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Volume H. 11

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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bild, das sich sehr wohl neben dem bewußt als solches auf 
genommenen behaupten konnte. Während die hoben Herr 
schaften mit Vorliebe Bilder aus dem Auslande {Toledo, 
Cetinje usw.) gebracht haben, kam die große Mehrzahl 
deutscher Liebhaber mit Motiven aus Franken (altes Stadttor 
Besigheim) und Niedersachsen (Bauernhaus) aus Danzig, 
Hegereuter Haus (Frauengasse), Harburg, Stralsund, Krieb- 
stein, Meißen, Quedlinburg, Rothenburg o. T., Wasserburg 
a. Inn, aber auch aus Florenz usw. Mit einer gewissen 
Genugtuung konnte man hieraus ersehen, daß echte Schön 
heiten auch in weiteren Kreisen als dem der Fachleute 
gefunden und empfunden werden, wenn auch ein bischen 
Sentimentalität dabei mit unterläuft. Freier sind davon 
die Aufnahmen englischer, nordischer und niederländischer 
Liebhaber aus Brügge, Alt Wisby, Amsterdam, Perugia, 
Venedig, das holländische Dorf und die Gracht nicht zu 
vergessen. Eine besondere Ausstellung war die öster 
reichische, die sich durch viele Städtebilder auszeichnete, 
hauptsächlich aus Wien, Eger, Graz, Prag, doch auch aus 
Venedig, Florenz und Toledo — photographische Vereine 
scheinen in Wien zahlreich vertreten zu sein. Eine 
praktische Bedeutung hatte namentlich die Fremdenver 
kehrsausstellung mit Bildern von Kurorten und Sommer 
frischen. 
Damit war die Ausbeute aber noch nicht erschöpft. 
Besondere Erwähnung verdient die Abteilung für Photo 
grammetrie, in der sich die Königliche Meßbildanstalt 
in Berlin wieder in bekannter Vollendung zeigte und die 
Lehrkanzel für praktische Geometrie an der k. k. Tech 
nischen Hochschule in Wien vorteilhaft einführte. Ferner 
in der Abteilung „Technik“ die Gesellschaft für elek 
trische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin und von der 
„Internationalen Vereinigung von Kunstphotogra 
phen“ besonders das Bild London Bridge von Alvin 
Longdon Caburn, New York und London. Endlich die 
Reproduktionshalle mit Photolithographien der Reichs 
druckerei nach dem Holzschnitt eines unbekannten Floren 
tiner Meisters: Ansicht von Florenz (dreiteilig) und nach 
dem Holzschnitt von Jacopo de Barbari: Ansicht von 
Venedig (sechsteilig). Orell Füßli & Co., artistisches 
Institut in Zürich, hatte eine prachtvolle photographische 
Vergrößerung der Gesamtansicht von Zürich von H.Spuehler 
— zirka 4,5 m lang und 1,5 m hoch — in Farben beige 
steuert, J. Schlumpf in Winterthur einen Plan der Stadt 
Zürich. Stadtpläne waren sonst nicht vertreten. Vielleicht 
wird in einer späteren Ausstellung diesem Gebiete mehr 
Aufmerksamkeit geschenkt. 
Zu allerletzt sei noch auf das Atelierhaus mit ver 
tieftem Vorgarten (Mitarbeiter; Gartenarchitekt J. T. Groß 
mann) und reizenden Sitzplätzen von Professor Oswin 
Hempel hingewiesen, der auch im übrigen mit vielem 
Glück als Ausstellungsarchitekt tätig gewesen ist. 
NEUE BÜCHER UND SCHRIFTEN. 
Besprochen von R. GOLDSCHMIDT, Berlin. 
