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Volume H. 4

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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gestatteten, dem dringenden Bedürfnisse zu begegnen« 
Der von Architekt Prof. Th, Fischer bearbeitete Plan für 
Kissingen — vergl. unsere Zeitschrift, Jahrgang 1908, 
Tafel 51—52 — faßt besonders die Erweiterung der Stadt in 
großzügiger, mit den Kuranlagen eng verbundener Weise 
ins Auge. In Kissingen sind die Bäder eng von der älteren 
städtischen Bebauung umgeben und durch Straßenzüge und 
Promenaden unmittelbar mit dieser verbunden; sie liegen 
am rechten Ufer der Saale, mit Ausnahme des am linken 
Ufer des Flusses erbauten Aktienbadehauses. 
Die beabsichtigte Stadterweiterung, würde nichts 
wesentliches an den Beziehungen zwischen den Kuran 
lagen und der Wohnstadt ändern. Nach dem Plane sind 
es besonders die südöstlich gelegenen, sowie die westlich 
an der Saale gelegenen Stadtteile, welche in den neu 
zuerrichtenden Vierteln der offenen Landhausbauweise 
zugeführt und als Aufenthalt für die Badegäste den 
Zwecken des Kurortes dienstbar gemacht werden sollen, 
während der nordöstliche Stadtteil der städtischen ständi 
gen Bevölkerung und dem Gewerbebetriebe Vorbehalten 
bliebe und in geschlossener Weise bebaut werden könnte. 
Der landschaftliche Reiz Kissingens liegt hauptsächlich in 
dem beiderseits vom Flußtal aufsteigenden Gelände. Im 
südöstlichen Teile der Stadt galt es, den Bergabhang mit 
mäßig ansteigenden und annähernd horizontal geführten 
Straßenzügen zu versehen, die Anschluß an die Boden 
laube erhalten. Der nordöstliche älteste Stadtteil stand 
ursprünglich in geringer Verbindung mit den Bädern, nur 
die Salinenpromenade am Saaleufer hatte einigen Anspruch 
auf Zusammenhang mit der Wohnstadt. Auch die jetzt 
geplante weiter hinausreichende Bebauung nimmt wenig 
Rücksicht auf die Kuranlagen. Die an dieser Stelle der 
Bebauung zu erschließende Fläche ist in möglichst regel 
mäßige und kleiner bemessene Baublöcke geteilt und 
dürfte die Herstellung billiger Wohnungen ermöglichen. 
Da hier Gärten nicht häufig angelegt werden möchten, so 
sind mehrere größere freie Plätze im Plane vorgesehen. 
Der westliche Stadtteil würde vornehmlich Straßenzüge 
erhalten, welche den Berg zur Schießstätte emporsteigen, 
teilweise in stark gebogener Linienführung, um ein mäßi 
geres Sfeigungsverhältnis zu erzielen. 
Zur Erlangung von Plänen für den Neubau eines Kur 
salons und eines Heilbades sowie zur passenden Umge 
staltung der umgebenden gärtnerischen Anlagen in Teplitz- 
Schönau wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die ein 
gegangenen Entwürfe sind von Scheurembrandt in Heft 2 
und 3, 1906, der „Architektur-Konkurrenzen“ ver 
öffentlicht. In dem Zusammenhänge der Bäderanlage mit 
der Stadt sollte nichts wesentliches geändert werden; 
allenfalls kam es darauf an, die neuzuerrichtenden Bau 
lichkeiten mit der umgebenden städtischen Bebauung 
noch enger zu verbinden, als dies bisher der Fall gewesen 
war. Dieser Zweck ist in einigen der vorliegenden Arbeiten 
in vortrefflicher Weise erreicht worden, und zwar unter 
möglichster Wahrung der Einheitlichkeit für die Park 
anlagen. 
Das am Rande des Taunus in nächster Nähe des 
Rheingaues herrlich gelegene Wiesbaden, dessen Heil 
quellen als Fontes Mattiaci bereits von den Römern be 
nutzt wurden, hat sich in der Neuzeit zu einer der be 
suchtesten Bäderstädte und zugleich zu einem Stelldichein 
des glänzendsten Weltverkehrs entwickelt. Durch den 
Bau des neuen, namentlich im Innern mit aller Pracht 
ausgestatteten Kurhauses, das im Mittelbau die große 
Wandelhalle und beiderseits die Konzertsäle, die Unter- 
haltungs-, Lese- und Spielzimmer enthält und an der Ost 
seite mit breiten Terrassen ausgestattet ist, hat Wiesbaden 
für die Besucher eine wesentliche Bereicherung erfahren. 
