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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 7.1910 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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denken das Interesse an guter Bauweise und die Verach 
tung gegenüber der technischen ästhetischen Schundware. 
Damit entzieht sie dem unfähigen Bauunternehmertum den 
Boden und leistet Pionierdienste für das solide Bauhand 
werk und die Baukünstler. 
Wenn man sich die ganze Tragweite dieser Tatsache 
vor Augen hält, so sind doch die paar Bauentwürfe, welche 
eine Bauberatungsstelle in Ausübung ihrer Tätigkeit an 
sich einnimmt, nichts weiter, als die Handvoll Korn, die 
der vorhin als Bild hervorgeholte Säemann ausstreut, da 
mit die reiche Saat daraus ersprieße. 
Zum dritten steht die Bauberatungsstelle der wirk 
lichen Baukunst schützend und fördernd zur Seite. Die 
Bauberatungsstelle weist das Publikum unmittelbar auf die 
Notwendigkeit hin, zum Architekten zu gehen! Die Bau 
beratungsstelle kann verhindern, daß ein gutes Bauwerk 
durch schlechte Nachbarbauten erdrückt werde. Ihr Ein 
spruch bei der Baupolizei kann bewirken, daß der tote 
Buchstabe des Baugesetzes, der soviel Schönheit schon 
erwürgt hat, seine Kraft verliert, daß ein Kunstwerk ent 
stehen darf, obgleich es nicht mit Paragraph so und soviel 
übereinstimmt. Die Schönheit eines Bauwerks wird ihm 
als Verdienst angerechnet und belohnt. 
Ja sogar die Beseitigung von Vorschriften, die vom 
architektonischen Standpunkte aus als schief oder schäd 
lich empfunden werden, ist durch die Bauberatungsstellen 
spielend zu erreichen, wo lange Beratungen am grünen Tisch 
erfahrungsgemäß nur zu einer neuen Verklausulierung 
führen. 
Nun stellen die unentwegten Gegner der Bauberatungs- 
stellen die Behauptung auf, sie schränken die indivi 
duelle Freiheit des Künstlers ein. „Selbständige künst 
lerische Regungen werden unterdrückt zugunsten einer 
NEUE BÜCHER. 
Wir bitten um gefällige Zusendung aller einschlägigen neuen 
Bücher und Schriften, die wir unter dieser Übersicht regelmäßig an« 
zeigen werden; wir übernehmen aber keine Verpflichtung zur Be 
sprechung und Rücksendung. 
EWERBE-MUSEUM BREMEN. Bericht über das Jahr igio. 
^ Erstattet vom Direktor Professor E. HÖgg. Hauschild, Bremen. 
■py.-Ing. Gerold E. Beetz. „DAS EIGENE HEIM UND SEIN 
GARTEN.“ Westdeutsche Veriagsgesellschaft m. b. H„ Wies 
baden. 3. Auflage. 
A US ENGLISCHEN GARTENSTÄDTEN. Beobachtung™ 
und Ergebnisse einer sozialen Studienreise. Veröffentlicht und 
herauegegeben von der Deutschen Gartenstadtgesellscbaft, Berlin - Rehfelde 
(Ostbahn) 1910. Deutscher Renaissance-Verlag Robert Federn, Berlin- 
Grunewald. 
/"GRUNDLAGEN DES STÄDTEBAUES von Raymond Unwin, 
deutsch von L. Maclean, Regienrngsbaumeister a. D. Verlag Otto 
Baumgärtel, Berlin* Preis so M., geh. 32,50 M. 
ORSCHLAG ZU EINEM GRUNDPLAN VON GROSS 
BERLIN von Hermann Jansen, Architekt, Berlin 1909, Heraus 
geber des „Baumeister“. Mit 14 Abbildungen und 4 Plänen. Preis 5 M. 
