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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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der alten Grafschaft seit dem Beginn des 18, Jahrhunderts, 
Ihre Eigenart ergab sich durch die gegen die Gefahren 
der Wetterunbilden und des Feuers damals eingeführte 
* VerSchieferung und schwarzgestrichene Verschindelung. 
Zur Milderung des allzuernsten Eindrucks strich man das 
Holzwerk der Türen und Fenster weiß, die Läden grün 
und brachte damit zujgleich die drei Farben des bergischen 
Landes zum Ausdruck. Während am Rhein und Main 
die Verschieferung bis an die Tür- und Fensterlichter 
reicht, bildet hier ein hölzerner weißer Rahmen die Grenze, 
Gemeinsam ist allen diesen Häusern die Lage des 
Haupteingangs inmitten der Front; er ist stets von zwei 
Fenstern eingefaßt, so daß die Diele vor Treppe und 
Stuben gute Beleuchtung erhält. Über der Tür ist häufig 
ein gerades, im Bogen oder geschweift überdachtes Ober 
fenster, oft mit nach innen und außen leuchtender ge 
schmiedeter, ln Eisen- oder Messingblech getriebener und 
kunstvoll verglaster Laterne mit Namenszügen und anderem 
Schmuck. Diese Gruppe von drei Öffnungen ist bei reicheren 
Häusern noch mit Säulen, Gebälken und Verdachungen in 
Holz vervollständigt im Zopf-, Empire- oder Biedermeier 
stil, stets weiß gestrichen. Stil und Farbe sind dieselben 
für den in der Hausachse am oberen Dachrand hinzu 
tretenden wirkungsvollen Ziergiebel. 
Die reichste Ausbildung aber zeigen die nicht selten 
vor, neben und hinter dem Wohnbause bei Einfriedigungen 
in Holz, Eisen und Stein hinzutretenden überaus phantasie- 
vollen Gartenhäuser mit rundem, polygonem oder daraus 
zusammengesetztem Grundriß. Besonders ihre Dach 
ausbildungen als Kuppeln, Pyramiden mit Unterbrechungen 
durch Gaupen und Endigungen in Wetterfahnen, Wimpeln, 
Blitzableitern u. dergl. bieten mannigfachste Abwechselung 
in meistermäßiger Holz-, Schmiede- und Spenglerarbeit. 
Als hervorragendes Beispiel eines derartigen Kunst 
werkes führte Herr Regierungsbaumeister Walter Morin, 
der kürzlich im Frankfurter Architekten- und Ingenieur 
verein über Bergische Bauweise sprach, das Landhaus 
des Fabrikanten Harkort in Haspe im Bilde vor, zugleich 
mit den besten Werken dieses besonderen Zweiges deut 
scher Baukunst, dargestellt in den ersten Lieferungen des 
vortrefflichen, bei Ernst Wasmuth A.-G, in Berlin er 
scheinenden Werkes: Bergische Bauweise, heraus- 
gegeben vom Ausschuß zur Förderung Bergischer Bau 
kunst. 
SCHUTZ FÜR BERLINS 
Von THEODOR GOECKE, Berlin. 
Nach den §§ 2—7 des sich gegen die Verunstaltung von 
Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden 
gerichteten Gesetzes vom 15. Juli 1907 können Baudenk 
mäler, wozu auch Straßen- und Platzbilder gehören, auf 
Grund eines Ortsstatuts geschützt werden, der die Polizei 
verpflichtet, einzugreifen, wenn es sich um keine gröbliche 
Verunstaltung nach § 1 handelt. Danach kann also sowohl 
in offen als auch in geschlossen bebauten Orten und Orts 
teilen die baupolizeiliche Genehmigung zu Bauten und bau 
lichen Änderungen an Straßen und Straßenteilen, an Plätzen, 
auch neuangelegten in künstlerischer bezw. geschicht 
licher Bedeutung versagt werden, wenn dadurch die Eigen 
art des Orts- und Straßenbildes beeinträchtigt werden 
Die Bemühungen der Kunsthistoriker, die verdienst 
vollsten Meister dieser auch die Neuzeit in jener Gegend 
der Rheinlande stark beeinflussenden Bauweise zu er 
gründen, ließen einen Meister Harmann, der zu Pompa- 
dourschen Zeiten beim Bau des Schlosses Benrath tätig 
war, samt seinen Söhnen in Hagen als besonders begabte 
Künstler erkennen, der jedenfalls beim Bau der schönen, 
leider durch die Vertreibung der Bergischen Grafen unter 
brochenen Hauptstraße Barmens hervorragenden Anteil hat. 
