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Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 6.1909 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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der Natur gegebene Böschung sich mit der Straße nach 
Tirschenreuth zu vereinigen (Steigung5%)* Durch die Anlage 
diesergroßenVerbindungstraße wird es inderZukunftden aus 
der Richtung Mitterteich-Tirschenreuth kommenden Puhr~ 
werken ermöglicht, auf dem Wege zum Güterbahnhofe die 
bisher einzig mögliche Straße durch die Stadt um ein be 
deutendes abzukürzen mit dem gleichzeitigen Gewinne 
besserer Steigungsverhältnisse als bisher. Eine zweite 
Möglichkeit für die Führung dieser Straße ist als Variante 
angegeben. — Eine weitere wichtige Verkehrstraße wird 
aller Voraussicht nach von der oben erwähnten Brücke über 
die Egerer Bahnlinie nach Süden in der Längsrichtung 
dieses Baugebietes entstehen, wobei allerdings für eine 
gute Verbindung mit der Hauptstraße die starke, nicht mehr 
zu ändernde Steigung am Südende hinderlich sein wird. 
Schwere Fuhrwerke werden daher wohl einen Umweg 
über die zuerst erwähnte neu anzulegende Verbindungs- 
straße nehmen müssen, wodurch deren Bedeutung noch 
mehr erhöht wird. Somit ist nun ein Gerippe von Ver 
kehrstraßen festgelegt, in das sich unter hauptsächlicher 
Berücksichtigung der Eigentumsgrenzen die eigentlichen 
Wohnstraßen einzupassen haben. 
Die Bedeutung dieses gesamten Geländes für Wohn 
zwecke findet ihren klarsten Ausdruck in den im Norden 
vorgesehenen Blöcken mit Arbeiterwohnungen, auf deren 
Anordnung im Bebauungspläne für eine Stadt wie Markt 
redwitz, deren Interessen mit denen der Industrie aufs 
engste Zusammenhängen, besondere Rücksicht genommen 
werden muß. 
Zur Durchführung der Absicht, gute, billige und ge 
sunde Wohnungen zu beschaffen, soll hier der Vorschlag 
gemacht werden, zusammenhängend gebaute Arbeiter 
wohnhäuser nach Art von Reihenhäusern entstehen zu 
lassen, in der Weise, daß jede Familie eine in sich abge 
schlossene Wohnung mit eigener Treppe erhält. Diese 
Wohnungen könnten dann zum Teil in geräumigen Wohn- 
höfen mit Gartenanteilen angelegt und die Zufahrten hierzu 
zur Verminderung der allgemeinen Straßenunterhaltungs 
kosten als einseitig bebaute Privatstraßen (P) behandelt 
werden; diese Art der Bebauung wird sich jedenfalls um 
so leichter durchführen lassen, als bisher die Stadt Markt 
redwitz von der Errungenschaft der Mietskaserne glück 
licherweise verschont geblieben ist. Es ist geplant, zunächst 
den westlichsten der mit „Arbeiterwohnungen“ bezeich 
nten Blöcke in dieser Weise auszuführen, um dann die 
dabei gemachten Erfahrungen auf die anderen zu über 
tragen. Bei der Bedeutung, die von einem Teil der Fabri 
kanten in Marktredwitz der Frage der Arbeiterwohnungen 
beigemessen wird, ist zu hoffen, daß die im Bebauungs 
pläne niedergelegte Absicht im Laufe der nächsten Jahre 
ihre Verwirklichung finden wird. — In den übrigen Teilen 
des Baugebietes ist in der Hauptsache entsprechend der 
bisher in den neuen Teilen üblichen Bauweise die offene 
angenommen worden, nur unterbrochen an einzelnen 
Stellen, namentlich an Plätzen, platzartigen Erweiterungen 
und auf der ganzen Länge der Straße, die am östlichen 
Hang entlang läuft. Dieser Hang soll mit Anpflanzungen 
versehen werden. — Die neu anzulegenden Straßenzüge 
sind so angeordnet, daß ihre Steigung nicht mehr als 5 % 
beträgt. Zur Erreichung dieses Verhältnisses läßt es sich 
allerdings nicht vermeiden, daß die Straßen an einzelnen 
Stellen etwas ins Gelände eingeschnitten werden müssen. 
