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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 7.1910 (Public Domain)

7. Jahrgang 
1910 
11. Heft 
STÄDTEBAU. 
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INHALTSVERZEICHNIS; Das Grundlegende im mittelalterlichen Städtebau. Von Chr. Klaiber, Holzminden. — Zur Freilegung von St. Maria- 
Magdalenen in Prenzlau (U.-M.). Von W. Thalmann, Dipl.-Ing., Berlin. — Die Burgkirche in Königsberg in Preußen. Von A. Reich, Berlin-Friedenau. 
Die Bauberatungsstellen Bremens. Von Professor E. Högg, Bremen. — Neue Bücher. -—■ Kleine Mitteilungen. — Chronik. 
Nachdruck der Aufsätze ohne ausdrückliche Zustimmung der Schriftleitung verboten. 
DAS GRUNDLEGENDE IM MIT 
TELALTERLICHEN STÄDTEBAU. 
Von CHR. KLAIBER, Holzminden. 
In den alten Städten, und zwar in ganz hervorragen 
dem Maße bei den kleinsten unter ihnen findet sich ein 
reicher Studienstoff für den Städtebau. Städte, wie Nürn 
berg, Augsburg, Würzburg, Lübeck, Rothenburg ob der 
Tauber und Tangermünde sind meist genannt und bekannt. 
Aber die neue Auffassung im Städtebau knüpft sich nicht 
allein an diese Namen, sondern wem die Augen geöffnet 
sind, wird bald eine Menge Beispiele finden, die im ein 
zelnen von oft unübertreffbarer Anlage, doch im ganzen 
immer die Grundbegriffe klar zeigen, aus d nen heraus 
die den Stadtplan bildenden Mächte begriffen werden 
können. Dies wird um so mehr erleichtert da, wo die 
Lebensbedingungen nahezu dieselben geblieben sind, wie 
im Mittelalter; das heißt je weiter von der Bahn und dem 
modernen Leben weg. desto besser. Denn die Bedingun 
gen und Bedürfnisse des Verkehrs, des Wohnens, lassen 
in den meisten Fällen die Gründe für die Anlage erkennen 
und durchschauen. Nur wer in dieser Weise lebendige 
Anschauung bekommt von den natürlich gegebenen Ge 
setzen im Städtebau und den Feinheiten der Anwendung 
wird ein ohne Schematismus arbeitender Stadtbaumeister 
werden. 
Als die wichtigsten Grundlagen bei der Bildung des 
Stadtplanes im Mittelalter wird sich überall herausfinden 
lassen: der Fernverkehr, der Ortsverkehr und der Markt- 
und Messenverkehr. Der Fernverkehr ist sämtlicher Ver 
kehr mit der Außenwelt, als engeren Begriff den Durch 
gangsverkehr in sich aufnehmend, indem der Fernverkehr 
einzuteilen ist in den an der Stadt vorbeigeführten und den 
durch die Stadt hin durch getührten Verkehr. Der von der 
Volkswirtschaftslehre aufgestellte Satz, daß im Mittelalter die 
Städte aus handelspolitischen Gründen den Fernverkehr 
stets durch die Stadt hindurchgeführt haben, trifft nur für 
erste Handelsplätze, wie Augsburg, Nürnberg usw., zu. In 
den kleineren, handelspolitisch von den großen abhängigen 
Städten, wurde der Fernverkehr vielfach um die Stadt 
herumgeführt, um Zeit und unnötige Abgaben zu sparen. 
Daß ein solcher im Umkreise der Stadt vorbeigeführter 
Verkehr einen ganz anderen Einfluß auf die Stadtplanbil 
dung hatte, als ein eigentlicher Durchgangsverkehr ist in 
vergleichender Weise leicht zu erkennen. Der erstere be 
wirkt, daß nur noch der Ortsverkehr, Marktverkehr und 
die Verbindungsstraße mit dem außerhalb der Mauern der 
Stadt liegenden Fernverkehr für die Straßenbildung in be 
tracht kommt, während beim letzteren der Durchgangs 
verkehr die Hauptstraßen der Stadt bildet. Anziehend ist 
nun zu beobachten, wie das Wirtschaftliche, die Handels 
politik jeder mittelalterlichen Stadt, darauf bedacht war, 
einen möglichst bequemen, unmittelbaren Verbindungsweg 
herzustellen zwischen dem meist vorhandenen, außerhalb 
der Stadt liegenden Wagenhalteplatz des Fernverkehrs und 
dem Marktplatz. Aus diesem handelspolitischen Grunde
	        
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