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Volume H. 3

Full text: Städtebau (Public Domain) Issue 5.1908 (Public Domain)

DER STÄDTEBAU 
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vorgelagerten Haus an der Westecke des Platzes, das in 
seiner Mitte einen Laden (Apotheke?) umfängt. Durch die 
wechselweise Verschiebung der Straßen ist dem Auge 
immer ein Ziel geschaffen. 
Der größere Platz, auf den wir nun kommen, ist zwar 
nicht mehr so groß wie der ehemals angegebene, dafür 
aber: ungestört, weil die Straßen nämlich an ihm vor 
bei, und nicht um ihn herum führen. So erst erfüllt er 
seinen Zweck richtig. Dabei hat die Straße i von ihrem 
südlichen Anfang wie in dem nordnordöstlich am Platz 
gelagerten Bau (ebenfalls mit Ladeneinbau) wiederum ein 
Ziel: sie läuft damit nicht ins Endlose. Auch auf dem 
bebauten „Inselgrundstück“ sind die Häuser so gesetzt, 
daß sie dem Beschauer wechselweise Ansichten geben, 
so daß das Auge nie ganz vom Platze aus nach Straße 2 
quer durchs Grundstück blicken kann (auch windzug 
sicher!) 
Ein größerer Restaurationsbau an der Einmündung 
von Straße i auf den Bebauungsplan gibt dem Ganzen eine 
monumentale Note, die in den Putzfassaden am Platze 
beibehalten werden kann, die aber in den Straßen schwin 
den mag, wo Fachwerk und kleineres Baumaterial zur 
Geltung kommen darf. 
Die wirtschaftliche Ausnutzung des Flurteiles 
schließlich dürfte nicht nur hinsichtlich der (rot eingezeich 
neten) Verschiebungen zu Straßen, sondern auch inbezug 
auf die des öftern gegebene 4stöckige Bebauungsgelegen 
heit — wie auch auf die Aneinanderreihung von 4 Häusern 
zu einem Baublock (in Straße 2) eine größere sein, als 
im vorliegenden Lageplan zuerst gedacht war. 
URTEIL DES PREISGERICHTS UBER DIE ENT 
WÜRFE FÜR DIE AUSGESTALTUNG DES MÜN 
STERPLATZES IN ULM.') 
I. Preis dem Entwürfe mit dem Kennworte: „Einer 
soll Herr sein!“ Verfasser: Theodor Fauser, Reg-Bau- 
führer in Stuttgart, und R. Woernle, Reg.-Bauführer in 
Stuttgart, zurzeit in Saaleck b. Kösen, Siehe Tafel 22.*) **) 
In der Stidwestecke des Münsterplatzes ist eine Bau 
gruppe gedacht, — (über deren Verwendung im öffent 
lichen Gebrauch vorläufig noch gar nicht entschieden 
werden muß) —, die in den leicht gekrümmten Linien des 
Grundplans sich vollkommen den ungezwungenen, weichen 
Zügen der alten Baufluchten anpaßt und der Größe nach 
sich in wünschenswertester Weise dem Bild einfügt. Die 
Trambahn ist zweckentsprechend an die westliche Platz 
wand verlegt, wodurch hier der Verkehr zusammengefaßt 
und der eigentliche Münsterplatz als ruhiger Vorraum des 
Gotteshauses erst gewonnen wird. Die genannte Bau 
gruppe ist noch einmal schräg in der Richtung zum südlichen 
Münsterplatze mit einem Durchgänge zweckentsprechend 
durchquert. Der Aufbau hält sich in vortrefflich gewähl 
ten Massen, die so umrissen sind, daß von der Hirsch 
straße her der Münsterturm in einer sattelförmigen Ein 
senkung der Baugruppe als prächtiges Bild erscheinen 
wird. Der nördliche Münsterplatz ist auch sehr gut ge 
staltet. Dadurch, daß der Werkplatz mit der Bauhütte an 
die nordwestliche Ecke des Münsters verlegt ist, gewinnt 
der Verfasser in der Mitte des Baues einen tatsächlich 
platzmäßig wirkenden Raum in Gestalt einer Terrasse, auf 
den die beiden Portale praktisch ausmünden. An der Ost 
seite beschränkt sich der Verfasser auf das Allernotwen 
digste, um ungefähr die frühere intime Wirkung wieder 
herzustellen. Der südliche Platz ist lediglich mit einem 
bescheidenen Abschluß vom großen Münsterplatz getrennt. 
*) Als Anhang zur Abhandlung des Professor C. Hocheder in Heft 2 des 
Jahrgangs mit den Tafeln 22 bis 24; die angekauften Entwürfe folgen in Heft 4. 
**) Bei dieser Gelegenheit sei der Druckfehler berichtigt, der in der 
Abhandlung von C. Hocheder (siehe Heft 2, Seite 18, Spalte links, Zeile 25 
und 26 von unten) aus Theodor Fauser und Richard Woernle 
Th. Paustner und R. Wörle gemacht hat. 
Das Hauptverdienst des Entwurfs besteht in der klugen 
Beschränkung auf die notwendigsten baulichen Umände 
rungen, die man für das Münster zur Einrahmung und 
Maßstab-Festsetzung verlangen muß. 
II. Preis dem Entwürfe mit dem Kennworte: „Ojerum 
jerum jerum! O quae mutatio rerum!“ Siehe Tafel 23. 
Verfasser; Dr. Vetterlein, Professor in Darmstadt. 
Eine künstlerisch sehr hochstehende Arbeit! Es über 
rascht, daß der Verfasser, der ln der Anordnung der neuen 
Baugruppe auf dem Münsterplatze so viele feinfühlige Ge 
danken niedergelegt hat, nicht den notwendigen Schritt 
weitergegangen ist, die Verkehrstraße mit der Trambahn 
aus der Mitte des Platzes zu nehmen. Ob es richtig ist, 
gegenüber dem Westportale die Baugruppe vorzuschieben, 
statt zurückzuziehen, scheint zweifelhaft. Das westliche 
Nordportal sollte besser zugänglich gemacht werden. 
III. Preis dem Entwürfe mit dem Kennworte: „Sim- 
son“. Siehe Tafel 24. Verfasser: Felix Schuster, Regie 
rungsbaumeister, Stuttgart. 
Vor dem Hauptportale des Münsters einen regel 
mäßigen, vom Wagenverkehr abgeschiedenen Tiefenplatz 
zu schaffen, ist an sich ein beachtenswerter Gedanke, 
Diese Regelmäßigkeit tritt freilich in einen gewissen Gegen 
satz zur Unregelmäßigkeit des vorhandenen Münsterplatzes. 
Der Gegensatz kann aber durch Umsäumung des Vor 
hofes in weniger geometrisch gebundenen Linien vermie 
den werden. 
Die Bebauung der südwestlichen Ecke ist in der Ge 
samtanordnung zu loben, mit Ausnahme des etwas will 
kürlich eingelegten Rektorwohnhauses; auch wird es sich 
nicht empfehlen, an dieser verkehrsreichen Stelle gerade 
ein Schulhaus zu erbauen. Die Bebauung an der Nord 
seite des Münsterplatzes leidet an dem Mangel genügender 
Klarheit und Einfachheit; besonders der hinter den Ar 
kaden anschließende Baublock scheint zu viel gegliedert 
und die Bebauung des Werkplatzes zu wenig zusammen 
geschlossen. (Schluß folgt in Heft 4.)
	        
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