Indes ist in den äußeren Beziehungen der Kuranlagen zur 
eigentlichen Wohnstadt keine wesentliche Veränderung 
eingetreten, da das neue von Fr. von Thiersch prächtig 
erbaute Kurhaus am Platze des alten errichtet wurde und 
sich wie früher inmitten des Kurparks, dessen vorderer Teil 
beiderseits mit Kolonnaden und dem hinter der südlichen 
Kolonnade gelegenen Theatergebäude eingefaßt wird, erhebt, 
— Vergl. Lageplan Tafel 27. — Die Umgestaltung des un 
mittelbar diese Baulichkeiten umgebenden Geländes, 
namentlich eine Tieferlegung des sogenannten Bowling- 
greens, steht demnächst bevor. Mit dem Kurpark in unmittel 
barer Verbindung steht die zumeistvillenartige städtische Be 
bauung. Durch Erweiterung der Bahnhofsanlage und das 
1906 eröffnete, als Kopfstation ausgestaltete neue Empfanga- 
gebäude wurde das schnelle Emporblühen der Stadt 
Wiesbaden außerordentlich begünstigt. 
Durch zweckmäßige Erweiterungen der vorhandenen 
Anlagen sowie durch umfassende Neubauten hat Bad- 
Nauheim den Charakter einer vorzüglich ausgebildeten 
Bäderstadt gewonnen. Vergl, die Lagepläne auf Doppel 
tafel 28—29 und die Schaubilder bezw. Einzelheiten auf den 
Tafeln 30—32. Die günstige Lage der meisten dem Bade 
betrieb dienenden Gebäude am Rande eines größeren, von 
einem Flußlauf durchzogenen, einen Teich umschließenden 
Parkes und in bequemer Verbindung mit den Wohnvierteln 
der Stadt muß als glücklich gewählte bezeichnet werden. 
Das Kurhaus in Verbindung mit malerisch wirkenden 
Terrassen hat eine Erweiterung durch die Anlage eines 
neuen Konzertsaals mit Konzertgarten und Musiktempel 
erfahren. Die neue Anlage ist in sich durch eine an der 
Nordseite ringsum laufende Halle mit gedeckten Sitzplätzen 
abgeschlossen. Der Musiktempel mit den seitlich an 
schließenden Laubengängen, durch die der Blick in den 
Park frei bleibt, vermittelt den etwa 4 m betragenden Höhen 
unterschied zwischen Konzertgarten und Park. Vor dem 
Kurhause erstreckt sich eine doppelte Terrassenmauer mit 
dem Haupteingange. Das Teichhaus bleibt in alter Form 
erhalten; dagegen ist eine neue Gärtnerei mit Inventarhalle 
und Parkwärterwohnung, zu einer Gruppe vereinigt, zur 
Ausführung gekommen. Zu den erst geplanten Baulichkeiten 
gehört eine Trinkkurhaile in der Nähe der evangelischen 
Dankeskirche, ein Tenniskaffeehaus mit Läden zwischen 
Parkstraße und Park und ein Salinengebäude Jenseits des 
Bahnhofs. DieTrinkbrunnenanlagewird eine offene Wandel 
halle bilden, die sich hufeisenförmig den Straßenlioien 
folgend südlich des Kurbrunnens und der alten Baumalleen 
hinzieht. Das Gradierhaus mit Wandelbahn, das Bade 
haus IV und das Inhalatorium, zu einer Baugruppe ver 
einigt, gehören zu den älteren unberührt gebliebenen bau 
lichen Einrichtungen, ebenso die Badehäuser V und VI 
sowie das Maschinenbaus. Einen umfänglichen, architek 
tonisch hervorragend ausgestatteten Neubau bildet die 
nahezu, zentral gelegene, in unmittelbarem Anschluß an 
den Park errichtete Gruppe von 6 Badehäusern, die unter 
sich in Verbindung einen mit Wandelhallen umgebenen 
größeren Oartenhof einschließen und selbst wieder mit Je
	        
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