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Volume H. 6

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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Nach diesem Programm ist also der vom Schöpfer des Friedrichs 
platzes, Professor Dr.-Ing. Bruno Schmitz gewünschte Schluß des an der 
Augusta-Anlage gebildeten Loches nur in beschränktem Umfange möglich 
— immerhin aber doch möglich, so daß wir nur wünschen können, Schmitz 
möge der an ihn ergangenen besonderen Einladung Folge leisten. Im 
übrigen sind zur Preisbewerbung nur alle zur Zeit dieses Ausschreibens 
im Großherzogtum Baden dauernd ansässigen oder als Badener geborene 
Bildhauer und Architekten zugelassen. 
Verlangt wird ein Gipsmodell im Maßstabe von i : io des auszu- 
führenden Denkmals. Die etwaige Architektur kann in gleichem Maßstabe in 
zeichnerischem Aufriß bezw. zentralperspektivisch so zur Darstellung ge 
bracht werden, daß die Anlage in Verbindung mit dem Gipsmodell zu 
deutlicher Erscheinung gebracht wird. 
Vom Anspruch auf einen Preis sind alle Entwürfe ausgeschlossen, 
die den Bedingungen in irgend einem Punkte nicht entsprechen, oder die 
nach dem Urteil des Preisgerichts um den Betrag von 360 000 Mark offen 
sichtlich nicht zur Ausführung gebracht werden können. 
Die Entwürfe sind spätestens am 22. Dezember 1909 einzuliefern. 
Preisgericht; A, Mitglieder: 
Bildhauer Professor Ludwig Manzel in Berlin, Bildhauer Professor 
Robert Diez in Dresden, Architekt Professor Martin Dülfer in Dresden, 
Architekt Professor Dr, Gabriel v. Seiel in München und Maler Otto 
Propheter in Mannheim. B. Ersatzmänner: 
Bildhauer Professor Joseph Uphues in Berlin, Bildhauer Professor 
Emil Hundrieser in Berlin und Architekt Professor Theodor Fischer in 
München: 
Preise: ein erster von 5000 Mark, ein. zweiter von 4000 Mark und 
ein dritter von 3000 Mark. 
Der Gesamtbetrag dieser 12000 Mark in drei Preisen kommt unter 
allen Umständen zur Verteilung. Jedoch steht es den Preisrichtern unter 
dem Vorbehalt, daß kein Preis unter 3000 Mark betragen darf, frei, die 
Verteilung der drei Preise auch so vorzunehmen, daß mehrere Entwürfe 
gleich bewertet werden. Außerdem werden 3000 Mark zur Verfügung ge 
stellt zum Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe, die von den Preis 
richtern für die Lösung der Aufgabe als besonders nützlich bezeichnet 
werden. Alle Bewerber willigen durch die Einsendung in den Ankauf 
zum Preise von 1000 Mark. Die preisgekrönten Entwürfe gehen ohne 
weiteres samt allen Urheberrechten in das Eigentum des Denkmalkomitees 
über. Ein etwaiger Verzicht hierauf im Falle des Nichtbedarfs bleibt auf 
Antrag dem Denkmalkomitee Vorbehalten. 
Dem Denkmalkomitee steht die Wahl vollkommen frei, ob es einen 
der am Wettbewerb beteiligt gewesenen Entwürfe zur Ausführung bringen 
will oder nicht und welchen. Es entscheidet ebenso über den etwaigen 
Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe. Die Preisträger sind auf Ent 
schließung des Komitees verpflichtet, ihren Entwurf für die Summe von 
360 000 Mark in allen Teilen vollständig, einschließlich der Fundamente 
und Erdbewegungen, zur Ausführung zu bringen, und zwar innerhalb 
2*/» Jahren vom Tage der Auftragserteilung an, fertig aufgestellt an Ort 
und Stelle des Denkmals in Mannheim. Alle übrigen Abmachungen sind 
dem Vertragsschluß mit dem ausfdhrenden Künstler Vorbehalten. Th. G. 
ÜINE NEUE STRASSENDURCHLEGUNG IN BERLIN. 
Von B. Wehl, Berlin-Hcrmsdorf. Straßendurchbrüche und Verkehrs 
verbesserungen in älteren, dicht bebadten Stadtteilen sind stets mit großen 
Schwierigkeiten und Kosten verknüpft. Ein solcher Plan (siehe Textbild 4), 
der die Schaffung einer neuen Verbindung von dem engsten Altstadtteile 
Berlins über die industriereiche Oranien- und Rittersbraße hinweg nach 
den südlichen und südwestlichen Wohnvierteln bezweckt, hält seit einiger 
Zeit die Gemüter aller Interessenten und Anlieger in Atem. 
Vorausgeschickt sei, daß zwei große Verkehrsstränge, die Linden 
straße und die Prinzenstraße zurzeit den Verkehr aufzunehmen haben. 
Die Lindenstraße hat am Halleschen Tor ein so ungeheuerliches Gedränge 
aufzuweisen, daß eine Entlastung nunmehr dringend geboten erschien. 
Zwei Pläne stehen sich hier feindlich gegenüber: die Durchführung der 
Alten Jakobstraße bis zum Waterlooufer und der Alexandrinenstraße 
in den Zug der Mittenwalder Straße. Erstere erfordert sehr kostspielige 
Gmndstücksankäufe nördlich des Landwehrkanals, während bei letzterer 
nur in geringem Umfange ein einziger Ankauf südlich des Kanals, 
Abb. 4. 
■ Straßenzug Alexandrinenstraße, Waterloobrücke und Mittenwalder 
Straße mit Durchbruch beim Johannistisch 
— — — Alte Jakobstraße mit Überbrückung des Landwehrkanals. 
aus dem Besitz der Berliner Stadtmission, erforderlich ist. Das zweite 
Haupterfordernis, eihe kostspielige Überbrückung, ist im Zuge der 
Alexandrinenstraße) Waterloobrücke), in sicherer Voraussicht des späteren 
Straßendurchbruchs sogar schon vorhanden. Die Brücke liegt außerdem 
etwa genau in der Milte zwischen der Linden- und der Prinzenstraße. 
Zur Erwägung des Für und Wider folgt ein Gesuch von zwar inter 
essierter Seite, das jedoch Hergang und Begründung in gedrängter Form 
zusammenfaßt: 
Der Vorstand des „Verbandes der Geschäfts- und Industrie-Haus 
besitzer E. V. zu Berlin” führt etwa folgendes aus: 
Die natürliche Entwicklung einzelner Stadtteile zu Geschäftsmittel 
punkten für bestimmte bedeutende Gewerbe, die wir in Berlin überall 
antreffen, kann im Interesse von Industrie und Handel und im Interesse 
des Emporblühens Berlins nur begrüßt werden. Diese natürliche Ent 
wicklung nach Kräften zu unterstützen, ist ja stets eine der wichtigsten 
Aufgaben der Berliner Stadtverwaltung gewesen. 
Der Stadtteil östlich der Lindenstraße und nördlich der Gitschiner 
Straße hat sich in den letzten Jahren durch das Zusammengehen ver-
	        
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