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Volume H. 9

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
Während bei einer Stadt bis zu 50 000 Einwohnern die 
Markthalle als Zentralanstalt, weil nur einmal verkommend 
und deshalb möglichst in der Mitte liegend, aufzufassen 
ist, rechnet man sie für eine Stadt von 150000 Einwohnern 
wohl richtiger zu den Verteilnngsanstalten, die sich also 
mehrmals wiederholen. Es ist städtebaulich besser, den 
Verkehr zu verteilen, als ihn zu sammeln. 
Die geräumige große Eisenhalle würde also den Markt 
betrieb ein für alle Mal zentralisieren. Sie müßte deswegen 
in der Nähe des neuen Schlußes, etwa in der Glogauer 
Straße oder Comeniusstraße ihren Platz finden. Die gegen 
wärtige Magistratsvorlage aber will dem Marktplatz der 
Altstadt, d. i. dem Sapiehaplatze eine Schutzhalle geben. 
Hierbei bleibt der gesamte Marktbetrieb in seiner gegen 
wärtigen Form erhalten, indem er auf den Plätzen der ver 
schiedenen Stadtteile wechselnd abgehalten wird. Daraus 
dürfte sich bald ergeben, daß die drei Vorstädte, ebenso 
wie die Altstadt, für ihren Marktplatz den gleichen Schutz 
verlangen werden. Es spricht jedoch für die Vorlage, daß 
vier derartige offene Hallen immer noch geringere Bau 
kosten verursachen, als eine große Eisenhalle, deren Unter 
haltung die Stadt überdies dauernd stark belasten würde. 
Man kann sich also, ganz abgesehen von noch anderen 
Gründen, unbedenklich der in der Stadtverordneten-Ver 
sammlung gezeitigten Auffassung anschließen, daß die 
grundsätzliche Lösung der Markthallenfrage, wie sie der 
Magistrat vorgeschlagen hat, die richtige ist. Im folgenden 
bleibt nun noch zu untersuchen, wo die geplante Schutz 
halle auf dem Sapiehaplatze Aufstellung finden sollte. 
In einer Posener Tageszeitung schreibt ein Leser: 
„Man vergesse nicht, daß wir Posener an öffentlichen 
Plätzen, die mit Recht die Lungen der Großstadt genannt 
werden, sehr arm sind, und daß es daher sehr mißlich ist, 
einen dieser wenigen Plätze nunmehr zubauen zu wollen. 
Selbst wenn die Stadt an Plätzen reich wäre, so würde 
es zweifellos in der jetzigen Zeit der Gartenstadtbewegung 
einen Rückschritt bedeuten, wollte eine Stadt von den 
freien Plätzen, die sie besitzt, auch nur einen beseitigen.“ 
Als Anhänger der Gartenstadtbewegung unterschreibe 
ich diesen Satz. Aber ich frage: Inwieweit handelt es sich 
denn überhaupt um ein Zubauen des Sapiehaplatzes? Die 
Raumverhältnisse des Sapiehaplatzes sind im allgemeinen 
gute. Höchstens könnte man wünschen, daß seine Längs 
achse ein wenig kürzer sei. Der ursprünglichste Gedanke 
wäre der, eine einfache Halle in die Mitte des Platzes in seine 
Längsache zu setzen. Geschieht das so, daß die Längs 
achse der Halle mit der des Platzes gleichläuft, so haben 
wir allerdings nahezu dasjenige, was jener Einsender be 
fürchtet. Dies ist die einzige Lage, in der man, selbst 
Abb. 1. Vorschlag des Magistrats in Posen. 
Abb. 2. Vorschlag des Architekten Dipl.-Ing. Georg Strach, Posen.
	        
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