Dieser Umstand giebt aber gleichzeitig Gelegenheit, die 
Häuser mit erhöhten Vorgärten anzulegen, oder kleine 
Terrassen mit Freitreppen vorzusetzen, die zur Belebung 
des Straßenbildes beitragen. In solchen Fällen dürfte sich 
ebenfalls die geschlossene Bauweise empfehlen. Die Anzahl 
der Stockwerke ist im allgemeinen mitErdgeschoß und einem 
Obergeschoß vorgesehen; es dürfte sich aber empfehlen, 
namentlich in den Hauptstraßen Erdgeschoß mit zwei 
Stockwerken zuzulassen. 
Außer den schon erwähnten Anpflanzungen und einigen 
Spielplätzen sind noch einige freie Plätze vorgesehen: für 
ein zu errichtendes Öffentliches Gebäude ist eine Stelle aus 
gewählt, deren Bodengestaltung es nahe legt, eine Platz- 
anlage mit einer Terrassenbildung zu schaffen, wozu 
als belebendes Element noch ein schöner Fernblick in das 
benachbarte Bergland hinzukommt (Platz A des Lage 
planes, siehe Schaubild Tafel 38). 
Ein zweiter Platz B ist vorgesehen an einer Stelle, 
wo ein Abschluß für das Auge in der sonst ziemlich 
geraden Straße wünschenswert erscheint — siehe Schau 
bild auf dem Lageplane. Der Fußgängerverkehr findet 
seinen Platz in dem Bogengänge eines größeren Ge 
bäudes, während die kleine Ausbiegung, die der Fuhrwerks 
verkehr infolge der abschließenden Stellung dieses Gebäudes 
zu machen hat, kaum merklich ist. Eine dritte, einfach 
gestaltete Platzanlage ist beim Punkte C angenommen. 
Es sei hier noch darauf hingewiesen, daß für einzelne 
Teile dieses Geländes zunächst nur die Hauptlinien fest 
gesetzt sind, während einzelne weitere Unterteilungen, 
deren Notwendigkeit und Beschaffenheit die Zukunft erst 
lehren wird, zunächst nur angedeutet sind (durch ” = =). 
Südlich der Straße nach Tirschenreuth ist ein Gelände 
streifen im Tale, der seiner Natur nach sich zu einer weit 
räumigen Bebauung mit Einfamilienhäusern eignet, da hier 
die Bedingungen für eine Verkehrs- oder Geschäftslage 
nicht gegeben sind; dagegen bietet sie für eine ruhige 
Wohnlage manche Vorteile. In gewissem Sinne sind hier 
die Verhältnisse ähnlich, wie die auf dem zweiten größeren 
Baugebiete, dem Reiserberge. Umschlossen von der 
Eisenbahnlinie Regensburg-Hof und dem steil abfallenden 
Talhange der Kösseine, mit der Unmöglichkeit, sich in die 
weitere Umgebung auszudehnen, zudem die gesündeste 
Lage in der unmittelbaren Nähe von Marktredwitz eignet 
sich dieses Gebiet zu einer vornehmen, ruhigen Wohnlage. 
Hier werden am besten Einfamilienhäuser in Gärten ihren 
Platz finden. Entsprechend dem geringen zu erwartenden 
Verkehr, zur möglichsten Verhinderung der Belästigung 
durch Staub und zur Erhaltung der für solche Anlagen 
notwendigen Intimität der Erscheinung können die Ab 
messungen der Wege auf das notwendigste beschränkt 
werden. Nur eine mit geschlossenen Gebäudegruppen um 
stellte Platzanlage soll dazu dienen, einige Geschäftsläden 
aufzunehmen, und zugleich als Mittelpunkt eine Ab 
wechslung in diesem Gebiete zu bilden. Die Anlagen am 
Talrande gestatten es, den schönen Blick auf die Kösseine 
freizuhalten. Auch in diesem Gebiete macht sich, wie beim 
Dirnberge, der Ubelstand bemerkbar, daß die bestehende 
Zufahrtsstraße sehr steil ist; sie läßt sich aber bis auf 
6,5 °/o Steigung verbessern. 
Im Gegensätze zum Dirnberg und zum Reiserberg 
zeigt das Gebiet beim Reichelsweiher und in Ober 
redwitz keine solche in das Auge fallende Gelände
	        
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