Path:
Volume H. 5

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
58 
der Eisenbahn gelegenen — denn hier hänge es wieder 
von der Art des Hochwasserabflusses ab, ob die Kreuzun 
gen mit der Eisenbahn als Straßen-Über- oder Unter 
führungen zu lösen sein werden — zur Bebauung weiter 
aufteilte. Auch Lasne hat — siehe Lageplan, Tafel 33 — 
die Flutbetten beibehalten, doch — was im Urteile des 
Preisgerichtes nicht zum Ausdruck gekommen ist — auch 
im Falle sie beseitigt werden könnten, das Straßennetz so 
entworfen, daß dessen Lücken durch einfache Fortführung 
der Straßenzüge leicht auszufüllen wären. Wenn ihm zum 
Vorwurf gemacht werden konnte, daß er die — für die Groß 
industrie an der Eisenbahn und zur Verbindung der In 
dustriegebiete zu beiden Seiten der Isar verlangten — 
Schienengleise mit Überbrückung der Isar als Hochbahn vor 
gesehen und dem Industrieviertel zwischen der großen und 
kleinen Isar einen allen Stadtteilen gemeinsamen Friedhof 
vorgelagert habe, so dürfte die Schuld in erster Linie wieder 
nicht den Verfasser, sondern eben die Ungewißheit über die 
Hochwasserabführung treffen. Denn die völlige Brach 
legung des Verkehrs auf einer zeitweise im Hochwasser 
liegenden Flächenbahn würde sicherlich nichts den Un 
bequemlichkeiten eines Hochbahnbetriebes nachgeben, der 
immerhin der städtischen Entwicklung freie Bahn läßt — 
und die Erdbewegung, die eine Schiffbarmachung der 
Wasserstraße mit der Anlage eines Hafens mit sich zu 
bringen pflegt, würde auch Massen genug zu einer etwaigen 
hochwasserfreien Aufhöhung eines Friedhofgeländes liefern 
können. 
Pützer endlich hat sich damit geholfen, daß er die 
städtische Flutmulde zwar durch eine schlanke Krüm 
mung ihres Nordrandes etwas einschränkte, um dafür das 
Isarbett am Heiligen-Geist-Spitale zu erweitern, für das 
Gelände am Bahnhofe aber, je nachdem die Flutgräben 
dort beizubehalten oder zu beseitigen wären, zwei Lösun 
gen zur Auswahl stellte — siehe Lageplan, Tafel 35. Nur 
der in allen Sätteln gerechte vierte Bewerber — Stübben — 
ist der Frage näher getreten und hat sie dadurch zu lösen 
versucht, daß er den nördlichen Flutgraben an der Eisen 
bahn und die städtische Flutmulde beibehalten hat, letztere 
unter Gabelung in zwei Arme, dagegen den Flutgraben 
südlich vom Bahnhofe unterdrückt hat — siehe Lageplan, 
Tafeln 40 und 41. Aber auch er gewährleistete nicht die Rich 
tigkeit seiner Berechnungen und verlangte weitergehende 
Untersuchungen. Immerhin konnte nach Meinung des 
Preisgerichts der Bebauungsplan auf dieser Grundlage mit 
Sicherheit festgelegt werden. 
Bei den ungleichen Voraussetzungen mußte es aber 
nun dem Preisgerichte schwer fallen, dem künstlerischen 
Gehalte der Wettbewerbsentwürfe in gleicher Weise ge 
recht zu werden, was sich auch in der je nach dem vor 
wiegenden Standpunkte verschieden ausgefallenen Beur 
teilung der Entwürfe deutlich ausspricht. — Ausdrücklich 
soll jedoch bei dieser Gelegenheit die im übrigen sorg 
fältige Vorbereitung des Wettbewerbes hervorgehoben 
werden, insbesondere die nachahmenswerte Tatsache, daß 
mit den Bewerbern vor Beginn der Arbeit — nur der er 
krankte Herr Lasne hatte nicht daran teilnehmen können — 
eine gemeinsame Besichtigung der Örtlichkeit mit darauf 
folgender Verhandlung stattgefunden hat, in der das Pro 
gramm durchgesprochen und über die einzelnen, insbeson 
dere für die Erhaltung des alten Stadtbildes bedeutsamen 
Punkte eine Verständigung herbeigeftihrt wurde. Nicht 
weniger als 13 Stück Unterlagen waren den Bewerbern 
geliefert. 
Nächst dem Erläuterungsberichte von J. Stübben war 
der von Otto Lasne der umfangreichste und vom künst 
lerischen Standpunkte aus eingehendste, den eingestreute 
Abbildungen wirksam unterstützten. Deshalb möge dieser 
Bericht mit geringen Änderungen auch selber sprechen. 
1. Änderungen in den vorhandenen Stadtteilen. 
„Zu verlangen ist bei einer besseren Verbindung der 
Neustadt mit der oberen Altstadt sowohl das Bild der 
Altstadt als jenes der Neustadt nach Möglichkeit 
zu schonen. Diese Verbindung durch etwaige Verbreite 
rung der Spiegelgasse oder der Kirchgasse in Vorschlag 
zu bringen, wie das in den allgemeinen Gesichtspunkten 
(des Programmes) als möglich bezeichnet ist, habe ich 
mich nicht entschließen können. Nach meiner Meinung 
müßte Hand in Hand mit der Lösung dieses Programm 
punktes auch eine bessere Verbindung der oberen Altstadt 
mit der Freyung, also der St, Martinskirche mit der St. Jo 
dokskirche angestrebt werden. Die Vorschläge hierfür sind 
auf Tafel 34 zur Darstellung gebracht; ich darf wohl an 
nehmen, daß damit der glatteste und wenigst kost 
spielige Weg zur Erreichung des genannten Zieles ge 
funden wäre. Die verlangte Verbindung würde also durch 
den Häuserblock gehen, der von der Altstadt, der Schirm 
gasse, der Neustadt und der Kirchstraße begrenzt ist. Es 
wäre dabei nicht nur im oberen Teile der Altstadt jeder 
Eingriff vermieden; auch die Geschlossenheit des Platzes 
an der Martinskirche bliebe ebenso erhalten wie jene der 
Straßenwandungen der Neustadt, weil die Einmündungs 
stellen des geplanten Straßenzuges sowohl am Kirchplatz 
(der Kirchstraße) als in der Neustadt torartig überbaut 
werden sollen. Das von Punkt A aus dargestellte Schau 
bild zeigt die gedachte Platzwirkung.“ 
„In den Vorschlägen für den Neubau der Heiligen- 
Geist-Gasse ist auch die verlangte Prucknerhausdurchfahrt 
dargestellt. Den Grundriß des Erdgeschosses des Hauses, 
wie er sich beim Umbau ergeben würde, bringt beifolgende 
Abbildung 1. Sehr empfehlenswert scheint mir eine solche 
Abb. 1. 
Lösung jedoch nicht zu sein. Die einzelnen Stockwerke, 
insbesondere aber das Erdgeschoß, sind zu niedrig, als 
daß durch solche Veränderungen die jetzige feine Wirkung, 
die das Prucknerhaus von der Neustadt aus hat, nicht
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.