Einen höchst wertvollen Beitrag zur Kenntnis dieser 
eigenartigen Kunst lieferte 1908 die gelegentlich der Ein 
weihung der Barmer Ruhmeshalle zur Hundertjahrfeier 
der Stadt Barmen veranstaltete Ausstellung der herr 
lichen kunstgewerblichen, im Besitz der Wuppertaler 
Patrizierfamilien befindlichen Schätze. Sie sind photo 
graphisch nachgebildet (im Handel in Barmen bei Wilh. 
Fülle) und haben reichliche Nahrung geliefert zur Weiter 
förderung des durch die Kunstgewerbeschule in Elber 
feld erzogenen Kunsthandwerkes des Wuppertals. Merk 
würdigerweise ist es trotz der musterhaften Leitung dieser 
hervorragend tüchtigen Handwerker in diesen reichen 
Fabrikstädten, wie leider in so vielen des deutschen 
Vaterlandes, noch immer Unsitte, beim Bedarf für Hoch 
zeitsausstattungen die Bestellungen schlendriangemäß in 
Cöln, Berlin oder gar Paris zu machen! 
Gegen diesen Unfug der Patrizier haben nun Kunst 
schule und Kunsthandwerk im Verein kräftig Front ge 
macht, an der Spitze Alfred Altherr in Elberfeld, der 
mit festem Künstlerwillen und unermüdlicher Schöpfung 
von Plänen und Einzelheiten zu mustergültigen Innen 
ausstattungen die Bürgerliche Wohnungsausstellung 
zu Elberfeld zustande brachte, welche soeben nach drei 
monatiger Wirksamkeit ihre Pforten mit dem Bewußtsein 
schließen durfte, ihren vaterstädtischen Zweck erreicht 
zu haben. 
Diesen Eindruck hatte der Verfasser dieser Zeilen 
wenigstens im Verkehr mit maßgebenden Persönlichkeiten 
der Wuppertaler Patrizierschaft. — 
Möge dieser hervorragende Künstler samt der hinter 
ihm stehenden, dem Führer für seine Verdienste tief dank 
baren wackeren Schar der Elberfelder Kunsthandwerker 
ein Vorbild sein für die so häufig einer ähnlichen wirk 
samen Belehrung bedürftigen Einwohner anderer Städte 
des deutschen Vaterlandes. 
BAU DEN KMÄLER. 
würde. Und dasselbe ist für bauliche Änderungen ein 
zelner Bauwerke von künstlerischer oder geschichtlicher 
Bedeutung, sowie bei Bauten und baulichen Änderungen 
in deren Umgebung zulässig, wenn dadurch die Eigenart 
oder der Eindruck einzelner Bauwerke und ihrer Um 
gebung beeinträchtigt werden würde. Die Verunzierung 
durch Reklame und die Schädigung besonderer Ortsteile, 
wie Landhausviertel, Prachtstraßen usw. oder der äußeren 
Gestaltung einzelner Häuser (über das baupolizeilich zu 
lässige Maß hinaus) soll verhütet werden. 
Der Magistrat von Berlin hat nun mit Zustimmung der 
Stadtverordnetenversammlung durch Erlaß des Ortsstatuts 
zum Schutze der Stadt Berlin gegen Verunstaltung vom
	        
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