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Volume H. 2

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 7.1910 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Tm ARCHITEKTEN-VEREIN ZU BERLIN hielt am 2a. No, 
^ vember 1909 Herr Stadtbaurat a. D- Theodor Koehn einen Vortrag mit 
Lichtbildern überdas Ergebnis des internationalen Wettbewerbes 
zur Erhaltung von ausführlichen Entwürfen für die Ausnützung 
der Walchensee-Wasserkräfte. 
Um den Zuhörern ein Bild von dem Umfang der Arbeit zu geben, 
welche der Wettbewerb verursacht bat, hatte der Vortragende im Saale 
einen Teil der $8 Pläne ausbängen lassen, die zu einem von Ihm in 
Gemeinschaft mit der Münchener Bauunternehmung Säger & Woerncr 
bearbeiteten Wettbewerbsentwurfe mit dem Motto: „Landeskultur'* gehören. 
Nachdem der Vortragende die Verfasser der preisgekrönten Entwürfe 
genannt hatte, ging er näher auf die Bedingungen des Wettbewerbs ein 
und hob besonders hervor, daß im Hinblick auf die Unsicherheit des Bau 
programms viel zu viel Einzelheiten verlangt worden seien, wodurch den 
Bewerbern außerordentlich hohe Kosten entstanden wären. Der Bericht 
erstatter in der Deutschen Bauzeitung über den Wettbewerb habe die 
Durchschnittskosten der 31 cingereichten Entwürfe, wozu 1532 Pläne und 
Berichte gehört haben, auf 35000 Mark für einen Entwurf geschätzt und 
damit wohl das richtige getroffen. 
Hieran schloss sich die Besprechung der einzelnen preisgekrönten 
Entwürfe, deren Gediegenheit der Vortragende hohes Lob spendete. Als 
dann erläuterte Herr Koehn in großen Zügen den von ihm in Gemeinschaft 
mit der Bauuntemehmung Säger & Woerner eingereichten Entwurf mit dem 
Motto „Landeskultur“ an Hand der ausgestellten Pläne und an Lichtbildern, 
Bei der Schiaßbetrachtung erwähnte der Vortragende, daß die tat 
sächlich verteilten 6 Preise im Gesamtbeträge von 65 000 Mark doch recht 
sparsam erscheinen, wenn man bedenkt, dass allein die 6 Entwürfe, 
welche der Staat erworben habe, für die Bewerber einen Selbstkostenwert 
von zusammen sicher nicht unter 160—180000 Mark gehabt hätten. Rück 
blickend auf das Ergebnis des Wettbewerbes müsse man für die Zukunft 
empfehlen, entweder von dem Verlangen der Bearbeitung aller einzelnen 
Konstruktionsteile bei ähnlichen Wettbewerben abzusehen, oder aber einem 
beschränkten Wettbewerb den Vorzug zu geben, damit jedem Bewerber 
auch ein wenigstens bescheidener Lohn für seine Arbeit zuteil würde. 
i ^I£ NEUE GROSSE PARKANLAGE, die im Westen Berlins 
A-"' auf dem Qrenzgelände von Steglitz und Gr. - Lichterfelde zwischen 
Potsdamer Bahn und Teltowkanal geschaffen wird, dürfte nach ihrer Fertig 
stellung dem im Entstehen begriffenen Schöneberger Stadtpark und dem 
Wilmersdorfer Seepark nicht naebstehen. Der Park, der sich von Norden 
nach Süden erstreckt, wird von Steglitz und Gr.-Lichterfelde gemeinsam 
Angelegt, und zwar zu beiden Seiten der Bäke nach einem einheitlichen 
Plane. Für die Ausführung der Arbeiten ist ein Zeitraum von drei Jahren 
in Aussicht genommen. Gleichzeitig wird Gr.-Lichterfelde auf der Nord 
seite des Teltowkanals zwischen der Gemeindebadeanstalt und der Giesens- 
dorfer Brücke eine Promenadenstraße anlegen. Hand in Hand mit der 
Anlage des Parkes, der ein Glied in dem um Berlin geplanten Wald- und 
Wiesengürtel bilden wird, erfolgt der Ausbau der im Grenzgebiete der 
beiden Vororte liegenden Potsdamer Chaussee am neuen Botanischen 
Garten und der zu Steglitz gehörigen Lichterfelder Chaussee und der 
Chausseestraße in Lichterfelde zu vornehmen Pracbtstraßen in einer Breite 
von 30 bezw. 20 Metern. 
A AMERIKANISCHE UNTERGRUNDLÄDEN. Mit der immer 
stärkeren Heranziehung der Untergrundbahn zur Bewältigung des 
Riesenverkehrs der Großstadt entstehen in ihren Bahnhöfen unter der Erd 
oberfläche liegende Verkehrsknoten. Während man in Deutschland hier 
nur Gegenstände feübietet, die der Benutzer der Untergrundbahn braucht, 
also Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Zigarren u. dergU, ist man in Ame 
rika weitergegangen und hat Läden auf Untergrundbahnhöfen eingerichtet, 
die alles das, was für den täglichen Bedarf notwendig ist, veikaufen. 
