für die Veräußerung 
von Gelände besitzen und andererseits infolge seiner Haltbarkeit ein In 
ventarstück von bleibendem Wert, so erscheinen die Kosten verhältnis 
mäßig niedrig. Eine im Besitze eines plastischen Planes befindliche Stadt 
ist in der Lage, der Bürgerschaft die fortlaufenden Veränderungen des 
Stadtbildes zugänglich zu machen; selbst der geübte Kartenleser und der 
Städtebauer, deren Ortssinn keiner neuen Mittel bedarf, werden in dem 
Modellplan eine willkommene Unterstützung ihrer ästhetischen Phantasie 
finden und viel leichter als nach papiernen Plänen im voraus beurteilen 
können, wie sich die geplante Umwandlung eines Stadtbildes oder Ge 
ländes nach ihrer Fertigstellung ausnehmen wird. Fragen, wie sie Berlin 
z, B. hinsichtlich der Straßendurchbrüche oder der Bebauung (Tempel 
hofer Feld) bewegen, würden zu einer eigenartigen und allen Interessen 
dienlichen Lösung auf diese Weise gebracht werden können, und das 
selbe gilt für alle größeren Städte mit ihren wechselseitigen Bemühungen 
und Anregungen im Städtebau. 
den städtischen Verwaltungen zu übertragen, ist zwar abgelehnt worden. 
Immerhin hat aber die Anordnung zur Folge gehabt, daß die Bauämter der 
Königlichen Polizei angewiesen sind, mehr als bisher im Einvernehmen 
mit den Stadtverwaltungen zu arbeiten. 
er RINGBAHNHOF EBERSSTRASSE IN SCHÖNEBERG 
bei Berlin soll zu einem Umsteigebahnhof der Wannsee- und der 
Potsdamer Eisenbahn umgebaut werden, das für die bevorstehende Be 
bauung des Sehöneberger Südgeländes, dessen nördlicher Teil bis zur 
Station Ebersstraße und dem Kreuzungspunkt der Ring-, Wannsee- und 
Potsdamer Fernbahn reicht, von größter Bedeutung ist. Die Schöneberger 
Maxstraße, die neben dem Bahnhofe Ebersstraße liegt, und die eine 
Hauptzugangsstraße zum Südgelände bildet, findet jetzt ihr Ende am 
Bahnkörper der Potsdamer Bahn, nachdem sie unter dem etwas nördlich 
davon gelegenen Bahnkörper der Ringbahn hinweggeführt worden ist. 
Diese Stelle ist also für die Anlage eines Umsteigebahnhofs ganz vor 
züglich geeignet. Durch den Umsteigebahnhof würde auch eine er 
hebliche Verkehrsverbesserung für die an der Ringbahn gelegenen Vor 
orte Halensee, Schmargendorf, Wilmersdorf, Friedenau, Tempelhof und 
Rhcdorf erlangt werden. 
Verantwortlich für die Schriftleitung: Theodor Goecke, Berlin. — Verlag von Emst Wasmuth A.-G„ Berlin W., Markgrafenstraße 35. 
Inseratenannahme C. Behling, Berlin W. 66. — Gedruckt bei Herros^ & Ziemaen, G. m. b. H., Wittenberg. — Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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