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Volume H. 12

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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regt, die zu damaliger Zeit weniger der Verkehr wie der 
Geschmack forderte, denn Gradheit und Breite gilt stets 
als Haupterfordernis für schöne Straßenanlagen. Enge 
Straßen seien nicht luftig genug, dunkel, verkehrshinder 
lich und feuergefährlich durch nahes Gegenüberstehen der 
Häuser. Die Breitenmaße der grandes, moyennes und 
petites rues sind 26, 19,5 und 13 m, d. h. die letzten noch 
zirka 3 m breiter wie die Rue de Richelieu zu Paris, die 
eine Zeit lang als gut bemessene Straße galt. Die gleich 
mäßigen Häuserhöhen an ihnen betragen 15, 13 und 10 m. 
Im allgemeinen neigte die Zeit (auch in Deutschland) da 
zu, die Häuserhöhen weit geringer wie Straßenbreiten zu 
bemessen. Wenn man aber in vorliegender Veröffent- 
höchstens die Hälfte von den ihnen nötigen. Hervorge 
hoben zu werden verdient, daß nicht Riesenplätze vorge 
schlagen werden, sondern gleichmäßig große Plätze Über 
die ganze Stadt verteilt sind. 
Zum Schluß beschäftigt sich ein Anhang mit der 
„Beaute complete d’une ville“. Für eine vollendet 
schöne Stadt sei es vor allem erforderlich, daß sie in einer 
vollkommenen Ebene liege, da nur so regelmäßigste 
Straßenzüge anzulegen seien, damit zweitens man nicht 
ansteigen brauche, Glatteis nicht so gefährlich werden 
könne und drittens die hochgelegenen Teile den Einsen 
kungen nicht die gute Luft abhielten. Es folgt eine ober 
flächliche Aufzählung der Hauptbauten einer Stadt. 
»VnWUWrti 
Abb. 3. 
Abb. 4. 
lichung weiter davon unterrichtet wird, daß hier für die 
beiden ersten Straßen an dreigeschossigen Bauten mit aus 
gebautem Dach gedacht ist, für die kleinen Straßen an 
gleiche nur zweigeschossige Hausformen, daß ferner bis 
auf die öffentlichen und besonderen Gebäude durchgehende 
Häusergleichheit an einer Straße verlangt wird, so kann 
man sich des Eindrucks fast einfältiger Einfachheit nicht 
erwehren. Der Vorschlag, der Stadt Reichtum und doch 
Einheit zu geben, indem für jede Straße ein besonderer 
Häusertyp geschaffen wird, könnte sogar auf einen Dilet 
tanten schließen lassen, wenn nicht ähnliche Vorschläge 
für die Stadtbaukunst gleichzeitig von ernsthaften Archi 
tekten gemacht worden wären. 
Die Plätze sollen im Verhältnis zur Einwohnerzahl 
stehen. Selbst die berühmtesten Städte jener Zeit besäßen 
Solche mittelgroßen Städte für 100000 bis 150000 Ein 
wohner seien in einer gegenseitigen Entfernung von 25 bis 
30 Lieus über das ganze Land zu verteilen. Sie hätten 
nicht die wirtschaftlichen Unzuträglichkeiten wie die Riesen 
stadt Paris, litten aber auch nicht an der verschlafenen 
Öde einer Provinzstadt. 
In solchen Städten könne ein Drittel der Gesamt 
bevölkerung leben, „jouir de plaisir de resider dans cette 
espece de paradis terrestre“. Die Stadtbaukunst beginnt 
menschenfreundlich zu werden, sie sieht es als Aufgabe 
an, „procurer d’une maniere egale et certaine l’aisance et 
le bonheur de toute la nation“. 
Im 19. Jahrhundert hat der Stadtbauhygieniker allein 
das Wort, die Stadt wird eine gesunde Anlage, aber nüchtern 
wie ein Kasernenbau.
	        
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