Verlegt bei Georg D, W. Callwey, München. 
einseitigen, diktatorisch aufgezwungenen Geschmacksrich 
tung ästhetischer Machthaber,“ Ja, meine Herren, ein 
solcher Vorwurf könnte vielleicht ein Körnlein Wahrheit 
enthalten, wenn wir in einer Zeit lebten, wie etwa um 
1500, als schlechtweg alles, was gebaut wurde, schön 
gebaut wurde, weil ein untrüglicher, sicherer Kunstinstinkt 
dem ganzen Volk in den Knochen saß. Damals wäre wohl 
eine Sachverständigen - Kommission sehr von Übel ge 
wesen, die erklärt hätte: „Von heute ab darf nur noch in 
deutscher Renaissance gebaut werden“. Aber bei uns han 
delt es sich doch um ganz andere Dinge! § 1 des Kunst 
schutzgesetzes, der von der „gröblichen Verunstaltung“ 
handelt, verhindert ja an sich schon eine unerwünschte 
Einwirkung auf die Werke der Architekten. Der Be 
griff „gröbliche Verunstaltung“ ist so weit gespannt, daß 
ein Bauwerk schon recht herzlich schlecht ausschauen 
muß, bis eine neunköpfige Kommission dazu kommt, es 
abzulehnen. Der Architekt — Baukünstler — mit seinen 
Werken hat nichts von der Kommission zu befürchten, 
aber alles zu erhoffen. 
Und die übrigen, die Kurpfuscher der Baukunst, haben 
die ein Recht auf Respektierung ihrer künstlerischen Indivi 
dualität? Nein, gewiß nicht, hier ist nur blödes Unvermögen 
völligster Geschmacksdürre, und hiergegenüber haben wir 
nur eine Pflicht: rücksichtslose Beseitigung! Damit 
der Boden frei werde für Besseres. Es genügt für unser 
liebes Deutschland nicht, daß es sich um ungezählte 
Millionen vermehrt und daß diese Millionen verdrossen 
hin-lebende Proletarier bleiben. Was nun dringend not 
tut, ist ein Volk, das sich wohl fühlt ln seinen Wohn 
sitzen und das aus diesem Wohlbehagen Kräfte des 
Lebens saugt; Herzensbildung, Schönheitsgefühl, Liebe 
zur Heimat! 
/“G ROSS-BERLINS BAULICHE ZUKUNFT. Vorschläge zur 
Reform der Bebauungsbestimmungen. Verfaßt von Dr. Karl Keller 
und Stadtbauinspektor Tb. Nitze. Mit einer Einleitung von Dr. Karl v. 
Mangoldt. Preis 1,50 M. 1910. Renaissance-Verlag von Robert Federn, 
Berlin-Grunewald. 
^UR SCHNELLBAHNFRAGE VON GROSS-BERLIN. 
Von Richatd Petersen. Sonderabdruck aus der Elektrotechnischen 
Zeitschrift 1909, Heft 32. 
onderabdruck aus dem „ARCHIV FÜR VOLKSWOHL 
FAHRT“. Herausgegeben vom Stadtbibliothekar Dr. O. Fritz, 
Charlottenburg; Professor Dr. A, Wolfstieg, Berlin (Volkserziehungswesen); 
Direktor Dr. O. Most, Düsseldorf (Volkswirtschaft); Professor Dr. med. 
H. Wolpert, Berlin (Hygiene). Deutscher Verlag für Volkswirtschaft, 
Berlin W. 30. 
S TATISTIK DER AN DEN HÖHEREN TECHNISCHEN 
STAATS- UND KOMMUNALSCHULEN, SOWIE AN 
DEN PRIVATEN TECHNIKEN, POLYTECHNIKEN UND 
AKADEMIEN GELEHRTEN DISZIPLINEN, sowie der für die 
einzelnen Unterrichtsfächer aufgewendeten Stundenzahlen. Herauegegeben 
von Georg Matthes, Direktor der Gewerbe-Akademie zu Berlin. Druck und 
Verlag von Wilhelm Ißleib, Berlin SW. 48, Wilhelrastr. ng/iao. Preis 
l Mark. Der Verfasser hat in vier Tabellen eine Übersicht Ober die an 
den obengenannten Anstalten gelehrten Disziplinen und die hierfür aufge 
wendeten Stundenzahlen gegeben.
	        
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