Ei er der größten dieser Untergrundbahnhöfe ist jüngst in Philadelphia 
eröffnet worden. Er ermöglicht es, daß zugleich 5000 Menschen ohne 
irgendwelches Gedränge hier ankommen und abfabren können. Die Bahn 
steige dieses größten unterirdischen Bahnhofs sind nun von etwas er 
höhten, etwa 1 */* Meter breiten Bürgersteigen umgeben, die zu den großen 
Schaufenstern Und Läden führen. Die hunderte von elektrischen Lampen, 
die diese Läden erleuchten, haben dem Bahnhof vollkommen das düstere 
Aussehen genommen und haben ihn in eine helle glänzende unterirdische 
Geschäftsstadt verwandelt. Natürlich war ein Zusammenarbeiten der Bahn 
gesellschaft mit den Ladenbesitzern nötig, um diese Läden ertragsfähig 
zu gestalten. So haben es die Geschäftsleute erreicht, daß jedermann, 
also nicht nur der, der sich im Besitz einer Fahrkarte befindet, den 
Untergrundbahnhof betreten darf. Um eine Kontrolle zu ermöglichen, ist 
der vor den Schaufenstern befindliche erhöhte Bürgersteig durch ein Gitter 
von dem übrigen Bahnhof getrennt, das nur Besitzer einer Fahrkarte 
durchschreiten dürfen. Neben Verbindungsgängen zwischen den einzelnen 
Ladenstraßen waren vor allem auch Verkehrstünnel unter der Untergrund 
bahn nötig, damit die Käufer von der rechten Seite der Bahn auf die links 
und umgekehrt gelangen können. Die vollkommensten Mittel der Technik 
sorgen für den fast rs Meter unter der Erde liegenden Verkehrsplatz für 
die nötige Lüftung, so daß die ständig unter der Erdoberfläche weilenden 
Angestellten der Geschäfte an ihrer Gesundheit keinen Schaden nehmen 
können. Da sich dieser unterirdischeVerkehrsplatz inmitten des Schwerpunktes 
von Philadelphia befindet, hat er in kurzer Zeit großen Zuspruch erlangt, 
da Tausende von Menschen lieber hier kaufen, als oben in den Straßen 
sich unter ohrenbetäubendem Lärm in der Menschenmenge hin- und her 
schieben zu lassen. 
ORDWEISER AUF DEM STRASSENPFLASTER! In 
der städtischen Schuldeputation zu Berlin hatte vor einiger Zeit Stadt 
verordneter Dr. BÜtow unter großer Zustimmung angeregt, auf Straßen und 
Plätzen an geeigneten Stellen Windrosen oder Pfeile, die nach Nordes zeigen, 
im Mosaikpflaster anbringen zu lassen. 
Die Schuldeputation, die den Nutzen einer solchen Einrichtung auch 
für unsere Schuljugend anerkannte, damit diese Interesse gewinnt für 
allerlei mit der Himmelsrichtung im Zusammenhang stehende Beobach 
tungen, konnte indes der Ausführung dieses praktischen Gedankens nicht 
nähertreten. Die Anregung fand dann aber in der städtischen Tiefbau 
deputation gleichen Anklang und ist nun bereits in zwei Bauämtern 
in verschiedener Weise ausgeführt worden. Zunächst ist eine solche 
Windrose auf dem mit Schmuckanlagen versehenen dreieckigen Platz vor 
der Jerusalemer Kirche in dem Mosaikpflaster unmittelbar hinter der 
Anschlagsäule am Treffpunkt der Linden- und Jerusalemer Strasse kunst 
gerecht angebracht worden. In anderer Weise, die aber nicht minder auf- 
fällt, ist die zweite Windrose am Treffpunkt der Christiania- und Grün- 
thaler Straße dem Mosaikpflaster eingefügt worden. 
Z UR ERRICHTUNG EINES DENKMALS FÜR GROSS 
HERZOG FRIEDRICH IN MANNHEIM waren 32 Wett 
bewerbsentwurfe eingelaufen. Drei gleichwertige Preise von je 4000 M. 
erhielten die Entwürfe: 
„Eckehard“ von Bildhauer Professor Hermann Volz in Karlsruhe und 
Architekt Professor Dr. Ing. Bruno Schmitz in Berlin, 
„Frieden“ von Bildhauer Emil Stadelhofer in Rom, 
„Dem Großherzog aller Deutschen“ von Professor Dr. Ing. Bruno 
Schmitz in Berlin. 
Danach darf man wohl die Hoffnung hegen, daß es Bruno Schmitz 
vergönnt sein wird, dem von ihm geschaffenen Friedrichplatz in Mann 
heim auch den Schlußstein einzufügen. Angekauft wurden auf Vorschlag 
des Preisgerichts die Entwürfe: 
„Einfach“ von Architekt Plattner in Mannheim und Bildhauer Pro 
fessor Schreyögg in Karlsruhe, 
„Treue um Treue“ von Arch. Karl Müller und Bildhauer Hermann 
Taglang in Mannheim, 
„Rhein und Neckar“ von KUnzler in Berlin, endlich Uber die bestimmte 
Zahl hinaus 
„Mannheimer Stadtwappen“ von Heinrich Bauser und Ludwig 
Schmiedet in Karlsruhe. 
Die Unterlagen aller zur Ausschreibung gelangenden Wettbewerbe 
können in den Geschäftsräumen des Verlags Ernst Wasmuth A.-O. 
Berlin W., Markgrafenstraße 35, wochentäglich in den Stunden von 
10—4 Uhr unentgeltlich eingesehen werden. 
Verantwortlich für die Schriftleimng: Theodor Goecke, Berlin, — Verlag von Emst Wasmuth A.-Q., Berlin W„ Markgrafenstraße 35. 
Znseratenannahme C. Behling, Berlin W. 66. — Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Hofbuchdrucker., Berlin W. *— Klischees von Carl Schütte, Berlin W.
	        
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