EICHSGESETZ ÜBER DIE SICHERUNG DER BAU 
FORDERUNGEN vom 1. Juni 190g, mit einer Einleitung, Er 
läuterungen und ausführlichem Sachregister, bearbeitet von H. Freitag und 
F. Haubensack, Tübingen 190g, Verlag von A. und S. Weil. 
Das Buch enthält den Text des Gesetzes Uber Sicherung der Bau 
forderungen mit einer groben Zahl von Randbemerkungen, die dem Laien 
den Inhalt verständlich machen sollen. Eine Einleitung gibt die geschicht 
liche Entwicklung des Gesetzes. Ein brauchbares, alphabetisches Sach 
register ist angeschlossen. Da das Gesetz für den Laien wenig Übersichtlich 
ist, sind erklärende Bemerkungen nötig. Es haben sich deshalb die Ver 
fasser ein Verdienst erworben, solche in allgemein verständlicher und 
klarer Form dem Urtexte des Gesetzes beizufUgen; nur scheinen mir diese 
nicht ausreichend. Es hätten zum Verständnis des ganzen Gesetzes auch 
diejenigen Paragraphen bereits bestehender Gesetze aufgeführt und er 
läutert werden müssen, die mit ihm unmittelbar Zusammenhängen, wie ein 
zelne Teile des Gesetzes für Zwangsversteigerungen. Zum Beispiel: Das 
Gesetz für Sicherung der Baufordeningen schließt damit, daß dem Bau 
unternehmer ein Anteil an einer Sicherheitshypothek (Bauhypothek) auf 
dem Grundstück eingeräumt wird, wenn ihm vom Eigentümer für seine 
für den Bau gefertigten Arbeiten keine volle Bezahlung geleistet wurde. 
Der juristisch nicht vorgebildete Laie möchte aber auch gern wissen, was 
ihm für Rechte aus dieser Eintragung entstehen. Gibt ihm diese ohne 
weiteres das Recht, das Grundstück zur Zwangsversteigerung zu bringen, 
und so sich aus dem Ertrage, falls er hoch genug ausfällt, bezahlt zu 
machen? Oder muß er erst seine Forderung an den Eigentümer aus 
klagen, um dann auf Grund eines vollstreckbaren Urteiles die Zwangs 
versteigerung einzuleiten? Was geschieht ferner, wenn der Eigentümer 
sofort nach Eintragung der Baubypothek sein Grundstück verkauft? Dann 
fallen die persönlichen Forderungen, die er an den ersten Eigentümer hatte, 
dem zweiten gegenüber fort. Kann er dann trotzdem die Zwangs 
versteigerung betreiben, oder muß er seine Forderung ganz nach Belieben 
des letzten Eigentümers ohne Verzinsung auf dem Hause belassen ? Diese 
sehr wichtigen Fragen, deren Beantwortung erst den Wert der Bauhypothek 
für den Bauunternehmer klar stellen, finden ihre Lösung zum Teil in dem 
Gesetze für die Zwangsversteigerung. Es wäre deshalb sehr erwünscht, 
wenn bei einer zweiten Auflage des Buches diese und vielleicht auch 
noch andere Fragen, die für das Verständnis des vorliegenden Gesetzes mit 
sprechen, berücksichtigt würden. 
Besprochen von THEODOR GOECKE, Berlin. 
Wir bitten um gefällige Zusendung aller einschlägigen neuen 
Bücher und Schriften, die wir unter dieser Übersicht regelmäßig an- 
zeigen werden; wir übernehmen aber keine Verpflichtung zur Be 
sprechung und Rücksendung. 
TP\AS ENGLISCHE LANDHAUS« Eine Sammlung englischer 
HaU&pläne aus dem Privatbesitz Seiner Majestät des Kaisers. Im 
Allerhöchsten Aufträge zur Anregung für den deutschen Eigenhausbau 
veröffentlicht mit erläuterndem Text von Professor Arthur Wienkoop. Mit 
36 Tafeln Abbildungen, Grundrissen und Kunstbeilagen. Wiesbaden 1909. 
Westdeutsche Verlagsgesellschaft m. b. H. Preis 4 Mark. 
Der Titel sagt eigentlich schon genug. Der Landhausbau soll ge 
fördert werden. Wienkoop hat auf die Klippen hingewiesen, an denen 
diese Absicht bei sklavischer Nachahmung der englischen Vorbilder scheitern 
würde. Das Landhaus als Bindeglied zwischen dem Bauernhause und 
dem Herrschaftshause des Rittergutsbesitzers, als Villa des reichen Mannes, 
für den Bürger, den Kleinbürger, den Industriearbeiter, Die Entwürfe 
rühren von dem Architekten F. B. Wade in London und Lawson und 
Reynolds in Bournemooth her und bieten Sommerhäuser, Pförtnerhäuser,
	        
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